Pilotprojekt
Eberner Realschule zeigt ihre „grüne Visitenkarte“
„Grüne Klassenzimmer“ sollen an der Eberner Realschule entstehen.
„Grüne Klassenzimmer“ sollen an der Eberner Realschule entstehen.
Foto: Günther Geiling
Ebern – In einem neuen Erscheinungsbild präsentiert sich derzeit die Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule Ebern. Als „Draußenschule“ legt sie sich ein neues Image zu.

Die Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule Ebern steht nach ihrer Sanierung und Erweiterung etwas verloren zwischen zwei wild wuchernden Hügellandschaften, die wüst aussehen. Genau zwischen diesen Erdhaufen studierte dieser Tage ein Team von Lehrern, Schülern und Fachberatern Planskizzen mit Wällen, Wegen und grüne Nischen, die später einmal als „Grüne Klassenzimmer“ oder für den „Draußen-Unterricht“ fungieren sollen. Mit diesem Pilotprojekt will dann die Realschule zu einem ganz anderen Imageträger werden und ihre „grüne Visitenkarte“ zeigen.

Inspiriert vom Waldklassenzimmer in Zeil will der Verein „Wir gestalten Heimat“ innerhalb seiner Vorhaben „Blühen & Kühlen“ in Ebern und in Untermerzbach das Projekt einer „Draußenschule“ mitgestalten und damit eine Verbindung und Synergien schaffen mit den Zielen: Naturnähe der jungen Generation für Nachhaltigkeit fördern, effizienteres Lernen im Freien und Grünen ermöglichen sowie diverse und klimaangepasste Gestaltung von Außenbereichen.

Einblicke in Lebensräume

Unterricht im Freien war ja schon immer etwas Besonderes, weil Kinder und Schüler hier oft spielerisch den Umgang mit der Natur lernen und Einblicke in Lebensräume erhalten. Das war teilweise schon möglich mit dem Schulgarten, einem schönen Platz auf dem Schulgelände, beim Wandertag oder auch mit einem „grünen Klassenzimmer“.

In Zeiten der Pandemie rückte die Schule zusätzlich verstärkt in den Blickpunkt der öffentlichen Diskussion, und Unterricht im Freien wurde verstärkt propagiert, was natürlich im Sommer leichter möglich ist. In den skandinavischen Ländern ist diese „Draußenschule“ schon länger bekannt und Studien belegen das Risiko, sich in geschlossenen Räumen leichter mit dem Coronavirus anzustecken als im Freien.

Ziel: nachhaltige Schule gemeinsam entwickeln

Auch der bayerische Elternverband beschäftigte sich in der letzten Woche mit dem Thema „Raus mit euch! Lernen mit Freude und Freunden im Freien. Die Draußenschule als Lösungsansatz“ im Rahmen eines Zoom-Meetings mit Bettina und Oliver Kunkel aus Zeil. Der Elternverband ist an diesem Thema interessiert. Mit den Lehrer- und Schülerverbänden wolle man versuchen, „dass wir eine nachhaltige Schule gemeinsam entwickeln und den Schulen erlauben, auch Frei-Unterricht zu ermöglichen und Projekte in der Schule draußen zu bearbeiten“.

„Drinnen und draußen lernen“, sagt Oliver Kunkel, seien keine Gegensätze, sondern befruchteten sich gegenseitig. Als Beispiel nannte er die Veränderung des Gruppengefüges, wenn einerseits befreundete Kinder mehr Zeit mit anderen verbringen als auf den sonst vergebenen Plätzen im Klassenzimmer, aber auch wenn Kinder draußen mit anderen Kindern zusammenkommen, mit denen sie sonst weniger zu tun hätten.

Ein Netz von Biodiversität

Oliver Kunkel, Vorsitzender von „Wir gestalten Heimat“, möchte seine Erfahrung auf diesem Gebiet in Ebern einbringen und die Planungsarbeiten koordinieren. „Ein Ziel sollte es aber insgesamt sein, für den Landkreis ein Monitoring aufzubauen, wie man ein Netz von Biodiversität von Vögeln und Insekten installieren kann. In Ebern wäre es möglich, ein solches Netz aufzubauen und gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, dass nämlich Unterricht und Lernen von jungen Leuten im Grünen stattfinden kann. Das ist für das Lernen so wichtig.“

Auf den beiden Flächen zwischen dem Hallenbad und der Realschule sowie zwischen der Realschule und der Grundschule/Turnhalle wäre die Geländemodellierung für grüne Klassenräume gut möglich. Man könne sich jetzt Zeit lassen mit der Planung und überlegen, wie man die Räume gestalten will.

Wer an der Planung mitarbeitet

Kreisfachberater Guntram Ulsamer vom Landratsamt Haßberge – der Landkreis ist Sachaufwandsträger für die Realschule in Ebern – hatte hierzu auch schon eine Planskizze vorbereitet. „Wir werden das Projekt zeitnah umsetzen und in die Planung gehen. Allerdings sind wir derzeit durch den Umzug des Gymnasiums in Haßfurt etwas gebunden und müssen dort entsprechende Vorarbeiten leisten. Aber es kann ja einiges parallel laufen.“

Dazu wurde auch schon ein Team ausgewählt, das federführend mit den verschiedenen Gruppen tätig werden soll. Von der Schule sind Direktor Hartmut Weis, Konrektor Florian Schraud, Barbara Friedrich (Schulgarten-AG und Schulhofumbau), Bernd Schmidt (Verbindungslehrer zur Schülermitverwaltung) sowie die Schülersprecher Fin Rahmer und Alisa Gruner dabei. Außerdem gehören Kreisfachberater Guntram Ulsamer und Oliver Kunkel dazu.

Ein Gemeinschaftswerk

Alle waren sich einig, dass das ein Gemeinschaftswerk werden soll, das die Schulfamilie im Ganzen umsetzen will. „Wir erfinden alles zusammen“ soll auch das Motto sein. „Es ist auch wichtig, dass die Schüler hier einbezogen werden“, meinte Konrektor Florian Schraud. „Dies kann bei Trockenmauern und vielen anderen Gestaltungen geschehen“, fügte Verbindungslehrer Bernd Schmidt dazu, der sich überzeugt zeigte, dass die Schüler sehr motiviert seien.

Auf dem Freigelände zwischen Realschule und Hallenbad sieht man in der Mitte schon einen Hügel, von dem aus man alle anderen Bereiche einsehen kann. Von hier aus hat man den Blick auf Klassen- und Gruppennischen, die von Hügeln und dann später von Büschen und Anpflanzungen abgeschirmt werden sollen – mit unterschiedlichen Settings wie Pergola, einem befestigten Kreis/Halbkreis oder Stufen zum Setzen im Hügel. Es könnten aber auch Gruppenischen an einer Hauswand oder mit einem Kletterpflanzen-Spalier entstehen.