Gerichtsverhandlung
Inkassoverfahren auf die brutale Art
Weil er 220 Euro Schulden von einem Bekannten mit Gewalt eintreiben wollte, musste sich ein 38-Jähriger aus dem Landkreis Haßberge vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Haßfurt  verantworten.
Weil er 220 Euro Schulden von einem Bekannten mit Gewalt eintreiben wollte, musste sich ein 38-Jähriger aus dem Landkreis Haßberge vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Haßfurt verantworten.
Foto: Karl-Josef Hillenbrand/dpa
Haßfurt – Schläge, Tritte, Raub: Ein Arbeiter aus dem Landkreis Haßberge ging beim Geldeintreiben nicht zimperlich vor.

Weil er 220 Euro Schulden von einem Bekannten mit Gewalt eintreiben wollte, hat das Schöffengericht am Amtsgericht am Montag einen 38-jährigen Arbeiter aus dem nördlichen Landkreis wegen Einbruchsdiebstahl, räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu einer 15-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Als Auflage muss er 2000 Euro an den Kreisjugendring zahlen.

Der Kühlschrank war leer

Der Angeklagte arbeitete zu Beginn des vergangenen Jahres als Kassierer in einem Supermarkt. Als sein säumiger Bekannter seinen Einkauf bei ihm mit einem 100-Euro-Schein bezahlte, stieß ihm das sauer auf. Denn er selbst war damals knapp bei Kasse. Der Kühlschrank sei leer gewesen, sagte er vor Gericht. Nach ein paar Bier und Schnäpsen erreichte der Wutpegel bei ihm an einem Abend im März 2020 einen Scheitelpunkt. Zusammen mit zwei Geschwistern machte er sich auf den Weg zu dem Schuldner. Laut Anklage öffnete er gewaltsam die Wohnungstür und forderte die Rückzahlung der Schulden.

Als ihm der Schuldner vier Euro hinhielt, fühlte sich der Gläubiger provoziert. Er schlug die Hand mit den Münzen weg, um dann sein Opfer mit den Fäusten zu Boden zu schlagen. Als der Schuldner auf dem Boden saß, soll ihm der Angeklagte viermal mit dem Fuß ins Gesicht getreten haben, wobei der Abdruck der Sohle im Gesicht später von der Polizei dokumentiert wurde. Der Geschädigte erlitt Hämatome und Schürfwunden im Gesicht. Außerdem soll der Angeklagte eine Spielkonsole des Schuldners mitgenommen haben, um ihn damit zu erpressen. Falls er nicht zahle, wolle er in zwei Tagen zurückkommen und ihn „kalt machen“.

Schwester wollte beruhigen

Auf der Anklagebank räumte der Angeklagte die Tat weitgehend ein. Als er den Schuldner aufgefordert habe, das Geld zu zahlen, habe dieser lapidar geantwortet, er solle „mal chillen“. Daraufhin sei er ausgerastet und habe geschlagen und wohl auch getreten, auch wenn er dies alkoholbedingt nicht mehr genau wisse. Seine Schwester habe versucht, die Situation zu entschärfen, und sich zwischen ihn und den Geschädigten gestellt. Das Verfahren gegen sie stellte das Gericht daher ein. Als Auflage muss sie 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Ein Verfahren gegen den Bruder, der bei dem „Geldeintreiben“ ebenfalls dabei war und leicht behindert ist, wurde nicht eingeleitet.

Der Geschädigte war als Zeuge geladen, aber nicht zur Verhandlung gekommen.

Ein Unbekannter ist der Angeklagte bei der Justiz nicht.

Eine Körperverletzung und ein Verkehrsdelikt stehen in seinem Bundeszentralregisterauszug.

Staatsanwältin Anne Völkl forderte eine 18-monatige Bewährungsstrafe plus 4000 Euro Geldauflage. Der Verteidiger sah einen minder schweren Fall vorliegen, da sein Mandant vom Alkohol enthemmt gewesen sei und er sich in einer Notsituation befunden habe. Zudem habe er ein umfassendes Geständnis abgelegt und die Spielkonsole zurückgegeben. Der Anwalt plädierte daher auf eine Bewährungsstrafe von unter einem Jahr.

Aus der Abwesenheit des Opfers keinen Vorteil gezogen

Das Schöffengericht blieb in der Mitte der beiden Anträge. Strafmildernd rechnete es an, dass der Angeklagte geständig war und aus der Abwesenheit seines Opfers keinen Vorteil zog, erklärte Richter Martin Kober. Beim nächsten Mal solle der Verurteilte seinem Anwalt das Geldeintreiben überlassen, gab er ihm mit auf den Weg. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.