Anklage
Wer hatte die Drogen in der Küche versteckt?
Marihuana: In der Küche des Angeklagten befanden sich in Einmachgläsern, Dosen und Tassen insgesamt 104 Gramm Marihuana. Im seinem  fand die Polizei außerdem knapp ein Gramm „Gras“. Der Mann sagte, das alles gehöre nicht ihm, sondern seinem Sohn.
Marihuana: In der Küche des Angeklagten befanden sich in Einmachgläsern, Dosen und Tassen insgesamt 104 Gramm Marihuana. In seinem Auto fand die Polizei außerdem knapp ein Gramm „Gras“. Der Mann sagte, das alles gehöre nicht ihm, sondern seinem Sohn.
Foto: Symbolfoto: Christopher Schulz
Haßfurt – Vater steht wegen drogensüchtigem Sohn vor Gericht. Warum er vom Schöffengericht in Haßfurt freigesprochen wurde.

Die Nacht war für ein Ehepaar aus dem Maintal am 8. Dezember vergangenen Jahres um 6.20 Uhr schlagartig zu Ende, als ein fünfköpfiges Unterstützungskommando der Polizei Würzburg die Wohnung stürmte. Die Beamten fanden schnell das, was sie suchten. In der Küche steckten in Einmachgläsern, Dosen und Tassen insgesamt 104 Gramm Marihuana. Im Auto des Ehemanns fanden die Polizeibeamten außerdem knapp ein Gramm „Gras“.

Am Mittwoch musste sich der 59-Jährige am Schöffengericht wegen des Besitzes einer „nicht geringen Menge“ von Betäubungsmitteln verantworten. Das Gericht sprach ihn frei, weil es ihm nicht nachweisen konnte, Eigentümer des Rauschgifts zu sein.

„Das Rauschgift gehört meinem Sohn“

Der nicht vorbestrafte Angeklagte teilte von Anfang an über seinen Anwalt Dieter Widmann mit, dass er mit Drogen nichts zu tun habe. Das Marihuana gehöre seinem drogensüchtigen Sohn, der das Haus fluchtartig verlassen habe, als er die Polizisten gesehen habe.

Der 33-jährige Sohn bestätigte dies im Zeugenstand. Er sei am Vorabend heimgekommen und habe das Rauschgift mitgebracht. „Das Rauschgift war im Regal, in Tassen und anderen Behältnissen verteilt“, informierte ihn der Vorsitzende, was der 33-Jährige damit erklärte, dass er es dort versteckt habe. „Blödsinn. Das ist lebensfremd. Das kann ich Ihnen nicht glauben“, erwiderte der Richter.

Chatverlauf ausgewertet

Auf die Spur kamen die Beamten dem 33-jährigen Abhängigen, als sie das Handy eines Dealers auswerteten, der im Februar dieses Jahres festgenommen wurde. Aus dem Chatverlauf ergab sich, dass der 33-Jährige bei dem Dealer größere Mengen Rauschgift, darunter auch harte Drogen wie Heroin und Crystal (Methamphetamin), gekauft hatte. Auf dem Handy des angeklagten Vaters fanden sich hingegen keine Hinweise auf Drogengeschäfte.

Staatsanwältin Anne Völkl sah dessen Schuld dennoch als erwiesen. Der Sohn hätte im Zeugenstand versucht, seinen Vater zu entlasten, sagte sie. Er sei bei seiner Aussage kurz angebunden und nervös gewesen. Dass er die Beamten gehört habe und dann geflohen sei, sei unglaubhaft, da die Beamten in Zivil gekleidet und leise gewesen seien. Außerdem: „Warum hat er die Drogen nicht in seinem eigenen Zimmer verteilt, sondern in der Küche der Eltern?“, fragte die Anklagevertreterin und forderte eine einjährige Bewährungsstrafe plus 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit für den 59-Jährigen.

„Massive Rauschgiftprobleme“

Verteidiger Widmann führte die massiven Rauschgiftprobleme des Sohnes ins Feld, die der Grund für die teils widersprüchlichen Aussagen seien. Widmann forderte, seinen Mandanten freizusprechen, was das Gericht auch tat, obwohl sich der Vorsitzende Richter Christoph Gillot sicher war: „Der Sohn hat gelogen, und die Aussage war mit dem Vater abgesprochen.“ Dennoch könne dem Angeklagten der Besitz des Stoffes nicht eindeutig nachgewiesen werden. Hinweise auf einen Eigenkonsum gebe es allerdings auch nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.