Haßberg-Kliniken
Das Konzept für Ebern steht
Das Haus Ebern soll Zentrum für Altersmedizin werden mit einem MVZ für Innere Medizin und Chirurgie.
Das Haus Ebern soll Zentrum für Altersmedizin werden mit einem MVZ für Innere Medizin und Chirurgie.
Foto: Günther Geiling
LKR Haßberge – Der Kreistag Haßberge sprach über die Zukunft der Haßberg-Kliniken und hörte einen Corona-Bericht.

Die zukünftige Ausrichtung der Haßberg-Kliniken mit den beiden Häusern in Haßfurt und Ebern stand im Mittelpunkt der Sitzung des Kreistages Haßberge in Haßfurt.

Die Ausgangslage ist: Seit 2014 fahren die Haßberg-Kliniken hohe Defizite ein. Die Bedarfszahlen in der Chirurgie sind rückläufig. Und der Landkreis hat Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen. Auf dieser Basis soll in Ebern ein Zentrum für Altersmedizin und Palliativbetreuung entstehen. Gleichzeitig sollen beide Häuser weiterhin die Grund- und Regelversorgung gewährleisten.

Die Kündigung der erst vor einem Jahr eingestellten Vorstandsvorsitzenden des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken, Vera Antonia Büchner, bezeichnete Landrat Wilhelm Schneider (CSU) als „bedauerlichen Schritt. Der Verwaltungsrat werde in Kürze weitere Schritte einleiten, kündigte er.

Personal ist eingebunden

Zur neuen Struktur in Ebern sagte der Landrat: Da die Fallzahlen nach unten gingen, sehe sich der Träger gezwungen, nach dem Ausscheiden von Dr. Riedel die Chirurgie am Haus Ebern zu schließen und sie am Hause Haßfurt anzusiedeln. Dann werde der Landkreis mit dem Umbau und der Erweiterung beginnen und 30 Betten für Kurzzeitpflege und Übergangspflege einrichten.

Personell seien von dieser Umstrukturierung 60 Mitarbeiter betroffen. „56 Personen haben wir ein Unterbringungsangebot unterbreitet und bei vier Personen sind wir noch im Klärungsprozess. Das ist eine gute Entwicklung,“ betonte der Landrat.

Vorstandsmitglied Wilfried Neubauer ging auf die Bausteine der Umstrukturierung ein. „Wir sind hier auf einem guten Weg und auch der Personalrat zieht an einem Strang.“ Das von der Schließung der Hauptabteilung Chirurgie betroffene Personal werde in anderen Bereichen des Unternehmensverbundes oder in Praxen des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) eingesetzt.

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Das neu zu etablierende MVZ in Ebern erhält die Schwerpunkte Innere Medizin und Gastroenterologie mit Belegarzttätigkeit sowie den Aufbau eines ambulanten unfallchirurgischen orthopädischen Schwerpunktes mit D-Arzt- Praxis und ambulantem OP-Zentrum. Weitergeführt werde die Wachstation mit drei bis fünf Betten und der palliativmedizinische Dienst mit drei Betten. Auch Labor und Röntgen sollen laut Neubauer bleiben, zumal das MVZ von 5000 Röntgenleistungen ausgehe.

Zur Notarztversorgung im Raum Ebern stellte Wilfried Neubauer fest, dass dies keine Aufgabe des Landkreises oder des Krankenhauses sei, sondern die Sicherstellungsauftrag beim Rettungszweckverband Schweinfurt liege. Der Landkreis und das Krankenhaus würden sich aber wie bisher beteiligen, solange am Haus Ärzte dafür qualifiziert seien.

Hinsichtlich der ambulanten chirurgischen Notfallversorgung zwischen 18 und 8 Uhr (bisher durchschnittlich ein Patient pro Nacht) wurde auf die Bereitschaftspraxen verwiesen. „Ob darüber hinaus zeitbegrenzt eine ambulante chirurgische Notfallversorgung im Haus angeboten werden kann oder darf, wird derzeit geprüft. Das Konzept für Ebern ist rund und auf jeden Fall bedarfsgerecht“, betonte Neubauer.

Der Bürgermeister der Stadt Ebern, Jürgen Hennemann (SPD), erachtete es für wichtig, dass das Haus Ebern Bestand habe und ein Zukunftskonzept aufgestellt werde. „Gesundheit und Altersmedizin – das kann das Zukunftskonzept für kleine Häuser sein und eine Anlaufstelle im schwierigen Umfeld von großen Krankenhäusern.“ Entscheidend für Ebern und Umgebung sei, dass die Notfallversorgung funktioniere und am Krankenhaus vorhanden sei.

Mangel an Notärzten

Kreisrat Wolfgang Brühl (SPD) sprach die Notfallversorgung und den Mangel an Notärzten an. Diesen spüre man auch an den Kliniken. Wichtig sei, dass bestimmte Zahnräder ineinandergriffen, und das funktioniere nicht mit einer Station, die am Wochenende nicht zu Verfügung stehe, beschrieb der Kreisrat, der beim Roten Kreuz arbeitet.

Auch über die Corona-Krise wurde ein Bericht gegeben. Christian Mottl vom Kommunal- und Ordnungsrecht am Landratsamt informierte, dass schwere Verläufe der Infektion vor allem ältere Personen betrafen. Im Alter bis 35 Jahre habe es keinen einzigen Todesfall gegeben, bei den 35- bis 59-Jährigen waren es fünf Todesfälle, bei den 60- bis 80-Jährigen 18 Todesfälle und bei den über 80-Jährigen 64 Todesfälle. In der dritten Welle habe die Impfung Früchte getragen. Hinsichtlich des Personals seien ständig zwischen 50 bis 80 Personen im Einsatz gewesen, und es seien 800 Bußgeldverfahren wegen Corona-Verstößen eingeleitet worden, sagte er.

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Kreiskämmerer Marcus Fröhlich informierte über die Aufwendungen für die Impfzentren, die durch den Freistaat Bayern übernommen, aber vom Landkreis im laufenden Haushalt gebucht und dann erstattet werden. Bisher seien von der Regierung 958 846 Euro zugewiesen worden. Wie aus der Hochrechnung ersichtlich sei, reiche dieser Betrag bei weitem nicht aus, denn die zu erwartenden Kosten pro Monat beliefen sich auf rund 487 300 Euro, die sich aus Mieten mit 12 012 Euro und dem Betrieb der Impfzentren mit 475 270 Euro zusammensetzen. Die Deckung sei jedoch dank Mehrerträgen vom Freistaat aus der Impfkostenerstattungsrichtlinie gewährleistet.

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