Stadthistorie
Exponate fürs Eberner Heimatmuseum
Schülerinnen und Schüler des FRG und Schulleiter Martin Pöhner übergeben ein Modell der Gesamtschule Ebern an Stefan Andritschke als Vertreter des Heimatmuseums. Von links: Niklas Zürl, Elias Frank, Stefan Andritschke, Martin Pöhner, Laura Köhler und Anna Thein
Schülerinnen und Schüler des FRG und Schulleiter Martin Pöhner übergeben ein Modell der Gesamtschule Ebern an Stefan Andritschke als Vertreter des Heimatmuseums. Von links: Niklas Zürl, Elias Frank, Stefan Andritschke, Martin Pöhner, Laura Köhler und Anna Thein
Foto: Lukas Hälterlein
Ebern – Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Rückert-Gymnasiums planen eine Ausstellung über die Geschichte Eberns nach 1945. Wer hat weitere Objekte?

Ebern. Unsere Stadt, unsere Heimat, unsere Geschichte.“ Unter diesem Motto besuchten Ende letzten Jahres fünf Schüler des Friedrich-Rückert-Gymnasiums (FRG) gemeinsam mit Schulleiter Martin Pöhner das Heimatmuseum in Ebern. Anlass des Besuchs war die Übergabe einiger historischer Objekte aus dem Archiv der Schule. Außerdem planen die Schüler in Zusammenarbeit mit dem Heimatmuseum eine Ausstellung über Ebern in den Jahrzehnten nach 1945.

Die Vergangenheit von Eberns Schulen

Die Schüler überreichten hierbei dem Heimatmuseum zum einen ein Modell der Gesamtschule Ebern aus den 1970er Jahren. Dieses war, wie die Schülerin Laura Köhler berichtete, im Rahmen der Umzugsarbeiten des Friedrich-Rückert-Gymnasiums im Keller des alten Schulgebäudes gefunden worden. Sie erklärte, dass der Gebäudekomplex der damaligen Gesamtschule aus dem Gymnasium, der Hauptschule (heute Mittelschule) und der Dreifachturnhalle bestand. „Ebenso zeigt das Modell den großen Parkplatz an der Gymnasiumstraße sowie die Sportanlagen auf der Rückseite des Gymnasiums. Hinzudenken muss man sich auch die etwas weiter entfernte Realschule, die ebenfalls in den Schulversuch Kooperative Gesamtschule einbezogen war“, sagte Laura Köhler weiter.

Wie das mit der Gesamtschule war

„Die Kooperative Gesamtschule Ebern bot in den 1970er Jahren ein modernes Konzept, bei dem vor allem die Zusammenarbeit aller drei Schulen im Mittelpunkt stand“, erklärte ihr Mitschüler Lukas Hälterlein. Er führte weiter aus, dass man damals – im Gegensatz zu heute – die 5. und 6. Jahrgangsstufe jedoch nur an einem Gymnasium oder einer Hauptschule (heute Mittelschule) absolvieren konnte. „Somit befanden sich in Ebern alle Schülerinnen und Schüler dieser beiden Stufen, die auch den Namen Orientierungsstufe trug, in einem Gebäudekomplex, was besonders die Gemeinschaft untereinander fördern und einen Wechsel zwischen den Schularten erleichtern sollte. Das Besondere des Schulversuchs, der bis 1993 lief, waren dabei gemeinsame Förderkurse, gemeinsame Wahlkurse und gemeinsame Schulmannschaften im Sport. Ab der 7. Klasse war dann auch der Besuch der Realschule möglich“, erläuterte Lukas Hälterlein weiter.

Auffallend am Gebäude der Gesamtschule war die moderne Architektur.

„Insbesondere das Gymnasium passte sich mit seinen Zwischengeschossen stufenförmig ans Gelände an und die Stahlbetonskelettbauweise erlaubte einen großzügigen Zuschnitt der Räume mit einer großen Aula“, betonte Anna Thein. Hinzu kommt, dass die Sportanlagen der Gesamtschule nicht nur den Schulen zur Verfügung standen, sondern bis heute auch den Eberner Vereinen. „Das Modell der Gesamtschule symbolisiert somit einen wichtigen Markstein für Eberns Entwicklung zu einer modernen Stadt“, meinte Anna Thein.

Zum anderen überreichten die Schülerinnen und Schüler dem Heimatmuseum ein Fotoalbum aus der jüngeren Geschichte Eberns. Das Album entstand 2015 und zeigt ein Gemeinschaftsprojekt der SMV des FRG und der SMV der Mittelschule zur Integration der Flüchtlinge, die damals in Ebern ankamen. Das Fotoalbum bebildert die verschiedenen Aktionen, welche die Schülerinnen und Schüler initiiert hatten, um die Flüchtlinge besser kennenzulernen und in die Schulgemeinschaft zu integrieren.

„Ein besonders interessantes Erinnerungsstück an die jüngere Eberner Geschichte“

„Angesichts des aktuellen Abbruchs des Gymnasium-Gebäudes ist das Modell der früheren Gesamtschule ein besonders interessantes Erinnerungsstück an die jüngere Eberner Geschichte“, freute sich Stefan Andritschke vom Bürgerverein Ebern. „Zudem ist es eine tolle Sache, dass sich junge Menschen für die Geschichte unserer Stadt interessieren“, lobte er das Engagement der Schüler.

Auftakt für eine Ausstellung

Im Rahmen des Projektseminars „Eberns Entwicklung zur modernen Stadt nach 1945“ arbeitet die Schülergruppe aktuell an einer Ausstellung. „In den vergangenen Monaten setzte sich die Gruppe mit verschiedenen Themenbereichen der jüngeren Stadtgeschichte auseinander“, erläuterte Kursleiter Martin Pöhner. Ein Schwerpunkt liegt hier auf den Schulen. Zudem untersuchten sie zum Beispiel auch die Geschichte des Freibads und des Krankenhauses sowie die Entwicklung des Verkehrs und des Eberner Werkes der Firma FAG Kugelfischer (später FTE, heute Valeo). Aber nicht nur Gebäude und Firmen wurden in die Ausstellung aufgenommen, sondern auch Zeitzeugenberichte von Bürgerinnen und Bürgern.

Wer hat Exponate für die Ausstellung?

Die Ausstellung über Eberns jüngere Geschichte wird, wenn die Corona-Situation es zulässt, voraussichtlich Ende Februar 2022 im Heimatmuseum in Ebern eröffnet.

Wer hat etwas beizutragen? Die Schülerinnen und Schüler sind noch auf der Suche nach einzelnen besonderen Ausstellungsstücken und Fotos, die das Leben in den Jahrzehnten nach 1945 zeigen. Besonders interessant wären hierbei auch Fotos von der Integration der Vertriebenen in Ebern. Sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, Fotos, Dokumente oder Objekte besitzen, die die Ausstellung ergänzen könnten, so melden Sie sich bitte per E-Mail bei Anna Thein (eberns.entwicklung@gmail.com) oder telefonisch unter 09531/92210 im Sekretariat des Gymnasiums.

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