Krankenhausbetrieb
Der Schutzwall gegen das Virus
Große Herausforderungen für das Team der Zentralen Patientenaufnahme: Auch der Arbeitsalltag von Sabine Kraft (von links), Birgitt Pfister und Larissa Divinc wird von Corona beeinflusst.
Große Herausforderungen für das Team der Zentralen Patientenaufnahme: Auch der Arbeitsalltag von Sabine Kraft (von links), Birgitt Pfister und Larissa Divinc wird von Corona beeinflusst.
Foto: Marco Heumann/Haßberg-Kliniken
Haßfurt – Das Kommunalunternehmen Haßberg-Kliniken gewährt Einblicke in das Krankenhausgeschehen. Wie sich die Pandemie auf den Arbeitsalltag ausgewirkt hat.

Seit mehr als einem Jahr hat Corona das Leben fest im Griff – auch das der Mitarbeiter der Haßberg-Kliniken, ganz egal, ob sie in der Pflege, im medizinischen Bereich, in der Verwaltung oder der Versorgung der Patienten tätig sind. Wie sie beruflich, aber auch privat mit der Pandemie umgehen, das will das Kommunalunternehmen Haßberg-Kliniken in einer Serie zeigen. Diesmal hat es sich mit Birgitt Pfister und ihrem Team aus der zentralen Patientenaufnahme der Haßberg-Kliniken unterhalten.

„Angst ist das falsche Wort!“ Birgitt Pfister denkt nach. „Ich würde es großen Respekt nennen“, antwortet sie auf die Frage, was Corona in ihrem Arbeitsalltag mit ihr und ihrem Team gemacht hat.

Als Leiterin der Zentralen Patientenaufnahme im Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken saß die langjährige Mitarbeiterin quasi an der Nahtstelle zwischen „der Welt drinnen“ (im Krankenhaus) und der draußen. „Wir waren der Punkt, an dem die Trennung erfolgt ist.“ Die Theke im Eingangsbereich wurde zu einer Art Berliner Mauer, Birgitt Pfister und ihre Kolleginnen wurden zu Torwächtern. Ein Vorbeikommen gab es für die Angehörigen praktisch nicht.

Die Begleitung von Patienten, die ins Krankenhaus gebracht wurden, war viele Monate lang nicht oder nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. „Das war für die Menschen, aber auch für uns schwierig“, erzählt Birgitt Pfister. „Notfälle sind schon in normalen Zeiten eine besondere Situation.“ Eine, in der man seine Lieben nur ungern alleine lässt. „Und jetzt musste man sie an der Tür abgeben.“ Vor allem die Ungewissheit, wann und ob man die Angehörigen überhaupt wiedersehen würde, habe die Betroffenen mürbe gemacht.

„Viele waren zwar überrascht, dass sie die Patienten nicht begleiten durften“, blickt Birgitt Pfister aufs Frühjahr 2020 und die ersten Wochen mit der Pandemie zurück. „Aber die meisten hatten Verständnis.“ Je länger der Zugang aber verwehrt blieb, desto deutlicher habe man gespürt, dass die Menschen nicht mehr nachvollziehen können, warum sie draußen bleiben müssen. „Am Anfang erfuhren wir eine große Wertschätzung unserer Tätigkeit, jedoch wurden Patienten und Angehörige im Laufe der Pandemie coronamüde und zeigten zum Teil weniger Verständnis“, bringt es die Leiterin der Zentralen Patientenaufnahme auf den Punkt.

Dem Unmut der Angehörigen ausgesetzt

Ausweichen konnte man dem Unmut oftmals nicht: „Wir sind nun einmal die erste Anlaufstelle im Krankenhaus.“ Monatelang waren sie auch die letzte. Waren die Patienten erst einmal auf Station, gab es für die Angehörigen meist nur noch telefonischen Kontakt, auch mit dem medizinischen Personal.

Die schier unüberwindbare Trennlinie, die von ihrem Team überwacht wurde, war aber nicht die einzige einschneidende Änderung im beruflichen Alltag, der Birgitt Pfister und ihre Kolleginnen sich stellen mussten. Wie in allen anderen Abteilungen des Krankenhauses auch mussten strenge Hygienevorgaben beachtet werden. Schutzanzug und FFP-2-Maske wurden ständige Begleiter. „Das war vor allem im Sommer, wenn es warm war, nicht immer einfach.“ Zudem kam es bei Gesprächen mit Maske immer wieder zu Verständigungsproblemen.

Aber nicht nur der Umgang mit den Patienten wurde durch Covid-19 ein anderer. Neben den privaten Kontakten mussten auch die im Team aufgrund der Pandemie auf ein Minimum beschränkt werden. Gemeinsame Besprechungen konnten nicht stattfinden, Fort- und Weiterbildungen fielen aus. „Klar haben wir auch weiterhin miteinander gearbeitet“, sagt Pfister. „Aber ein Stück weit war jeder mehr auf sich alleine gestellt.“

Vor allem am Anfang, als die Folgen der Pandemie noch nicht absehbar waren, sei die Verunsicherung groß gewesen: „Wir wussten einfach nicht, was auf uns zukommt.“ Fehlende Schutzkleidung oder die nahezu täglich neuen Anweisungen von amtlicher Seite sorgten nicht unbedingt für Zuversicht. Vieles habe sich aber relativ schnell eingespielt.

Als Beispiel für die Flexibilität, die die Mitarbeiter zeigen mussten, nennt Birgitt Pfister die Abläufe am Screening-Point: Hier wurde jeder, der ins Krankenhaus wollte oder musste, einzeln „überprüft“. Jeder musste einen Fragebogen beantworten. Fieber wurde gemessen. So sollte verhindert werden, dass Infizierte und mit ihnen das Virus ungehindert in die Klinik kommen.

Vorgaben änderten sich ständig

„Am Anfang haben sich die Fragen ständig geändert.“ Auch die Vorgaben, was zu tun ist, wenn bestimmte Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, wurden erst nach und nach festgelegt. „Wir mussten immer wieder auf die neuesten Entwicklungen reagieren.“

Eine besondere und sehr zeitaufwendige Herausforderung war die tägliche PCR- und Antigen-Testung aller Mitarbeiter aus den verschiedenen Abteilungen des Krankenhauses.

Inzwischen ist die Lage deutlich entspannter. Zum einen, weil die Zahl der Infizierten deutlich gesunken ist und auf niedrigem Niveau verharrt. Zum anderen aber auch, weil Birgitt Pfister und ihre Kollegen gelernt haben, mit dem Virus zu leben und zu arbeiten. „Ich muss mich bei meinem Team dafür bedanken, dass wir so gut durch die schwere Zeit gekommen sind.“

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