Neuer Funpark
Ein Paradies aus Beton für Knetzgau
Heute lebt der 28-jährige Phil Morgan in Magdeburg. Zur Eröffnung des Skateparks ist er aber extra in die Heimat gefahren.
Heute lebt der 28-jährige Phil Morgan in Magdeburg. Zur Eröffnung des Skateparks ist er aber extra in die Heimat gefahren.
Foto: Rene Ruprecht
Knetzgau – Ab sofort heißt es Pumpen, Sliden und Grinden: Der neue Bike- und Skatepark in Knetzgau ist eröffnet. Sein Zweck: Jede Menge Spaß.

Dass das ganze Ding eine halbe Million Euro gekostet hat, interessiert hier keinen. Phil Morgan, Max Krivy oder Dominik Schönmann interessiert was ganz anderes: zum Beispiel über den Handlauf sliden, das Board schräg gestellt. Oder einen halben Meter über der Bowl hängen, Sekundenbruchteile in der Luft, geiler Moment, draußen am Rand stehen die anderen und fragen sich, wie der das macht, der Max.

Professionelle Skaterkunst

Bei der Eröffnung des neuen Fun- und Skateparks hatten die Profis ihren Auftritt, manche, tätowiert und mit moderner Punkerfrisur, gänzlich unbekannt, manche, wie der Profiskater Phil Morgen (28) in Magdeburg lebend, ursprünglich aus Knetzgau stammend. Marcel Hillus (25) hat es aus Hambach hierher gezogen, Max Krivy (12) aus Sennfeld beherrscht seinen Scooter nach mittlerweile eineinhalb Jahren als wäre es sein verlängerter Fuß. Sie gleiten über ein Geländer, sie fliegen hoch über den Rand, die kleinen Rollen krachen auf den harten Beton, Helm? Brauchen sie nicht.

Die Kinder am Rand, von den Eltern zum Helmtragen verdonnert, bestaunen die aberwitzigen Sprünge und Manöver. Unfassbar, was man mit einem Scooter so alles machen kann.

Die Gemeinde Knetzgau ergatterte Fördergelder, um diese Attraktion bauen zu können. Drei Jahre Planungszeit liegen hinter den Verantwortlichen. Der neue Skate- und Bikerpark im Knetzgauer Gewerbegebiet ist jetzt offiziell eröffnet und am Wochenende strömen über 500 Menschen zu der neuen Attraktion in der Hans-Kötzner-Straße 7, die in der Region ihresgleichen sucht.

So ein Wellenkurs wäre für Autofahrer die Hölle, für Kinder und Jugendlich auf Rollern und Skates ist es einfach der Traum.
So ein Wellenkurs wäre für Autofahrer die Hölle, für Kinder und Jugendlich auf Rollern und Skates ist es einfach der Traum.
Foto: Rene Ruprecht

Die Jugendlichen werden sich hierherbeamen oder den Eltern unendlich auf die Nerven gehen, damit sie sie her lassen. Im Westen des Grundstückes liegt der 660 Quadratmeter große Streetpark. Den Verhältnissen auf einer ganz normalen Verkehrsstraße nachempfunden und asphaltiert, gibt es drei Ebenen mit ganz verschiedenen Obstacles (Hindernissen). Hier kann man springen, sliden, grinden – es sieht nicht gerade ungefährlich aus.

Direkt im Anschluss liegt die 200 Quadratmeter große Bowl, eine Schüssel im Boden, die vielseitige Variante einer Halfpipe. Östlich davon erstreckt sich der 300 Quadratmeter große Pumptrack. Ein asphaltierter Rundkurs mit jeder Menge Wellen. Die Skater nennen es Pumpen, wenn sie abwärts auf den Wellen Geschwindigkeit aufnehmen. Wer das beherrscht kommt durch den Rundkurs ohne Anstoßen oder Anschubsen – eine Kunst. Die aber theoretisch schon Kinder mit dem Laufrad erlernen können, wenn sie ein bisschen geschickt sind.

Geöffnet bis Einbruch der Dunkelheit

Die Anlage wartet auf Mountainbike, BMX-Rad, Scooter-Roller, Skateboard oder Inlineskates und ihre Besitzer ab acht Jahren. Und die können hier Klacken und Klappern mit ihren Gefährten, werktäglich von 9 bis 22 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 21 Uhr, eben bis Einbruch der Dunkelheit, ohne dass es jemanden stört.

