Gefährdete Tierarten
Kein Honigschlecken für Imker
Holzbiene (Xylocopa violacea)
Holzbiene (Xylocopa violacea)
Foto: Klaus Mandery
LKR Haßberge – Warum sich die Pandemie und das Wetter sogar auf die Bienen auswirken, vor allem auf die Wildarten.

Das Bienenjahr neigt sich schon dem Ende entgegen und bei den Imkern geht es an die Vorbereitung auf den Winter. Aber vorerst geht der Blick zurück auf die Erntebilanz in diesem verregneten Frühjahr und auch die Corona-Krise ist nicht spurlos an der Imkerei vorübergegangen.

„Ohne Zweifel waren wir von der Pandemie betroffen. Wir durften zwar unsere Bienen versorgen, aber wir konnten uns nicht zu Lehrgängen und Versammlungen treffen und durften auch nicht bei Vereinen und in Schulen Informationsveranstaltungen abhalten. Auch mit dem Ertrag und für den Verkauf war es im vergangenen Jahr schlechter, denn es gab keine Märkte. Einige stellten ihren Honig zum Verkauf vor die Tür, aber Haustürgeschäfte sind doch nicht so effektiv. Erfreulicherweise durften in Hofheim einige Imker ihren Honig in einem Unverpackt-Laden zum Verkauf anbieten“, betont Renate Hau aus Hofheim, gelernte Imkerin und Bienensachverständige.

Die Bienenexpertin betreibt heute mit 65 Jahren selbst noch Imkerei und war lange Zeit Zuchtobfrau von Unterfranken und AGT-Sprecherin von Bayern. „In unserer Familie gibt es nun schon in der 5. Generation Bienen und auch ich habe nun schon 60 Jahre mit Bienen zu tun. Mein Vater hatte Bienen und deswegen ist schon bei mir als kleinem Mädchen das Interesse an den Bienen geweckt worden.“

Über den Winter gibt es immer wieder Verluste

So habe sie sich gefragt, ob man das auch als Beruf erlernen könne. Ihre Ausbildung habe sie dann an der Landesanstalt für Bienenzucht in Erlangen zur Imkerin oder Tierwirtin mit Fachrichtung Bienen absolviert. Aktuell hilft sie vor allem Anfängern mit Vorträgen oder hält auch beim Bayerischen Bauernverband Kurse im Bienengarten von Hofheim oder bietet Kräuterkurse mit Informationen zu Hausmitteln an oder stellt sogar Salben aus Bienenprodukten und Kräutern her.

Zum Jahresverlauf des Bienenjahres meinte sie, dass es über den Winter immer Verluste von Völkern gebe. „Auch so manche Königin ist verloren gegangen. Das hängt manchmal auch von der Pflege ab. Wenn es kalt ist, brauchen die Bienen selbst Honig und man muss sie füttern, damit sie nicht hungern.“ Frühjahr und Sommer seien zufriedenstellend gewesen, denn es sei auch nicht gut, wenn es zu trocken sei.

Natürlich habe es früher mehr Blühflächen gegeben an den Hängen und der Raps werde auch immer weniger. Der Wald als Sammelstelle für die Bienen falle aber immer mehr aus, weil durch die Dürre und Trockenheit auch hier die Früchte ausfielen.

Varroa-Milben und Faulbrut gefährden die Bestände

Renate Hau weist auch auf die ständige Gefahr durch Varroa-Milben hin. Hier gebe es viele Methoden, um sie zu bekämpfen. „Das Wichtigste ist die ständige Beobachtung und rechtzeitige Behandlung.“ Auch die Faulbrut sei eine anzeigepflichtige und ansteckende Erkrankung, die nur die Brut betreffe. Spuren könnten jedoch bis zu 50 Jahren im Erdreich bleiben. Manchmal müsse deswegen alles vernichtet werden. Auf die meldepflichtige Krankheit Faulbrut habe auch das Veterinäramt ein Auge, zumal die Seuche auch vom Ausland oder über Honiggläser übertragen werden könne.

Für Imkerin Renate Hau ist die Bienenzucht eine besondere Leidenschaft und mehrere Jahre hat sie auch die Belegstelle geführt. „Ich züchte auch heute noch Königinnen.“

Wenn von Bienen gesprochen wird, denken die meisten Menschen vor allem an die Honigbiene und denken weniger an Wildbienen, mit denen sich insbesondere das Institut für Biodiversitätsinformation e.V. (IfBi) in Ebern unter der Leitung von Dr. Klaus Mandery beschäftigt.Die Honigbiene ist ein Haustier, das von den Imkern gepflegt wird. Nicht zu vernachlässigen sei, wie es den wilden Arten dieser Insekten gehe. Mandery: „In Deutschland gibt es etwa 500 Bienenarten. Die Hälfte davon steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.“ Alle Wildbienen seien nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt, da sie für die Bestäubung der Blütenpflanzen, der Wildpflanzen und der vom Menschen genutzten Pflanzen von essenzieller Bedeutung seien.

Besondere Bedeutung für das Ökosystem und die Bestäubung

In der von ihm als Erstautor 2003 veröffentlichen Roten Liste gefährdeter Bienen Bayerns sind 561 Bienenarten für Deutschland und 506 davon in Bayern erwähnt worden. 40 Bienenarten oder acht Prozent gelten als ausgestorben oder verschollen und viele weitere sind stark gefährdet oder bedroht. Dr. Mandera misst den Wildbienen – die kleinste Art wird nur vier Millimeter groß – eine besondere Bedeutung für das Ökosystem und die Bestäubung von Pflanzen bei. Sie seien unterschiedlich ausgestattet und damit gehe auch die Nutzung der unterschiedlichen Blütentypen einher. Sie seien auch für die Landwirtschaft von Bedeutung, „denn Klee und Luzerne werden von Hummeln bestäubt und Hummel werden auch in Gewächshäusern zur Bestäubung der Kulturen eingesetzt.“

Jeder könne dabei zum Erhalt der Wildbienen beitragen, bei denen auch die Nistweise sehr speziell sei. Viele dieser Bienenarten seien Bodennister und etliche nutzten jegliche Höhlungen, die sie finden können. „Einige besiedeln leere Schneckenhäuser. Mit ein wenig Totholz und Unordnung im Garten kann der Bedarf an Niststellen durchaus gedeckt werden“, ist sich Dr. Klaus Mandery sicher. Dazu sollte der Rasen nicht überall zu dicht sein, damit die erdnistenden Arten auch einen Neststandort finden können. „Wichtig ist aber immer eine Blütenvielfalt aller Formen und Farben und aller Größen.“

Mandery erforscht, wie man gegen Verluste von Populationen und Arten vorgehen kann. Er erklärt: „Es wird davon ausgegangen, dass die Agrarlandschaft und zunehmend auch der Wald die Wildbienen und die Biodiversität allgemein fördern können und dass es nicht ausreicht, dies alleine in vorhandenen Schutzgebieten zu versuchen.“