Freizeit
Knetzgau wagt den ganz großen Sprung
Ein Kran ist nötig, um die Bauteile  auf dem Gelände des Skate- und Bikeparks in Position zu bringen. Insgesamt 75 Betonfertigteile mit einem Gesamtgewicht von über 150 Tonnen  werden aufgestellt.
Ein Kran ist nötig, um die Bauteile auf dem Gelände des Skate- und Bikeparks in Position zu bringen. Insgesamt 75 Betonfertigteile mit einem Gesamtgewicht von über 150 Tonnen werden aufgestellt.
Foto: Marco depner/Gemeinde Knetzgau
Knetzgau – Die Gemeinde Knetzgau baut im Industriegebiet einen Skate- und Bikepark. Die Anlage soll über den Ort und den Landkreis hinaus Strahlkraft haben.

Wenn in Knetzgau etwas Großes geschaffen wird, dann hat es meistens mit dem Main zu tun. Man denke an die Jugendverkehrsschule oder die Franz-Hofmann-Halle, die beide am Fluss liegen, und an das geplante Maininformationszentrum. Es geht aber auch anders. Der Blick richtet sich aktuell auf das Industriegebiet. Hier an der Hans-Kötzner-Straße, zwischen der Firma Maincor und dem Edeka-Markt, entsteht derzeit ein großer Skate- und Bikepark.

Ein halber Fußballplatz

Hier werden nicht etwa ein paar Rampen angelegt, über die eines Tages einige Kinder und Jugendliche mit ihren Boards kurven, sondern das wird eine beeindruckende Anlage auf einer Fläche von 3500 Quadratmetern. Das ist etwa die Hälfte der Größe eines Fußballplatzes. Und die Anlage soll nicht nur für die Knetzgauer ein Anziehungspunkt sein, sondern auch für Menschen aller Altersgruppen in den Nachbarkommunen, im Kreis Haßberge und aus weiter entfernten Regionen. „Das wird ein Highlight für den Landkreis und darüber hinaus“, ist Thomas Zettelmeier überzeugt.

Die finanzielle Seite

Er ist in der Gemeinde Knetzgau für das Bündnis für Familien und Senioren zuständig und eine der treibenden Kräfte bei der Verwirklichung des Projekts, das immerhin über eine halbe Million Euro kostet. 200 000 Euro erhält die Gemeinde als Förderung (Leader-Mittel der Europäischen Union), den Rest muss der Kämmerer Marco Depner aus der Gemeindekasse dazu beitragen. Aktuell heben Kräne die schweren Betonteile an ihre Plätze auf dem Gelände. Ende August soll das Projekt fertig sein und die Anlage benutzt werden können.

Seinen Anfang nahm der Skate-und Bikepark im Jahr 2017. Die Gemeinde hatte zu einem Bürgerforum eingeladen, in dem die Knetzgauer ihre Wünsche und Anregungen vorbringen konnten. Junge Leute, etwa zehn an der Zahl, wünschten sich eine Skateranlage, so wie es bereits einige im Landkreis gibt. Etwa in Zeil am Bolzplatz in Richtung Krum. Hier treffen sich zumeist Kinder und Jugendliche, um zu skaten und mit den Boards über einige kleine Rampen zu gleiten und zu springen.

Aus dem Wunsch nach etwas Kleinem wurde im Laufe der Jahre das Projekt für etwas Großes. Es fanden Workshops statt mit den jungen Leuten. Pläne wurden erarbeitet, die Möglichkeiten der Finanzierung besprochen und Fragen der Organisation einer solchen Anlage erörtert. Heraus kam, dass auf dem 3500 Quadratmeter großen Areal drei Bereiche angelegt werden sollen: ein Streetpark, Bowl und Pumptrack, zusammen knapp 1200 Quadratmeter groß. Thomas Zettelmeier geht davon aus, dass das eine der größten Anlagen dieser Art im weiten Umkreis wird. „Wenn wir es machen, dann machen wir es gescheit“, lautet das Motto.

Gescheit bedeutet auch, dass eine barrierefreie Sanitäranlage dazugehört. Im Umfeld könnte noch ein Shop entstehen für Artikel, die mit dem Biken und Skaten zu tun haben. Essen und Trinken soll es auch geben. Und die Anlage soll nicht nur Anziehungskraft für einige wenige Kinder und Jugendliche werden, sondern ein Treffpunkt für Familien. „Jeder ist gerne gesehen“, sagt Thomas Zettelmeier, und damit meint er Personen aus allen Altersklassen und auch Gäste außerhalb von Knetzgau.

Vereinsgründung ist geplant

Er könnte sich vorstellen, dass in naher Zukunft noch ein Verein gegründet wird, der bei der Organisation der Anlage, die im Übrigen wie ein Spielplatz von der Gemeinde behandelt wird, mitwirkt. Zettelmeier ist sicher, dass vor allem die jungen Leute, die seit 2017 mit ihm Boot sind, dazu beitragen, dass das Ganze funktioniert. „Die wollen das wirklich“, hat er in den Jahren der Vorbereitung und Planung erfahren. Er ist zuversichtlich, dass das Projekt ein Erfolg wird. Der Skate- und Bikepark „wird gut frequentiert werden“.

Bürgermeister Stefan Paulus bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel, der für das Projekt spricht: die Coronakrise. „Wir sind sehr froh, dass wir vor zwei Jahren mit der Planung des Skate- und Bikeparks begonnen haben. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben am meisten unter der Pandemie gelitten und ihren Teil zur Bewältigung der Krise beigetragen. Mit dem Skate- und Bikepark können wir den Nutzerinnen und Nutzern wieder etwas zurückgeben, und die Gesellschaft ist dies dieser Generation auch schuldig. Endlich wieder sich im Freien bewegen, sportlich betätigen und Freunde treffen, das ist auf dem Funsportareal möglich. Der Skate- und Bikepark ist ein tolles Gemeinschaftsprojekt“, sagt er.