Eltern und Geschwister finden eine überdachte Sitzgelegenheiten und eine behindertengerechte und barrierefreie Toilettenanlage. Ein bisschen grau und fad sieht es noch aus. Blühwiesen entstehen an den Randbereichen, sagt Marco Depner von der Gemeinde Knetzgau und ergänzt: „Wenn alles grün ist, sind auf dem Rasen natürlich auch Picknicks möglich.“

Ein Wahnsinn, was die Burschen für eine Akrobatik zeigten.
Ein Wahnsinn, was die Burschen für eine Akrobatik zeigten.
Foto: René Ruprecht

Die Gemeinde hat die Weichen gestellt. In nächster Nähe siedelt sich voraussichtlich ein Geschäft für den Biker- und Skater-Bedarf an, und es hat sich ein Verein gegründet, der dafür sorgt, dass es auf dem neuen Domizil der Jugend nicht drunter und drüber geht. Der Main-Action-Sports e. V. mit Sitz in Knetzgau hat bereits rund 40 sportbegeisterte Mitglieder, wie der Vorsitzende Johannes Folger erzählt. Mit seinen Stellvertretern Jannik Schnapp und Stefan Zösch sowie weiteren Ehrenamtlichen will Folger nicht nur Aufpasser sein. „Wir wollen uns im ganzen Landkreis engagieren und beratend mitwirken oder andere Skateanlagen wieder auf Vordermann bringen“, sagt er und denkt an die Anlage in Zeil: „gemeingefährlich“, weil dort vieles zerstört worden ist. Der Kontakt Stadt Zeil ist schon gesucht, Planungen im Gange.

In Knetzgau möchte „Main-Action-Sports“ auch Veranstaltungen und Höhepunkte bieten. Für Vereinsmitglieder soll es Aktionstage geben. Dann können sie sich Equipment (Skateboard, Roller, Bikes) ausleihen. Momentan sind die Mitglieder zwischen zwölf und 30 Jahre alt.

Anmelden im Verein

Interessenten eines jeden Alters können über Instagram auf dem Profil @mainactionsportsev oder per E-Mail an mainactionsports@gmail.com Kontakt mit der Vorstandschaft aufnehmen.

Bürgermeister Stefan Paulus würdigt bei der Eröffnung Thomas Zettelmeier. Der Koordinator für Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde Knetzgau hat in Workshops und unzähligen Gesprächen die Jugendlichen animiert „ihren“ Skate- und Bikerpark selbst zu planen. Mit Bernd Fröhner, Inhaber eines auf Skateparks spezialisierten Planungsbüros hatten die Knetzgauer einen absoluten Fachmann an der Hand. Und so wurde durfte der Unternehmer und ehemalige Vizeweltmeister im BMX-Freestyle in Knetzgau eines seiner größten Projekte verwirklichen. Aus Leader-Mitteln schöpfte Knetzgau 200.000 Euro.

Ein Wahnsinn, was die Burschen für eine Akrobatik zeigten.
Ein Wahnsinn, was die Burschen für eine Akrobatik zeigten.
Foto: René Ruprecht

Selbst die Discjockeys Mick & Sonic und ihr Techniker Felix Dufner sind an diesem Tag vom Fach und gestalten vor lauter Begeisterung den Eröffnungstag kostenlos. Max Dufner und Tim Müller, erzählt einer der Beiden, haben früher „mit dem Zug nach Würzburg oder Nürnberg fahren müssen, um so ähnliche Anlagen wie hier in Knetzgau zu finden“ Florian Weinhold ist ebenfalls restlos begeistert. Er erinnert sich, dass vor mehr als zwei Jahrzehnten so ein Ansinnen von den Gemeindeverantwortlichen stiefmütterlich behandelt wurde. Extra aus Schonungen gekommen sind Patrick Burger und Lena Metzner. Der stolze Papa des vier Monate alten Luan zeigte seinem Sprössling schon mal seine Tricks, die er mit dem Skateboard beherrscht und hofft, dass auch sein Sohn in ein paar Jahren genauso fasziniert von dem Knetzgauer Skate- und Bikerpark ist, wie er.