Spiritualität
Ein steinerner Wächter für Dippachs Friedhof
Pfarrer Bill-Augustin Mikambu Lotundo bei der Segnung des Findlings, der zukünftig Mittelpunkt der Ruhestätte für Sternenkinder, Urnengräber und andere Bestattungsformen sein soll.
Pfarrer Bill-Augustin Mikambu Lotundo bei der Segnung des Findlings, der zukünftig Mittelpunkt der Ruhestätte für Sternenkinder, Urnengräber und andere Bestattungsformen sein soll.
Foto: Günther Geiling
Dippach – Auf dem Dippacher Friedhof sind keine Steine, auch nicht für Grabmale. Doch jetzt gibt es dort einen Findling. Was es damit auf sich hat.

Der Dippacher Friedhof hat ohne Zweifel Besonderheiten. Er ist verhältnismäßig jung, denn er wurde erst im 20. Jahrhundert angelegt. Statt Grabsteinen aus Granit und anderen Steinarten gibt es dort nur Holzkreuze. Bis jetzt. Denn am Kirchweihsonntag wurde ein Findling auf dem Friedhof gesegnet.

Ein Alleinstellungsmerkmal hat der Dippacher Friedhof auch dadurch, dass auf den Gräbern nur Holzkreuze zugelassen sind.
Ein Alleinstellungsmerkmal hat der Dippacher Friedhof auch dadurch, dass auf den Gräbern nur Holzkreuze zugelassen sind.
Foto: Günther Geiling

Dippach, ein Stadtteil von Eltmann, ist dagegen ziemlich alt. Der älteste Beleg des Ortsnamens stammt aus dem Jahre 1303 mit Diepach und Dyebach. Der Plan, ein eigenes Gotteshaus in Dippach zu errichten, lässt sich bis in das Jahr 1840 zurückverfolgen. 1896 wurde die Filialkirche Hl. Kreuz feierlich eingeweiht. Die Toten wurden aber weiter in Eltmann beerdigt.

Seit 1927 gibt es den Friedhof

Erst 1927 wurde in Dippach der erste eigene Friedhof ausgewiesen, weil ein Bürger eine Grundstücksfläche zur Verfügung stellte. Angeblich hatten sich die Einwohner von Dippach darauf geeinigt, dass für die Gräber nichts Pompöses verwendet werden soll, um Rivalitäten zu vermeiden und damit die Unterschiede zwischen Arm und Reich nicht sichtbar werden.

Bei der traditionellen Andacht am Kirchweihsonntag segnete nun Pfarrer Bill-Augustin Mikambu Lotundo den großen Stein, der unmittelbar vor der Aussegnungshalle steht – im Grünen wie ein „Friedbaum“. Dort sollen Sternenkinder bestattet werden können. Auch Urnenbestattungen oder anonyme Beerdigungen sollen im Bereich des Findlings möglich sein.

Wie kommt nun so ein großer Stein nach Dippach?

Der heimische Steingestalter und Steinmetzmeister Matthias Graser beschrieb den Weg dieses Findlings, der möglicherweise durch Gletscher transportiert worden war. Er sei senkrecht in den Boden eingewachsen gewesen. Den fast zwei Tonnen schweren Stein habe Zimmerermeister Helmut Bauerschmitt mit Hilfe eines Staplers zur Bearbeitung aufgestellt. Nach getaner Steinmetzarbeit sei Stefan Klarmann mit seinem Traktor mit starkem Frontlader an der Reihe gewesen. Er habe aber alle Mühe gehabt, das neue Denkmal im Friedhof zu platzieren.

Steinmetzmeister Matthias Graser bei der Vorstellung seines Kunstwerkes, das aus einem Findling geschaffen wurde
Steinmetzmeister Matthias Graser bei der Vorstellung seines Kunstwerkes, das aus einem Findling geschaffen wurde
Foto: Günther Geiling

Matthias Graser freute sich: „Damit konnte für unsere Heimatgemeinde etwas Schönes geschaffen werden.“

Der Findling sei genau der richtige Stein für diesen natürlichen Friedhof. Er sei nicht von einer Figur geprägt, sondern lasse mit seinen Ornamenten viele Deutungen zu. Die große behandelte Fläche solle auf die Sternenkinder hinweisen und auf den Sternenhimmel, erklärte Graser. Nur mit einem solchen Naturstein ließen sich solche faszinierenden Formen und individuelle Ideen umsetzen. So könne man auch ein Wahrzeichen in Form eines Fischreihers oder Graureihers entdecken. Die Ortsbürger könnten ihn deswegen vielleicht auch als ihren Dippacher Friedhofswächter ansehen.

Bürgermeister Ziegler: Erstaunlich, wie sich die Bestattungskultur wandelt

Bürgermeister Michael Ziegler dankte Steinmetzmeister Graser für sein Werk, das gut in den Dippacher Friedhof passe. Es zeige auch, wie sich die Kultur immer wieder verändere. Noch vor 20 Jahren hätten die wenigsten an die Bestattung in einem Friedwald gedacht und sich vorstellen können, dass sich in der Bestattungskultur ein solcher Wandel vollziehe. Auf der anderen Seite sei es aber auch gut, wenn man sich vor Ort darauf einstelle und den verschiedenen Wünschen hinsichtlich einer Bestattung gerecht werde. Allen Dippachern sagte er dafür seinen aufrichtigen Dank.