Rauschgift
Szenen wie in einem Kriminalfilm
Die nachgestellte Szene zeigt Drogenhändler. Im konkreten Fall kam es nicht mehr zur Übergabe des Kaufpreises.
Die nachgestellte Szene zeigt Drogenhändler. Im konkreten Fall kam es nicht mehr zur Übergabe des Kaufpreises.
Foto: Frank Leonhardt/dpa
LKR Haßberge – Auf einem Vereinsgelände in Haßfurt ging es am 22. April drunter und drüber, nicht sportlich, sondern kriminell. Wie die Polizei schließlich gewann.

Filmreife Szenen spielten sich am Vormittag des 22. April dieses Jahres auf dem Gelände des Turnvereins in Haßfurt ab. Dort sollten 7,5 Kilogramm Marihuana den Besitzer wechseln. Mehrere Polizeibeamte vereitelten das Drogengeschäft. Drei Tatbeteiligte konnten sofort festgenommen werden. Einer der vier mutmaßlichen Täter konnte fliehen. Als die Beamten ihn schließlich erwischten, entriss er einem der Beamten kurzzeitig dessen Waffe.

Drei Angeklagte vor dem Landgericht in Bamberg

Seit Freitag müssen sich drei Tatbeteiligte im Alter zwischen 23 und 29 Jahren, von denen mindestens zwei ihren Wohnsitz im Landkreis Haßberge haben, vor dem Landgericht in Bamberg unter anderem wegen bewaffneten, unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge verantworten.

Doch der Reihe nach: Bereits am 2. April dieses Jahres gab es laut Anklageschrift ein Rauschgiftgeschäft, bei dem die drei Angeklagten beteiligt gewesen sein sollen. Dabei wechselte eine große Menge Marihuana – laut Anklage im „Kilobereich“ – auf dem Parkplatz am Wasserwerk den Besitzer.

5000 Euro in bar

Am 22. April gegen 9 Uhr morgens trafen sich zwei der Angeklagten im Alter von 25 und 29 Jahren mit einem vierten Beteiligten, der 5000 Euro in bar als Kaufpreis dabei hatte.

Das Trio war auf E-Bikes unterwegs. Sie lotsten den Lieferanten, der 7,5 Kilogramm in seinem Auto dabei hatte, von der Zeiler Straße zum TV-Gelände. Dort standen zwei der Beteiligten Schmiere, während der Lieferant dem 29-jährigen Angeklagten das Rauschgift in einer großen Sporttasche übergab.

Flucht auf dem E-Bike

Zur Übergabe des Kaufpreises kam es jedoch nicht mehr, weil die vier Tatbeteiligten direkt nach der Übergabe des Rauschgifts festgenommen wurden. Dem Angeklagten, der das Rauschgift entgegengenommen hatte, gelang jedoch auf seinem E-Bike die Flucht.

Die Tasche mit dem „Gras“ hatte er dabei wie einen Rucksack über seinen Rücken geschultert. Er stürzte, setzte aber die Flucht fort, obwohl ein Polizeibeamter ihn lauthals zum Anhalten aufforderte und ein weiterer Beamter zwei Warnschüsse abgab.

Beamtin schreit

Zwei Beamte nahmen zu Fuß die Verfolgung auf. Drei weitere Beamte verfolgten den Flüchtigen in zwei Polizeiwagen. Da der Angeklagte auf Hupen nicht anhielt, drängte eine Beamtin den E-Bike-Fahrer leicht mit ihrem Pkw ab und berührte mit dem Fahrzeug den Hinterreifen des Fahrrads des Angeklagten, sodass dieser ins Schwanken geriet und von seinem Drahtesel abstieg. Die Beamtin stieg aus ihrem Pkw und rief laut „Polizei! Stehen bleiben!“, was der Angeklagte ignorierte. Er setzte die Flucht mit seinem Rad fort.

Währenddessen überholte das zweite Fahrzeug den Angeklagten und stellte sich vor ihm quer. Durch eine Berührung mit dem anderen Fahrzeug kam der Flüchtige zu Fall. Er stand auf, warf die Sporttasche weg und wollte zu Fuß fliehen. Die Beamten waren jedoch schneller.

Dealer im wahrsten Sinne des Wortes wie entfesselt

Als sie versuchten, ihm Fesseln anzulegen, kam es zu einer Rauferei am Boden. Drei Beamten waren nötig, um den Widerstand zu brechen und den Mann zu fesseln. Als der Angeklagte daraufhin über Atemnot klagte, wurde er in eine sitzende Position gebracht.

Dabei konnte er sich unbemerkt von den Fesseln lösen und eine Dienstwaffe aus dem Holster eines Beamten ziehen. Es gelang den Ordnungshütern jedoch mit erheblichem Kraftaufwand, ihm die Pistole zu entreißen.

Seit April in U-Haft

Bei der Wohnungsdurchsuchung der beiden 25- und 29-jährigen Angeklagten fanden die Beamten unter anderem rund 150 Gramm Marihuana und 25 Gramm Amphetamin. Der 25-Jährige hatte außerdem ein Messer dabei, weshalb ihm die Staatsanwaltschaft bewaffnetes Handeltreiben vorwirft. Die Angeklagten sitzen seit ihrer Festnahme im April in U-Haft. Die Verhandlung wird am 13. Oktober um 9.30 Uhr fortgesetzt.