Gerichtsverhandlung
Kleinkrieg mit Nachbarn eskalierte
Nicht nur mit einem, sondern mit zwei Küchenmessern wollte der Angeklagte auf seinen Nachbarn losgehen.
Nicht nur mit einem, sondern mit zwei Küchenmessern wollte der Angeklagte auf seinen Nachbarn losgehen.
Foto: animaflora/Adobe Stock (Symbolfoto)
Haßfurt – Ein 60-Jähriger aus dem Maintal ging betrunken und mit zwei Küchenmessern zur Wohnungstür seines Nachbarn und drohte, ihn umzubringen.

Freunde werden ein 60-jähriger Arbeitsloser und sein Nachbar in einem Mehrfamilienwohnhaus im Maintal wohl nicht mehr. Schon vor Jahren haben sie das Kriegsbeil ausgegraben. Bereits mehrmals mussten Polizeibeamte eingreifen, um Streitereien zu schlichten. Doch am Abend des 25. November vergangenen Jahres erreichte der Kleinkrieg seinen vorläufigen Höhepunkt: Als der Nachbar wieder einmal zu laut wurde, schnappte sich der 60-Jährige zwei große Küchenmesser und ging damit und mit (später ermittelten) 1,74 Promille Alkohol intus zur Wohnungstür des Nachbarn. Er drohte lautstark, seinen verhassten Nachbarn umzubringen, und stach mehrmals mit den Messern auf dessen Wohnungstür ein. Die elfjährige Tochter des Bedrohten rief aus Angst die Polizei.

Am Mittwoch erhielt der 60-Jährige die Quittung für seinen Ausraster: Das Amtsgericht verurteilte ihn wegen Bedrohung zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe.

Bier und Flasche Whisky intus

Auf der Anklagebank legte er ein Geständnis ab. Er sei damals Alkoholiker gewesen und habe ein Paar Bier und knapp eine Flasche Whisky intus gehabt. Sein Nachbar habe im Internet gespielt, mal wieder verloren und deshalb laut geschimpft. Er (der Angeklagte) habe sich darüber beschwert. „Wenn’s dir nicht passt, kannst du ja rüberkommen“, habe der Nachbar geantwortet.

Das ließ sich der Angeklagte nicht zweimal sagen. Mit zwei jeweils zwölf Zentimeter langen Küchenmessern bewaffnet machte er sich auf den Weg zum Nachbarn und stach auf dessen Tür ein. Sein 14-jähriger Enkel habe ihm schließlich die Messer abgenommen. „Den Augenblick werde ich nie vergessen“, gab der Angeklagte zu Protokoll.

Glaubt man ihm, dann war es ein Wendepunkt in seinem Leben. Er habe seitdem keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken, habe eine Therapie gemacht, mache Sport und meditiere, versicherte er vor Gericht. Früher habe er täglich sechs bis acht Bier plus Flachmänner getrunken. Außerdem habe er 40 Jahre lang gekifft und andere Drogen genommen.

„Nachbar in der Psychiatrie“

Mit seinem ebenfalls drogenaffinen Nachbarn könne er nun nicht mehr streiten, da der in der Psychiatrie in Lohr untergebracht sei und danach wohl noch zwei Jahre Haft absitzen müsse.

Für den Angeklagten stand viel auf dem Spiel, denn er stand zur Tatzeit unter laufender Bewährung. Im Jahr 2019 war er zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er im Suff in seiner Mietwohnung randaliert und einen Schaden von mehr als 2300 Euro verursacht hatte.

Polizisten massiv beleidigt

Fünf Polizeibeamte mussten damals anrücken, um den Wüterich zu zähmen, der sie unter anderem als „Drecksbullen“ beleidigte und mit den Worten „Ich mach’ euch alle kalt“ bedrohte. Bei seiner Festnahme versuchte er, die Beamten mit Kopfstößen zu verletzen, und bespuckte sie. Einem Polizisten trat er in den Unterleib.

Damals wertete das Gericht die hohe Alkoholisierung mit 2,26 Promille als strafmildernd, da der Angeklagte noch alkoholabhängig war. Da er nun eine Therapie gemacht habe und clean sei, sei er ab sofort bei künftigen alkoholbedingten Aussetzern selbst schuld, schrieb ihm der Vorsitzende hinter die Ohren.

Als Bewährungsauflage muss der Verurteilte 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und die Hände von Alkohol und Drogen lassen.

„Mit dem Urteil sind Sie gut weggekommen!“, sagte Richter Christoph Gillot und empfahl dem Angeklagten, sein Leben in den Griff zu bekommen.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig.