Begegnung
Hoher Besuch in Sand am Main
Winzer Jürgen Hofmann (links) führt Weinkönigin Eva Lanzerath (Dritte von links) und Weinprinzessin Eva Müller (rechts) in Begleitung von Bürgermeister Bernhard Ruß (Zweiter von links) durch seinen Weinkeller.
Winzer Jürgen Hofmann (links) führt Weinkönigin Eva Lanzerath (Dritte von links) und Weinprinzessin Eva Müller (rechts) in Begleitung von Bürgermeister Bernhard Ruß (Zweiter von links) durch seinen Weinkeller.
Foto: Christina Licha
Sand am Main – Der Besuch von Weinkönigin und Weinprinzessin zum Fachgespräch in Sand am Main brachte Glamour, hatte aber auch einen tragischen Aspekt.

Hoheitlicher Besuch wurde am Donnerstag in Sand empfangen. Die Deutsche Weinkönigin Eva Lanzerath machte zusammen mit der Deutschen Weinprinzessinnen Eva Müller im Rahmen ihrer Deutschland-Tour Station im Weinanbaugebiet Franken, darunter auch bei Winzer Jürgen Hofmann in der Wein- und Korbmachergemeinde.

„Klein aber fein“ ist das Motto bei Jürgen Hofmann, der im Nebenerwerb Silvaner, Müller-Thurgau, Dornfelder und Co. auf eineinhalb Hektar anbaut. Den Betrieb hat der Sander von seinen Eltern Willi und Berta Hofmann übernommen, die in den 1970er Jahren von der Landwirtschaft und der Korbmacherei auf Weinanbau umsattelten. Schon bald wurde dann auch die eigene Heckenwirtschaft eröffnet, die auch heute noch zahlreiche Gäste aus nah und fern anzieht. Für seinen guten Rotwein bekannt, war der Familienbetrieb schon bei vielen Weinprämierungen erfolgreich. Seine Produkte dürfen das Siegel „Qualitätswein“ tragen.

Höchste Auszeichnung für Winzer

Hermann Schmitt, der Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes, der die Weinhoheiten bei ihrer Rundreise begleitete, zollte dem Winzer seinen großen Respekt. Zuletzt erhielt Jürgen Hofmann die höchste Auszeichnung für Winzer im Freistaat Bayern, den Staatsehrenpreis 2020, verliehen von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder und der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (beide CSU). Um diesen Preis zu gewinnen, musste der Weinbaubetrieb über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg dauerhaft hervorragende Ergebnisse bei der Fränkischen Weinprämierung vorweisen können.

Nach einem Rundgang durch Hofmanns Weinkeller stellte Bürgermeister Bernhard Ruß der Weinkönigin und ihrem Gefolge das Abt-Degen-Weintal vor. In diesem Anbaugebiet mit insgesamt über 92 Hektar Anbaufläche bewirtschaften alleine in Sand 13 Weinbaubetriebe über 20 Hektar in den Lagen Kronberg, Himmelsbühl und Fischersberg. Mit einem Volumen von insgesamt 179000 Euro, das durch die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), den Landkreis Haßberge und die beteiligten Kommunen Sand, Zeil, Königsberg, Haßfurt, Eltmann und Knetzgau finanziert wurde, startete vor über zehn Jahren eine Imagekampagne. Diese war von Erfolg gekrönt, denn heute ist der Wein aus dem Abt-Degen-Weintal sprichwörtlich in aller Munde, erklärte Ruß, der auch einst Vorsitzender der Vereinigung war.

So manche Nuance herausgeschmeckt

Natürlich ließen es sich die Weinkönigin Eva Lanzerath und die Prinzessin Eva Müller nicht nehmen, den Rebensaft zu probieren. Mit ihrem fachmännischen Wissen schmeckten die beiden Weinexpertinnen so manche Nuance heraus.

Eva Müller hat ihr Zuhause in der rheinhessischen Gemeinde Wöllstein. Auch ihr wurde die Leidenschaft für Wein quasi in die Wiege gelegt. Die 25-jährige Technikerin für Weinbau und Oenologie arbeitet im familieneigenen Weingut und hat ihr Steckenpferd so zum Beruf gemacht.

Das eigene Schicksal verrät sie nicht, aber sie dankt für die Wiederaufbauhilfe durch andere Winzer

„Schon als Kind träumte ich davon, einmal auf der großen Bühne zur Wahl der Deutschen Weinkönigin zu stehen“, sagte Eva Lanzerath seinerzeit bei der Wahl der 72. Deutschen Weinkönigin. Der Wein spiele seit ihrer frühen Kindheit eine große Rolle in ihrem Leben, erzählte die Studentin, die Grundschullehrerin werden möchte. Ihre Großeltern hätten sie damals schon in den familieneigenen Weinberg mitgenommen und viel Weinwissen vermittelt. Die Heimat von Eva Lanzerath, die in einem Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz wohnt, ist derzeit oft in den Schlagzeilen. Inwieweit sie persönlich und ihre Familie von der Flutkatastrophe Mitte Juli betroffen sind, wollte die 23-Jährige für sich behalten. Fest steht jedenfalls, dass der Weinanbauverband Ahr den Schaden alleine beim gelagerten Wein in diesem kleinen Anbaugebiet auf rund 50 Millionen Euro schätzt. Zusätzlich sind in dem auch „Rotweinmetropole“ genannten Ahrweiler etliche Rebflächen und Gebäude der Winzer zerstört. Die Weinkönigin sprach ihren herzlichen Dank unter anderem auch an die zahlreichen unterfränkische Winzer aus, die ihren Berufskollegen im Katastrophengebiet beistehen und auch vor Ort Wiederaufbauhilfe leisten.

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