Gartenphilosophie
Was gegen Gartenkosmetik spricht
Im Gespräch (von links): Otto Elsner, Klaus Mandery, Bürgermeister Dieter Möhring
Im Gespräch (von links): Otto Elsner, Klaus Mandery, Bürgermeister Dieter Möhring
Foto: Christian Licha
Rottenstein – Der wild wirkende Grünstreifen vor Otto Elsners Gartenzaun beherbergt wertvolle Pflanzen, die teilweise vom Aussterben bedroht sind.

„Der könnte sein Grundstück auch wieder mal mähen“, beschreibt Otto Elsner die Gedanken, die bestimmt so mancher Fußgänger hat, wenn er an seinem Garten in Rottenstein vorbei läuft. Entgegen dem heutigen Trend, alles akkurat zu schneiden und kurz zu halten, geht der Gebietsbetreuer beim Bund Naturschutz Bayern einen anderen Weg, um die Biodiversität hochzuhalten.

Wildes Gewucher

Der etwa zehn Quadratmeter große Grünstreifen vor dem Gartenzaun sieht auf den ersten Blick vielleicht etwas wild aus, aber es wachsen dort wertvolle Pflanzen, die teilweise vom Aussterben bedroht sind.

Mit einer Informationstafel will Otto Elsner auf die sogenannten Dorfpflanzen aufmerksam machen. Herzgespann, Katzenminze, die Acker-Glockenblume oder Guter Heinrich wachsen in dem knapp 50-Einwohner-Dorf Rottenstein vor sich hin. Das Schild zeigt Wirkung. Immer öfter bleiben Wanderer, Touristen und Einheimische davor stehen und erfreuen sich an der Blütenpracht, die einem Lehrpfad gleicht.

Seit über 40 Jahren hat sich Otto Elsner der Botanik verschrieben, die sein Steckenpferd ist. „Früher hatte man im Garten auch Heil- und Gewürzpflanzen, die sich dann verselbstständigten und überall im Dorf wuchsen“, erklärt Elsner den Begriff Dorfpflanzen. Auch die Tiere wie Schafe oder Ziegen hätten für die Verbreitung der Samen gesorgt. Diese seien beim Weg auf die Weide oder zurück in den Klauen oder im Fell der Vierbeiner hängengeblieben und so transportiert worden. Den Samen für das Herzgespann, das auf der Roten Liste in der höchsten Kategorie I (vom Aussterben bedroht) steht, hat Otto Elsner bei einer Exkursion in Nassach gefunden. Stark gefährdet in ihrem Vorkommen ist zum Beispiel auch die Katzenminze, die, wie ihr Name schon verrät, besonders von den Felltigern geliebt wird.

Bürgermeister Dieter Möhring, der selbst ein Naturfreund ist und privat unter anderem Streuobstwiesen pflegt, ließ es sich nicht nehmen, die Dorfpflanzen in dem Aidhäuser Ortsteil einmal näher anzuschauen. Es belaste ihn, gestand er, wenn von früh bis spät Beschwerden in der Verwaltung aufliefen, dass der Bauhof immer falsch mähe. „Für die einen ist es zu viel, für die anderen zu wenig“, sagte Möhring.

Er möchte den Bürgern künftig mehr ins Bewusstsein bringen, warum etwas mit welchen Maßnahmen gemacht werde. Er stelle sich sogar eine Art Workshop für alle Ortsteile vor, sagte Möhring. Damit sollten auch Leute gewonnen werden, die sich bereit erklärten, Grünflächen zu pflegen.

Als ein Element der Vielfalt bezeichnet Klaus Mandery, der Vorsitzende der Kreisgruppe Haßberge des Bund Naturschutz Bayern, die Wildnis vor Otto Elsners Eigenheim. Auch durch die Industrialisierung der Landwirtschaft werde heutzutage alles vereinheitlicht, was sich auch in der stellenweise geringen Artenvielfalt widerspiegele.

Die Pflanze

Das Echte Herzgespann, das in Rottenstein wächst, ist eine traditionelle Heilpflanze aus der Klostermedizin. Das Herzgespann ist auch in der Samenmischung „Veitshöchheimer Hanfmix“ enthalten, die von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau angeboten wird. Als Ersatz für die Anpflanzung von Mais eignet sich diese Mischung hervorragend für die Verwertung in einer Biogasanlage.