Klimawandel
Die Weißtanne soll’s richten
Mischwald, bestückt mit Naturverjüngung, einem gesunden Unterbau mit einer aufstrebenden Mittelschicht, kennzeichnet einen Großteil des Gemeindewaldes von Ermershausen. Darüber freuen sich (von links): Bürgermeister Günter Pfeiffer, Klaus Scholz und Wolfgang Meiners.
Mischwald, bestückt mit Naturverjüngung, einem gesunden Unterbau mit einer aufstrebenden Mittelschicht, kennzeichnet einen Großteil des Gemeindewaldes von Ermershausen. Darüber freuen sich (von links): Bürgermeister Günter Pfeiffer, Klaus Scholz und Wolfgang Meiners.
Foto: Helmut Will
Ermershausen – Dürre, Hitze, Stürme: Was die Forstleute jetzt mit der Weißtanne im heimischen Wald im Landkreis Haßberge vorhaben.

Es ist ein regnerischer Tag, als sich am Waldrand, etwa 1300 Meter nordwestlich von Ermershausen, drei Männer treffen. Es sind Bürgermeister Günter Pfeiffer aus Ermershausen, Forstrevierleiter Wolfgang Meiners vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten und Förster Klaus Scholz, der Dritte Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft (AG) Naturgemäße Waldwirtschaft in Bayern mit Sitz in Rüdenhausen im unterfränkischen Landkreis Kitzingen (Infos: www.anw-bayern.de und www.anw-deutschland.de). Die Landesgruppe Bayern hat derzeit etwa 540 Mitglieder. Diese arbeiten an der Optimierung bewirtschafteter Wälder.

Nachhaltige Sicherung eines gesunden Mischwaldes und naturgemäße Waldwirtschaft ist Thema von (von links): Bürgermeister Günter Pfeiffer, Revierleiter Wolfgang Meiners und Sachverständiger Förster Klaus Scholz.
Nachhaltige Sicherung eines gesunden Mischwaldes und naturgemäße Waldwirtschaft ist Thema von (von links): Bürgermeister Günter Pfeiffer, Revierleiter Wolfgang Meiners und Sachverständiger Förster Klaus Scholz.
Foto: Helmut Will

Nachhaltige Sicherung eines gesunden Mischwaldes ist das Thema an diesem Tag. Treffpunkt ist die Wegkreuzung, an der das Info-Schild des Naturparks Haßberge steht, auf dem über eine naturgemäße Waldwirtschaft informiert wird. „Die Tanne ist eine heimische Baumart, die aber fast verschwunden ist“, sagt Klaus Scholz, der in der AG mit einer der Hauptverantwortlichen ist. Die Tanne ist ein robuster Baum und als Pfahlwurzler könne sie auch dem Klimawandel trotzen. Wolfgang Meiners weist darauf hin, dass der Anteil der Fichte im Wald seit Jahren stetig zurückgehe. „Dieser Effekt wird durch die trockenen warmen Sommer, beispiellose Borkenkäferkalamitäten und immer häufiger auftretende Sturmereignisse in den vergangenen Jahren beschleunigt“, sagt der Forstmann, der auch den 280 Hektar großen Wald der Gemeinde Ermershausen mit betreut.

Er muss sich um 4000 Hektar Wald kümmern

Meiners ist für insgesamt etwa 4000 Hektar fachlich zuständig. Die Fichte gehört nach seinen Worten zu den Verlierern der Klimaerwärmung. Klaus Scholz erklärt, die Grundsätze der AG seien nicht starr, sondern würden stetig weiterentwickelt. „Auslöser hierfür sind zum einen neue Erkenntnisse der Wissenschaft oder der forstlichen Praxis. In neuerer Zeit beeinflussen natürlich auch die zunehmend wahrnehmbaren Konsequenzen des Klimawandels unsere Diskussion“, sagt Scholz.

