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Die Hoffnung auf Herdenimmunität steigt
Die Impfbereitschaft sinkt, dabei ist es gerade in Hinblick auf die Mutationen wichtig.
Die Impfbereitschaft sinkt, dabei ist es gerade in Hinblick auf die Mutationen wichtig.
Foto: Moritz Frankenberg/dpa
LKR Haßberge – Ärztin Eva Bauer vom Gesundheitsamt Haßberge hat Sorge vor der ansteckenden Deltavariante. Derweilen schließen einige Teststationen.

Die Cafés sind wieder voll, in den Geschäften herrscht ein reges Kommen und Gehen, die Aussicht auf den Sommerurlaub belebt die Lebensgeister. Nach zähen Monaten voller Entbehrungen, Disziplin und zunehmendem Frust werden die strengen Infektionsschutzmaßnahmen nach und nach gelockert. Corona scheint besiegt. Und so fragen sich viele, ob sie sich überhaupt noch impfen lassen sollten. „Die abflauende Impfbereitschaft trifft auf eine neue Virusvariante – eine brandgefährliche Kombination“, ist Ärztin Eva Bauer vom Gesundheitsamt Haßberge überzeugt. „Denn anders als es momentan den Anschein hat, ist SARS-CoV-2 nicht verschwunden. Man könnte eher sagen, es macht eine Art Sommerpause.“ Warme Temperaturen machen dem Virus zu schaffen. Zudem haben die fortschreitenden Impfungen ihm durchaus einen Dämpfer verpasst. Seine primäre Zielgruppe, ältere und vorerkrankte Menschen, ist ihm dadurch abhandengekommen. Wie ist die Lage im Landkreis Haßberge? Einen Überblick liefern Monika Göhr und Ärztin Eva Bauer.

Delta-Variante und Mutationen

Was sich in den letzten Wochen beobachten lässt, sei der klassische Gang der Evolution im Schnelldurchlauf: Eine Population, in diesem Fall das Corona-Virus, wird durch äußere Einwirkung (Impfung) bedrängt und gerät unter Selektionsdruck. Es muss sich den neuen Gegebenheiten anpassen, indem es sich wandelt, um sein Überlebenschancen zu verbessern. Das Ergebnis sind Virusvarianten (Mutationen) mit etwas veränderten Eigenschaften, erklärt Eva Bauer. Die Delta-Variante ist inzwischen auch in Deutschland angekommen und wurde bereits im jedem Bundesland nachgewiesen. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist rasant. Dreimal in Folge hat sich der Anteil der neuen Mutation binnen einer Woche verdoppelt und liegt aktuell bei fast 50 Prozent. Im Landkreis Haßberge gibt es zwar bisher noch keine nachgewiesenen Fälle der Delta-Variante. Experten sind sich allerdings einig, dass sie spätestens im Herbst den Großteil der Corona-Neuinfektionen ausmachen wird.

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Nach den bisherigen Beobachtungen aus England, wo die Delta-Variante bereits seit längerer Zeit auf dem Vormarsch ist, ist sie ansteckender. Neben der höheren Ansteckungsgefahr scheint auch das Risiko für schwere Verläufe größer zu sein, was sich an der steigenden Hospitalisierungsrate ablesen lässt. In den Krankenhäusern werden nun aber weniger alte Menschen behandelt, da sie durch die Impfung weitestgehend geschützt sind. Vielmehr verlagert sich das Infektionsgeschehen auf die Jüngeren. Ein Großteil der behandelten Patienten im Krankenhaus ist aktuell unter 60 Jahre alt.

Impfung auch gegen Delta wirksam?

Der momentane Zwischenstatus ist infektiologisch höchst bedenklich. Mittlerweise ist rund ein Drittel der Deutschen vollständig geimpft. „Das ist nach den anfänglichen Startschwierigkeiten durchaus beachtlich, reicht aber bei weitem noch nicht aus, um das Virus in Schach zu halten“, so die Medizinerin Eva Bauer. Das Robert-Koch-Institut hält mittlerweile eine Impfquote von über 80 Prozent für nötig, um eine sogenannte Herdenimmunität aufzubauen und die Infektion langfristig zu überwinden.

Erste Beobachtungen zeigen eine hohe Wirksamkeit auch gegen die neue Variante, vor allem vor schweren Verläufen schützen alle bisher zugelassenen Impfstoffe sehr gut. Allerdings dauert es länger, bis sich die Immunantwort aufbaut. Die Wirkung nach der ersten Impfung ist deutlich geringer als bei den vorherigen Mutationen. Erst mit der zweiten Dosis wird eine hohe Schutzwirkung erreicht. Daher ist es so wichtig, auch die Auffrischimpfung unbedingt wahrzunehmen. Der Effekt könnte ansonsten nahezu vollständig verpuffen.

