Verhandlung
Was geschah wirklich am 9. April auf der A70?
Hat ein Autofahrer eine Autofahrerin im April auf der Autobahn bei Eltmann durch dichtes Auffahren genötigt – oder war alles halb so schlimm?
Hat ein Autofahrer eine Autofahrerin im April auf der Autobahn bei Eltmann durch dichtes Auffahren genötigt – oder war alles halb so schlimm?
Foto: Symbolfoto: robsonphoto/Adobe Stock
Haßfurt – „Ich dachte, ich bin gleich tot“: Eine Autofahrerin hatte ein schlimmes Erlebnis auf der Autobahn 70. Oder war doch alles ganz harmlos?

Wegen eines riskanten Fahrmanövers auf der Autobahn A 70 bei Eltmann im April dieses Jahres erhielt ein 52-jähriger Bauleiter aus dem Vogtland einen Strafbefehl über 20 Tagessätze zu 60 Euro, also 1200 Euro. Nötigung im Straßenverkehr war ihm vorgeworfen worden. Weil der Sachse dagegen Einspruch eingelegt hatte, wurde vor dem Amtsgericht Haßfurt verhandelt.

Für den 52-Jährigen ging der Schuss nach hinten los. Da das Gericht von dessen Schuld überzeugt war, nahm er schließlich den Einspruch zurück. Neben den 1200 Euro muss er nun auch noch seinen Verteidiger bezahlen und auch die Anfahrt aus Sachsen war umsonst.

Von hinten herangerauscht

Laut Anklage fuhr der Angeklagte am Nachmittag des 9. April 2021 auf der A70 bei Eltmann in Richtung Bamberg mit hoher Geschwindigkeit mit seinem Mercedes Kombi dicht auf einen BMW-Touring auf. Dessen Fahrerin war auf der linken Spur unterwegs. Anschließend soll der 52-Jährige die BMW-Fahrerin rechts überholt haben, um dann wieder nach links zu ziehen, um einen Lkw zu überholen. Die 41-Jährige konnte offenbar nur durch heftiges Abbremsen einen Unfall verhindern.

Der 52-Jährige auf der Anklagebank wies die Schuld von sich.

Der automatische Abstandsregler seines Fahrzeugs sei eingeschaltet gewesen und habe automatisch abgebremst. Er sei dann auf die rechte Fahrspur gewechselt und habe Gas gegeben, um der BMW-Fahrerin „Hallo zu sagen“. Die habe jedoch kein Gas gegeben, so dass er rechts an ihr vorbeigefahren sei und anschließend den Lkw überholt habe. Dabei sei niemand gefährdet worden.

„Ich fahre 60000 Kilometer im Jahr. Ich weiß überhaupt nicht, warum ich hier bin!“, gab er zu Protokoll.

Eine andere Version erzählte die Geschädigte im Zeugenstand. Sie sei damals mit 160 bis 180 Stundenkilometern auf der linken Seite gefahren, um einen Lkw zu überholen, als der Angeklagte von hinten angerast gekommen sei. Auf die rechte Spur habe sie sich nicht getraut zu wechseln, da dort andere Fahrzeuge gewesen seien. Der Angeklagte sei zweimal nach rechts und links gefahren und habe sie dann „voll Stoff“ rechts überholt, um dann nach links in die kleine Lücke zwischen ihr und einem Lkw zu stoßen.

Er sei dabei mit seinem Auto stark ins Schleudern gekommen.

„Ich hab gedacht, den zerlegt’s jetzt, und ich bin gleich tot“, schilderte die Zeugin den Beinahe-Crash.

Sie habe stark bremsen müssen, um einen Unfall zu verhindern. Nach dem Vorfall sei der Angeklagte einfach davongerast.

Da sie das Verhalten skrupellos und rücksichtslos empfunden habe, habe sie sich das Kennzeichen des Rasers gemerkt und Anzeige erstattet. Sie habe noch eine Woche Angst gehabt und schlecht geschlafen.

Verteidiger Alexander Wessel sagte, dass er der Zeugin nicht glaube. Als er ankündigte, sie wegen falscher Verdächtigung anzuzeigen, brach die 41-Jährige in Tränen aus und sagte, dass sie noch nie jemanden angezeigt habe.

Sowohl die Vorsitzende Richterin Anne Völkl als auch der Staatsanwalt sahen den Vorwurf der Nötigung als erwiesen, weshalb der Angeklagte den Einspruch zurücknahm.

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