Gesundheit
Droht das Aus für den Klinikstandort Ebern?
Das Krankenhaus in Ebern
Das Krankenhaus in Ebern
Foto: Andy Schöneberg/Archiv
Ebern – In Ebern formiert sich Widerstand gegen die Umstrukturierung des Krankenhauses. Aktionsgruppe startete eine Petition.

Im Raum Ebern ist eine Initiative gestartet worden, um das Eberner Krankenhaus mit einem breiten Leistungsspektrum zu erhalten. Unterstützt werden die örtlichen Vertreter von der Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“. Nach Einschätzung der Gegner einer neuen Ausrichtung der Eberner Klinik könnte ein eingeschränktes Leistungsspektrum „mittelfristig den Fortbestand des Krankenhauses insgesamt gefährden“.

Die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ hat deshalb schriftlich Protest bei Landrat Wilhelm Schneider (CSU) erhoben und eine Petition gestartet, die aktuell mit 2261 Unterschriften unterstützt wird. „Die Bürger in Ebern brauchen ein wohnortnahes Krankenhaus mit breitem Leistungsspektrum und einer langfristigen Bestandsgarantie“, heißt es darin.

Das Eberner Krankenhaus gehört ebenso wie das Haßfurter Krankenhaus zum Kommunalunternehmen Haßberg-Kliniken. Dahinter steht der Landkreis Haßberge. Jüngst hat der Landkreis seine Pläne bekanntgegeben, dass neue Strukturen geschaffen werden sollen.

In einer Pressemitteilung, die die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ am Montag an die Medien weitergeleitet hat, erläutern die Initiatoren ihre Argumente. Gezeichnet haben die Pressemitteilung: Klaus Emmerich, Klinikvorstand i.R., Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“; Klaus Junge aus Ebern; Gemeinderat Klaus Dünisch aus Pfarrweisach.

Seit 1. Juni gebe es die Online-Petition „Keine Teilschließung der Haßberge-Klinik Ebern“, heißt es in der Mitteilung (Link: https://weact.campact.de/petitions/keine-teilschliessung-der-hassberge-klinik-ebern). Mit der Petition werden die Verwaltungsräte und Kreisräte im Landkreis Haßberge von der Aktionsgruppe aufgefordert, die Teilschließung am Krankenhaus Ebern abzuwenden.

Das bisherige Umstrukturierungskonzept der Haßberg-Kliniken sieht unter andeerm vor, die chirurgische Station in Ebern zu schließen und dafür 30 nichtmedizinische Kurzzeitpflegeplätze zu etablieren. Sollte das Leistungsspektrum am Standort Ebern wie vorgesehen gekürzt werden, drohe mittelfristig sogar das vollständige Aus des Standorts Ebern als Krankenhaus, warnen die Initiatoren der Petition. Denn mit dem Ende der chirurgischen Station verliere das Krankenhaus Ebern einen beträchtlichen Teil seiner Patienten und damit Umsatzerlöse bei etwa gleichbleibenden Fixkosten. Zudem stelle die Verlagerung von Betten kein nachhaltiges Instrument zum Abbau der anfallenden Defizite dar.

Die Aktionsgruppe hebt die über die Grenzen des Regierungsbezirks Unterfranken hinausreichende Bedeutung des Klinikstandorts Ebern für die medizinische Daseinsvorsorge der nahen Nachbarn in den oberfränkischen Landkreisen Bamberg und Coburg hervor. Klaus Dünisch erklärt es so: „Der Patient hält sich nicht an Verwaltungsgrenzen“, wie es die Politiker und die Kassenärztliche Vereinigung oft tun.

Die Aktionsgruppe fordert zur Teilschließung eine Alternative, mit der „nicht nur die stationäre chirurgische Grundversorgung, sondern auch die umfassende notfallambulante Versorgung der Region Ebern nachts und am Wochenende sichergestellt bleibt“. Eine solche Alternative könne darin bestehen, weitere stationäre Leistungsangebote auszubauen, um die Klinik für Patienten und für das Klinikpersonal, ob Ärzteschaft oder Pflegekräfte, noch attraktiver zu machen, sie so in eine sichere Zukunft zu führen und die wohnortnahe klinische Versorgung zu sichern.

Auch die Einrichtung einer neuen Notfallversorgung, Notfallstufe 1, kann laut Aktionsgruppe helfen, das Krankenhaus Ebern auf lange Sicht stabil zu halten und gegen Strukturvorgaben des Bundesgesundheitsministeriums abzusichern. Es gebe Beispiele, dass dies auch bei kleinen Krankenhäusern gelingen kann. Die Bevölkerung stehe hinter dem Krankenhaus Ebern und auch hinter den finanziellen Aufwendungen, die dafür nötig sind. Die Aktionsgruppe wertet die 1,3 Millionen Euro Defizit pro Jahr für die Klinik in Ebern als „keinen unerträglich großen Batzen Geld für den Landkreis Haßberge angesichts der Ausgaben für andere Zwecke“.

Das neue Konzept der Haßberg-Kliniken für die Umstrukturierung erscheint der Aktionsgruppe bis zum heutigen Tag „wenig schlüssig“. Wörtlich heißt es: „Weder scheint uns geklärt, weshalb die Bettenverlagerung aus der stationären Chirurgie von Ebern nach Haßfurt für weniger Defizit bei den Haßberg-Kliniken insgesamt sorgen soll, noch zeichnet sich die angestrebte Wirtschaftlichkeit der künftig neuen Kurzzeitpflege im Krankenhaus Ebern ab.“ Zudem müsste der künftige Träger der Kurzzeitpflege erst noch einen Versorgungsauftrag mit den Pflegekassenverbänden abschließen.

In der Informationsveranstaltung vom 26. Mai seien dazu nur vage Überlegungen angestellt worden, nämlich gegebenenfalls eine Tochtergesellschaft der Haßberg-Kliniken zu gründen, die als Trägerin der Kurzzeitpflege auftreten soll. Auch hier drohe ein Defizit wegen nur 30 Pflegebetten, denn jede Pflegeeinrichtung brauche zwingend eine Heimleitung und eine Pflegedienstleitung. „Das rechnet sich bei 30 Betten in Ebern nicht.“

Dazu komme, so die Aktionsgruppe, die bei der Informationsveranstaltung angesprochene Ausleihe des sehr gut qualifizierten Klinikpersonals an die Kurzzeitpflege. Wodurch sich der Fachpflegekraft-Mangel an Krankenhäusern kaum mildern ließe.

„Kritisch sehen wir auch die von den Haßberg-Kliniken geplante Verwendung des Begriffs Altersmedizin für den verbleibenden Teil des Krankenhauses Ebern. Die Aktionsgruppe befürchtet, dass das in Ebern verbleibende rein internistische Behandlungsspektrum voraussichtlich defizitär abschließen und vermutlich bald wieder eingestellt werde.

Zusammenfassend erklärt die Aktionsgruppe: Ein Aus des Krankenhauses Ebern würde dazu führen, dass rund 8000 Bürger mehr als 30 Minuten benötigen, um ein Krankenhaus zu erreichen.