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Solange das Virus nicht durch eine Herdenimmunität unter Kontrolle ist (ganz verschwinden wird es wohl nicht), ist es vor allem für diejenigen gefährlich, die nicht davor geschützt sind. Die meisten können sich entscheiden, ob sie sich impfen lassen. Manche jedoch können es nicht: Kinder, für die die Impfung noch nicht zugelassen ist, und Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. „Herdenimmunität bedeutet bildlich gesprochen, die Schutzlosen in die Mitte zu nehmen und so vor äußeren Gefahren zu bewahren. Jeder kann daran mitwirken“, erklärt die Ärztin Eva Bauer.

Wie schreiten die Impfungen im Landkreis voran?

Die Impfkampagne schreitet auch im Landkreis Haßberge immer weiter voran, wie Pressesprecherin Monika Göhr mitteilt. Im Zuge dessen werden immer mehr Personen außerhalb der Impfzentren durch Hausärzte, Betriebsärzte etc. geimpft. Das Landratsamt Haßberge bittet deshalb nochmals eindringlich alle Personen, die sich im Impfportal „BayIMCO“ angemeldet haben und zwischenzeitlich außerhalb der Impfzentren ihre Impfung erhalten haben, den Account zu löschen. Erfolgt dies nicht, wird die Anzahl der wartenden Impflinge verfälscht und führt letztlich zu längeren Wartezeiten für diejenigen, die tatsächlich noch auf eine Impfung warten. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass eine Vielzahl der registrierten Impflinge bereits auf andere Wege geimpft wurden.

Anmeldung und Eintragungen für die Nachrückerliste erwünscht

Das Landratsamt ruft weiterhin alle impfwilligen Bürger – unabhängig von der Priorisierung - im Landkreis dazu auf, sich über das Onlineportal BayIMCO (www.impfzentren.bayern) für die Impfung gegen das Coronavirus anzumelden.Aufgrund der Tatsache, dass es aktuell immer schwieriger wird Personen zu finden, die kurzfristig (innerhalb von 30 Minuten) als sogenannte „Nachrücker“ zu einer Impfung in eines der beiden Impfzentren (Hofheim und Zeil) kommen, besteht nun für alle über 18-jährigen Bürger mit Erstwohnsitz im Landkreis Haßberge die Möglichkeit, sich auf die so genannte „Nachrückerliste“ setzen zu lassen.

Diese Impflinge werden benötigt um zu vermeiden, dass Impfstoffdosen am Ende des Impftages verfallen. Um auf diese Nachrückerliste zu gelangen, melden Sie sich bitte auf der Homepage des Landkreises Haßberge unter folgendem Link: www.hassberge.de/impfnachruecker an. Bei Bedarf an Nachrückern werden die Impfwilligen telefonisch kontaktiert, hierbei unterscheiden sich die gerade vorhandenen Impfstoffe (Biontech, Moderna, Johnson&Johnson oder AstraZeneca). Die Grundvoraussetzungen für die Aufnahme auf die Nachrückerliste sind:

Telefonische Erreichbarkeit ist dauerhaft sichergestellt: Bereitschaft kurzfristig zu einem Impftermin zu kommen (Vorlaufzeit von ca. 30 Minuten), an 7 Tagen in der Woche, bis 22:30 Uhr; Registrierung im bayerischen Impfportal „BayIMCO; Eine Meldung für die „Nachrückerliste“ ist nicht mit einem sicheren Impfangebot verbunden ist, deshalb bitte unbedingt weiterhin im Impfportal angemeldet bleiben und einen Impftermin, der über das System gebucht werden kann, auch wahrnehmen. 4.

Testzentren schließen vermehrt

Die Teststationen in Stettfeld wurde gestern geschlossen. Ebenso werden die Teststationen in Breitbrunn und Kirchlauter nicht weiter betrieben. Darüber hinaus erhalten die Testzentren in Ebern und Eltmann neue Standorte: In Ebern wird ab dem 1. Juli im Rotkreuzhaus im Gewerbepark „Alte Kaserene“ im Frauengrund 12 getestet. Ab dem 6. Juli wird die Teststation in Eltmann im Sportheim, Bamberger Straße 21, eingerichtet.Darüber hinaus ist es ab sofort möglich, sich in allen Schnelltestzentren des BRK digital registrieren zu lassen. Die Vorabregistrierung ist auf jeden Fall sinnvoll, da damit die Wartezeit im Testzentrum verringert werden kann, so Monika Göhr.

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