Wird sich die Weißtanne aus Rumänien, die hier Wolfgang Meiners als kleine Pflanze zeigt, in heimischen Wäldern beweisen können und dem Klimawandel standhalten? Jedenfalls sprießt dieses Exemplar kräftig grün.
Wird sich die Weißtanne aus Rumänien, die hier Wolfgang Meiners als kleine Pflanze zeigt, in heimischen Wäldern beweisen können und dem Klimawandel standhalten? Jedenfalls sprießt dieses Exemplar kräftig grün.
Foto: Helmut Will

Angekommen in der Waldabteilung „Langer Grund“, zeigt Wolfgang Meiners auf eine eingezäunte Fläche und öffnet den Zaun. Quasi „ein Tor aufgemacht“ hat auch die AG, indem sie im Wald der Gemeinde Ermershausen eine Versuchsfläche zusammen mit Förster Meiners und der Gemeinde angelegt hat. Darüber zeigt sich Bürgermeister Günter Pfeiffer erfreut.

Projekt „Weißtanne 2.0“

Sachverständiger Förster Klaus Scholz sagt hier, dass die klimastabilere und ebenso leistungsstarke Weißtanne auch im Klimawandel eine ökonomische Option von Nadelholz wäre. Er erläutert weiter, dass im Rahmen des Projektes „Weißtanne 2.0“, gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, die Weißtanne in den Wäldern auf größerer Fläche neu eingebracht werden soll. „Deutschlandweit werden hierzu 58 eingezäunte, 0,25 Hektar große Beobachtungsflächen angelegt“, erklärt Scholz. Auf diesen Flächen – in Bayern sind es sieben, eine davon ist im Wald von Ermershausen – werden Weißtannenpflanzen zweier verschiedener Herkünfte gepflanzt und deren Wuchsverhalten langfristig wissenschaftlich untersucht.

Die Probepflanzung im Ermershäuser Wald erfolgte im Frühjahr 2021. Eingebracht wurden je 250 Tannen heimischer Herkunft und Gastpflanzen aus Rumänien.

Weiter geht die Fahrt auf einem Rundweg. Kurz darauf hält Förster Wolfgang Meiners an und zeigt vom Forstweg in den Wald. Dort, etwa in einer Entfernung von 100 Metern, steht ein mächtiger Baum. „Das ist in unserem Wald die stärkste und höchste Tanne“, sagt Bürgermeister Günter Pfeiffer. Als man sich diesem imposanten Baum nähert, werden erst so richtig seine Ausmaße deutlich. Stolz reckt sich die Tanne in die Höhe und überragt die umstehenden Artgenossen verschiedener Baumarten. Verschiedene Baumarten?“ Bei dieser Waldbesichtigung an einem verregneten Tag wird deutlich, dass der Wald von Ermershausen sich nicht monoton zeigt, sondern als Mischwald, bestückt mit verschiedenen Baumarten, mit Hart- und Weichholz, mit Naturverjüngung, einem gesunden Unterbau und einer aufstrebenden Mittelschicht. Also, alles gut?

Wechsel im Forstrevier Limbach

Wird sich die Weißtanne aus Rumänien in heimischen Wäldern beweisen können und dem Klimawandel standhalten? Jedenfalls sprießt dieses Exemplar kräftig grün.
Wird sich die Weißtanne aus Rumänien in heimischen Wäldern beweisen können und dem Klimawandel standhalten? Jedenfalls sprießt dieses Exemplar kräftig grün.
Foto: Helmut Will

In den Ruhestand verabschiedet wurde Ende August Albrecht Hartung. Nach 37 Jahren übergab er das Revier Limbach an seinen Nachfolger Johannes Erben. Erben kennt die Region bereits aus seiner vorherigen Tätigkeit und ist nun für die forstfachliche Beratung und Förderung im südlichen Landkreis Haßberge zuständig, teilt die Forstbehörde mit. Ein ganzes Berufsleben lang hat er damit die Wälder der Region geprägt. In diesen 37 Jahren veränderte sich auch Art der Waldbewirtschaftung erheblich: Während zu Beginn seiner Tätigkeit die Holzerzeugung im Vordergrund stand, gewannen die Gemeinwohlleistungen des Waldes, zum Beispiel als Erholungsort oder der Waldnaturschutz, an Bedeutung. Johannes Erben ist 28 Jahre alt und gebürtiger Aschaffenburger.