Aussage gegen Aussage
Wurde eine Todesdrohung ausgesprochen?
Das Amtsgericht Haßfurt verhandelte einen Fall von Bedrohung und sprach den Angeklagten frei.
Das Amtsgericht Haßfurt verhandelte einen Fall von Bedrohung und sprach den Angeklagten frei.
Foto: René Ruprecht/Archiv
Haßfurt – Das Amtsgericht Haßfurt sprach einen 40-Jährigen frei, der beschuldigt worden war, seine Ex-Freundin bedroht zu haben.

Hat ein 40-Jähriger seine Ex-Freundin am Telefon mit den Worten „Ich bringe dich um“ bedroht oder nicht? Nachdem das Amtsgericht in Haßfurt bei einem Strafprozess die Frau als Zeugin gehört hatte, blieben letztendlich erhebliche Zweifel bestehen. Es stand Aussage gegen Aussage und Amtsgerichtsdirektor Christoph Gillo konstatierte nach der Beweisaufnahme: „Ich weiß nicht, was stimmt und was nicht stimmt.“ Folgerichtig kam es deshalb zu einem Freispruch nach dem Grundsatz „In dubio pro reo“ – im Zweifel für den Angeklagten.

Laut Anklageschrift, die Staatsanwältin Fabienne Mehrländer verlas, fand das Telefonat zwischen dem 20. und 23. Februar dieses Jahres statt. Daraufhin stellte die Frau bei der Polizei eine Strafanzeige. Dadurch kam der Stein ins Rollen und Anfang August erhielt der Beschuldigte einen Strafbefehl vom Staatsanwalt. Demnach sollte er für die Bedrohung eine Geldstrafe von 1500 Euro bezahlen. Dagegen legte er mit Hilfe seines Anwaltes Willi Marquardt Einspruch ein, so dass eine Hauptverhandlung am Amtsgericht in Haßfurt angesetzt wurde.

Im Gerichtssaal stritt der 40-Jährige aus dem Maintal nicht ab, dass sich damals am Telefon ein Streitgespräch entwickelt habe. Doch die ihm angelastete Drohung, versicherte er, habe er „selbstverständlich nicht ausgesprochen“. Hintergrund des Streits, erläuterte er auf Nachfrage, sei gewesen, dass seine Ex-Freundin die von ihm initiierte Trennung nicht habe akzeptieren wollen.

Sodann wurde die angeblich Bedrohte, eine 28-Jährige, die zwei Kinder hat, in den Zeugenstand gerufen. Deren Aussage war genau gegenteilig. Sie beteuerte, dass ihr Ex-Freund sie immer in den Abendstunden angerufen habe, wenn die Kinder bereits schliefen. Weiter behauptete sie, dass er ihr vorgeschlagen habe, dass sie trotz der Trennung ja weiterhin sexuellen Kontakt miteinander haben könnten.

Die Drohung jedenfalls habe sie ernst genommen. Und da er wisse, wo sie mit den Kindern wohne, habe sie danach richtig Angst gehabt. Aus einem Gespräch mit einer anderen ehemaligen Freundin des Angeklagten wisse sie, dass dieser durchaus gewalttätig werden könne. „Der Mann kann zuschlagen“, sagte sie wörtlich.

Der Verteidiger kreidete der Zeugin an, dass sie einen erheblichen Belastungseifer an den Tag gelegt habe. Seinem Antrag auf Freispruch schloss sich auch die Staatsanwältin an.

Durch den Richterspruch hat sich der Einspruch des Mannes gleich mehrfach gelohnt. Erstens muss er keine Geldstrafe zahlen, zweitens ist er nicht wegen Bedrohung vorbestraft, und drittens übernimmt die Staatskasse sämtliche Kosten.

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: