Kampf gegen Corona
Pflegerin über Freude und Leid im Klinikalltag
„Ich hatte schon ein wenig Angst, das Virus mit nach Hause zu bringen“: die Kranken- und Gesundheitspflegerin Petra Günther.
„Ich hatte schon ein wenig Angst, das Virus mit nach Hause zu bringen“: die Kranken- und Gesundheitspflegerin Petra Günther.
Foto: Marco Heumann
LKR Haßberge – In voller Schutzmontur zum Patienten und eine Torte als Dankeschön - Pflegerin Petra Günther erzählt vom Corona-Alltag in den Haßberg-Kliniken.

Seit mehr als einem Jahr hat Corona das Leben fest im Griff. Auch das der Mitarbeiter der Haßberg-Kliniken. Wie sie beruflich, aber auch privat mit der Pandemie umgehen, das wollen wir in einer kleinen Serie zeigen.

Diesmal haben wir uns mit Petra Günther unterhalten, der stellvertretenden Stationsleitung der Inneren Medizin im Haus Haßfurt, auf der die an Corona Erkrankten lagen.

Große Dankbarkeit für die Pflegekräfte

„Plötzlich stand einfach eine Torte da!“ Es sind Momente wie diese, die Petra Günther als erstes in den Sinn kommen, wenn sie an das zurückdenkt, was ihr aus den vergangenen Monaten besonders in Erinnerung geblieben ist. „Wir haben sehr viel Dankbarkeit erlebt“, erzählt die Kranken- und Gesundheitspflegerin.

Dankbarkeit, die guttat in einer Zeit, in der nichts so war wie in den Jahren zuvor. Natürlich wegen Corona. Die Pandemie hat den Arbeitsalltag von Günther nicht nur beeinflusst, sie hat ihn bestimmt.

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„Das Chaos war allgegenwärtig“, schmunzelt sie beim Rückblick auf die ersten Monate mit der neuen Krankheit. „Wir mussten immer wieder auf Reaktionen reagieren.“

Was sie meint? Die anfangs fast täglich neuen Vorgaben aus der Politik und der daraus resultierende andere Umgang mit Kranken und Angehörigen. „Die Verunsicherung war greifbar“, erzählt sie. Sie meint damit nicht nur sich und ihre Arbeitskolleginnen sowie Arbeitskollegen.

Corona stellt Pflegepersonal vor Herausforderungen

„Niemand wusste doch so wirklich, was uns mit Corona erwartet.“ Dennoch sei man gerade im Frühjahr 2020 in der ersten Welle auf Verständnis und Rückhalt gestoßen. „Die Leute haben akzeptiert, dass vieles anders sein musste.“ Zum Beispiel, dass Besuche nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich waren.

Unzufriedenheit – so Petra Günther – kam erst auf, als es im Sommer erste Lockerungen gab. Man habe immer wieder das Gefühl gehabt, dass die manch einem oder einer nicht weit genug gingen.

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Inzwischen ist jedem klar, dass die damals vermutete Sicherheit ein Trugschluss war. Die zweite und die dritte Welle kamen und mit ihnen erneut ein Besuchsverbot, das erst vor wenigen Tagen aufgehoben werden konnte.

„Wir hatten zwar inzwischen mehr Routine im Umgang mit der Pandemie, die Herausforderung war dennoch riesengroß“, erzählt die Kranken- und Gesundheitspflegerin.

„Die Patienten waren ja auch sozial total isoliert“

Fast sechs Monate lang war der Zugang zu den Patientenzimmern für Außenstehende nur im Ausnahmefall möglich. Keine einfache Zeit – sowohl für die Angehörigen und Kranken als auch für das Personal.

„Die Patienten waren ja auch sozial total isoliert“, berichtet Petra Günther. Sie und ihre Kolleginnen sowie Kollegen durften zwar in die Zimmer, aber nur in kompletter Schutzkleidung und so selten und kurz wie möglich.

„Erst habe ich ja gedacht, dass meine Arbeit durch das Besuchsverbot ein wenig entspannter wird“, sagt Petra Günther und gibt ehrlich zu, dass die Vermutung, weniger Besucher würden mehr Ruhe bedeuten, ein Irrglaube war.

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„Ich habe sehr schnell gemerkt, dass die Angehörigen für uns eigentlich eine große Hilfe sind.“ Sei es beim Toilettengang mit den Kranken oder beim Essen eingeben oder einfach, in dem sie für ihre Lieben da sind.

Stattdessen „hat das Telefon nahezu rund um die Uhr geklingelt“. Aus Gesprächen von Angesicht zu Angesicht, die sonst zum Alltag gehören, wurden welche mit dem Hörer am Ohr. Für die Patienten und Patientinnen der einzige Kontakt nach draußen.

Ein Kontakt, der oft nur mit Unterstützung der Pflegenden möglich war. „Wir haben dann die Nummern gewählt oder die Hörer abgenommen und weitergereicht.“ Die Idee, via Skype mit den Angehörigen zu kommunizieren, sei leider nicht umsetzbar gewesen.

Die Angst vor der Corona-Infektion

Jetzt gibt es wieder die Möglichkeit zu Besuchen. Ein kleiner Schritt zurück in die Realität, mehr aber auch nicht. Petra Günther weiß, dass Corona und der Umgang damit auch weiterhin fester Bestandteil ihres Berufs sein werden.

Angst sich selbst anzustecken, hatte sie in all den Monaten nie. „Ich hatte ja meine Hygienemaßnahmen und die Schutzkleidung.“ Dennoch reduzierte sie ganz bewusst ihre Kontakte. „Ich arbeite schließlich auf der Covid-Station. Da wollte ich andere schützen.“

Lediglich, als rund um Ostern die britische Variante im Krankenhaus auftauchte, spürte Petra Günther so etwas wie eine leichte Verunsicherung. Nicht für sich selbst, sie war ja inzwischen geimpft. „Aber ich hatte schon ein wenig Angst, das Virus mit nach Hause zu bringen.“

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