Interview
Fränkisch, vielseitig und ausgezeichnet
Ute Leyh (links) in ihrer Küche mit Schwiegermutter Gertrud (rechts) und einer Auszubildenden
Ute Leyh (links) in ihrer Küche mit Schwiegermutter Gertrud (rechts) und einer Auszubildenden
Foto: Günther Geiling
Losbergsgereuth – Frankens Regierungspräsidenten verleihen Ute Leyh den Frankenwürfel. Was die Powerfrau aus Losbergsgereuth auszeichnet.

Ute Leyh aus Losbergsgereuth, Markt Rentweinsdorf, hatte im Jahre 2018 Schlagzeilen gemacht als Siegerin der zehnten Staffel der beliebten BR-Serie „Landfrauenküche“. Nun kann sie stolz sein auf den „Frankenwürfel“, die höchste fränkische Auszeichnung, mit der nur „typisch-fränkische Personen“ gewürdigt werden. Die „gewürfelte Fränkin“ ist Dorfhelferin, Hauswirtschafterin, Landwirtin, Erlebnisbäuerin, Autorin, Imkerin und damit ein Multitalent als wendige Fränkin.

Die 49-jährige Landwirtin tritt damit in die Fußstapfen namhafter Persönlichkeiten aus dem Landkreis Haßberge wie dem ehemaligen Bürgermeister von Ebelsbach, Emil Däschner (1991), Mundartdichter Wilhelm Wolpert aus Haßfurt (2007) sowie Peter Kirchner, dem ehemaligen Bürgermeister aus Kirchlauter (2016).

Die Preisträger kommen dieses Mal aus unterschiedlichen Bereichen. Neben Leyh ist es der Promikoch Alexander Herrmann aus Wirsberg (Oberfranken) und der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly aus Nürnberg (Mittelfranken).

Seit 1985 wird der Porzellanwürfel verliehen. Die Auszeichnung fiel aber schon 2020 pandemiebedingt aus, und auch diesmal musste die Verleihung wegen Corona „im stillen Kämmerlein“ stattfinden, weil das Virus zuschlug. Auch die Landwirtin aus dem Landkreis hatte sich mit Corona infiziert und musste drei Tage vor der Auszeichnung in Quarantäne. Nun aber ist sie wieder wohlauf. Wir haben mit ihr gesprochen:

„Sich wenden, sich drehen, im Leben bestehen, so ist der gewürfelte Franke zu sehen“. So lautet die Inschrift auf Ihrer Auszeichnung, dem „Frankenwürfel“. Können Sie sich vorstellen, warum gerade Ihnen diese Auszeichnung „gewürfelte Fränkin“ zugesprochen wurde?

Ute Leyh: Der Regierungspräsident hat vor zwei Jahren Betriebe besucht und der letzte war unserer. Es war eine schöne Veranstaltung und nette Begegnung. Wir haben unseren Hof vorgestellt und ich habe aus unserem Leben erzählt. Das hat anscheinend so viel Eindruck hinterlassen, dass er mich für diese Auszeichnung vorgeschlagen hat.

Ich habe davor nicht gewusst, was der Frankenwürfel ist. Aber ich habe mich gefreut, war ein klein wenig stolz und dachte mir: „Das ist eine Auszeichnung, die so Berühmte wie Sternekoch Alexander Herrmann oder ein Oberbürgermeister wie Dr. Maly von Nürnberg bekommen, aber doch nicht so ein kleines Licht wie ich.“

Laut der Begründung für Ihre Auszeichnung verkörpern Sie den „modernen Typ der fränkischen Frau vom Land“. Sehen Sie das auch so und wie würden Sie das für uns beschreiben?

Ich finde das gar nicht so als nette Bezeichnung, denn das würde ja heißen, dass die normale fränkische Frau nicht so die moderne ist, man sie sich altbacken vorstellt und ich die moderne und die Ausnahme bin. Das halte ich für einen Quatsch. Es gibt so viele tolle Frauen auf dem Lande, auch in der Landwirtschaft, und jede ist einzigartig und wertvoll.

Das Moderne heißt vielleicht schon, dass wir uns ein Stück anpassen müssen, wie die Welt um uns herum tickt. Genauso wie eine Frau in der Stadt nicht in der Vergangenheit leben kann. Unsere Höfe sind moderne Unternehmen und wir als Frauen moderne Unternehmerinnen, die ihren Männern mit Rat und Tat zur Seite stehen, mitarbeiten und uns aber auch selbst verwirklichen können.

Für Personen mit dieser Auszeichnung soll das „Wendige, das Witzige und das Widersprüchliche“ zum Ausdruck kommen. Eine gewisse Wendigkeit ist schon aus Ihrem Lebenslauf zu erkennen.

Als Kinder haben wir gescherzt, dass wir einen „Zigeunerpapa“ haben, weil wir wegen seiner Arbeit so viel umziehen mussten.

Im Endeffekt war es gut so, weil dadurch auch eine gewisse Wendigkeit normal ist im Leben. Ich bin offen für andere Menschen und andere Lebenssituationen und das ist bereichernd. Auch beruflich war das bei mir so.

Wie könnten wir uns bei Ute Leyh die Begriffe „das Witzige“ und „das Widersprüchliche“ vorstellen?

Über das Widersprüchliche muss man meinen Mann fragen und ich weiß auch nicht, ob ich ein witziger Mensch bin. Humor habe ich auf jeden Fall. Das Wichtigste ist, dass man viele Situationen im Leben mit einer großen Portion Humor betrachtet.

Das Leben auf dem Land ist für viele Menschen inzwischen ein Sehnsuchtsort geworden. Worin war bei Ihnen diese Sehnsucht begründet und was schätzen Sie so an diesem Landleben?

Als Mädchen habe ich mir das Leben auf dem Lande immer so wie „Bullerbü“ vorgestellt. Es war mein Traum von der heilen Welt, und ich wollte viele Kinder haben, die barfuß rumlaufen können, ihre Freiheit haben, die Natur entdecken und ihr Leben leben. Dass das Unsinn ist, habe ich bald gemerkt. Manchmal gehen jedoch die Uhren schon etwas langsamer, es gibt die enge Verbindung zur Natur und man kann sich hier schnell erholen und runterkommen.

Sie können super kochen, wie Sie schon in der Serie der „Landfrauenküche“ gezeigt haben, schreiben ein Buch und engagieren sich noch über den Bauernhof hinaus in der Gemeinde. Wie bringt man das alles auf eine Reihe?

Die Mitarbeit in der Kirchengemeinde ist mir schon immer ein Herzensanliegen. Ich war katholisch bis vor zwei Jahren. Aber wir haben entschieden, dass wir unsere Kinder evangelisch taufen lassen und ich in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Rentweinsdorf mitarbeiten werde, weil das einfach eine total lebendige Gemeinschaft ist und wo der Glaube wunderbar gelebt wird. Ich mache dort Frauenwochenenden schon seit 17 Jahren, singe in der Band, gestalte Kinder- und Familiengottesdienste mit und habe jetzt auch eine Lektoren-Ausbildung absolviert.

Für meine Familie ist es manchmal schon herausfordernd, sich auf neue Dinge von mir einzulassen. Aber alle sind auch sehr stolz auf meine Arbeit, finden es super und unterstützen mich total.