Amtsgericht
„Toxische Beziehung“: Strafbefehl
Gewalt in der Ehe stand im Blickpunkt in einem Prozess am Amtsgericht Haßfurt. Der Mann schlug seine schwangere Frau, bekam aber den Strafbefehl von 3200 auf 1600 Euro verringert.
Gewalt in der Ehe stand im Blickpunkt in einem Prozess am Amtsgericht Haßfurt. Der Mann schlug seine schwangere Frau, bekam aber den Strafbefehl von 3200 auf 1600 Euro verringert.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Haßfurt – Ein Horrorjahr verbrachte eine junge Mutter in ihrer Ehe mit einem Mann, der ihr immer wieder Gewalt antat.

Glaubt man den Schilderungen einer jungen Mutter aus dem nördlichen Landkreis, dann war das vergangene Jahr für sie ein Horrorjahr. Der Grund dafür war ihr eigener Ehemann, der am Donnerstag wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Nötigung auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Haßfurt saß. Laut Anklage kam es zwischen den beiden immer wieder zu Streitigkeiten und körperlichen Auseinandersetzungen. Im Januar 2020 fuhr das Paar gemeinsam Auto. Dabei soll der 25-jährige Angeklagte den Kopf seiner Frau gegen die Windschutzscheibe geschlagen und sie gezwickt haben.

Schwangere Frau geschlagen

Im ersten Halbjahr vergangenen Jahres soll er die damals Schwangere auf den Kopf geschlagen und bei einer weiteren Gelegenheit gewürgt und gegen eine Wand gedrückt haben. Zudem soll er ihr Schläge angedroht haben, falls sie zur Polizei geht. Sie tat es trotzdem. Am 4. Februar dieses Jahres erstattete sie Anzeige gegen ihren Noch-Ehemann, der daraufhin einen Strafbefehl über 80 Tagessätze zu 40 Euro, also 3200 Euro, erhielt, gegen den er Einspruch einlegte, weshalb er sich am Donnerstag vor Gericht verantworten musste.

Er „ließ ihr alle Freiheiten“

Dort wies er den Vorwurf der Nötigung von sich. Er habe seiner Frau keine Schläge angedroht, falls sie Anzeige erstattet, gab er zu Protokoll. „Ich ließ ihr alle Freiheiten“, sagte der Arbeiter. Es sei für ihn eine „toxische Beziehung“ gewesen und er habe sogar Haarausfall gehabt. Beide seien damals arbeitslos gewesen und täglich „aufeinander gehockt“.

Er fühle sich ungerecht behandelt, da die Angelegenheit nur aus Sicht der Frau dargestellt werde. Der Angeklagte selbst hatte keine Anzeige gegen sie erstattet. Die weiteren Vorwürfe aus der Anklageschrift bestritt er nicht. Den Strafbefehl könne er nicht bezahlen, da er in Kürze eine Ausbildung beginnt und nur noch 600 Euro verdiene.

Das Gericht halbierte die Höhe der Tagessätze, sodass der Mann nur die Hälfte des früheren Strafbefehls, 1600 Euro, zahlen muss.