Gesundheitswesen
Fallzahlen zwingen zur Aufgabe der Chirurgie
Eine Neuausrichtung soll Ebern als zweites Standbein der Haßberg-Kliniken sichern. Skeptiker glauben, dies bedeute den Anfang vom Ende.
Eine Neuausrichtung soll Ebern als zweites Standbein der Haßberg-Kliniken sichern. Skeptiker glauben, dies bedeute den Anfang vom Ende.
Foto: Eckehard Kiesewetter
Ebern – Bei einer digitalen Informationsveranstaltung unterstrichen Landrat und Klinik-Vorstand die dringende Notwendigkeit der Neuausrichtung der Kliniken.

Die Zahl der chirurgischen Eingriffe ist im Krankenhaus Ebern seit Jahren rückläufig. Im vergangenen Jahr waren es noch rund 1000, sagte Landrat Wilhelm Schneider bei der digitalen Informationsveranstaltung „Zukunftskonzept für die Gesundheitsversorgung im Landkreis – Krankenhaus Ebern“ am Mittwoch. Mit dieser „Fallzahl“ von 1000 sei es nicht möglich, die stationäre Chirurgie-Abteilung auch nur annähernd wirtschaftlich zu führen. Daher sei es an der Zeit für eine Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung im Landkreis. Seit dem Jahr 2014 wiesen die Kliniken im Landkreis ein Defizit von drei bis sechs Millionen Euro jährlich auf. „So kann es eigentlich nicht weitergehen“, meinte Schneider.

Zukunftskonzept

Um den Krankenhausstandort Ebern langfristig halten zu können, habe man ein Zukunftskonzept entwickelt. Dieses sieht vor, dass die stationäre chirurgische Abteilung komplett nach Haßfurt verlagert wird. Ausgebaut wird im Gegenzug die Abteilung für Innere Medizin, die um ein Zentrum für Alters- und Palliativmedizin ergänzt wird. Außerdem soll eine Kurzzeitpflegestation aufgebaut werden, in der ab Februar 2022 insgesamt 30 Kurzzeitpflegeplätze vorgesehen sind. Das Personal in den beiden Kliniken in Haßfurt und Ebern soll miteinander verzahnt werden. Es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben, sicherte Schneider zu.

Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann begrüßte das Konzept, das den Erhalt des Krankenhauses in Ebern sichere. Mit der geplanten Altersmedizin und der Station für Kurzzeitpflege sei man zukunftsfähig aufgestellt.

Immer höhere Verluste

Der Vorstand der Haßberg-Kliniken, Wilfried Neubauer, belegte mit Zahlen, dass ein neues Konzept vonnöten ist. Im Jahr 2019 machte die Klinik Ebern einen Verlust von 1,31 Millionen Euro. Davon entfallen 668 000 Euro auf die Chirurgie-Abteilung. Dabei seien die Fallzahlen mit rund 1700 noch höher als im vergangenen Jahr gewesen. Die Fallzahlen seien von 2016 bis 2020 kontinuierlich nach unten gegangen. Daraus resultierte ein Erlösrückgang in Höhe von rund 500 000 Euro zwischen 2016 und 2020.

17 Prozent der Operationen, wie beispielsweise Kniespiegelungen, ließen sich künftig auch ambulant durchführen, sagte Neubauer. Dies führe zu einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation.

Hoffen auf Pilotprojekt

Für eine Kurzzeitpflegestation sah Neubauer einen dringenden Bedarf, auch um pflegende Angehörige zu entlasten. Man versuche in ein Pilotprojekt des Freistaats Bayern aufgenommen zu werden. Neben dem Krankenhaus sei das MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) eine weitere Säule der Gesundheitsversorgung in Ebern. Eine Notarztversorgung werde es in Ebern auch weiterhin geben.

Eine Notfallversorgung nach 18 Uhr oder an Wochenenden und Feiertagen falle indes weg. Dies werde in Zukunft über die Bereitschaftspraxis am Krankenhaus Haßfurt abgedeckt. Wer also dann eine Platzwunde zu versorgen hat, muss dann nach Haßfurt in die Notaufnahme fahren.

Bis zu 100 Teilnehmer waren bei der Online-Informationsveranstaltung eingeloggt.

Kritische Stimmen

Nicht allen gefielen das vorgestellte Konzept. Wolfgang Zirbik fand es „schlimm, dass die medizinische Grundversorgung weggewischt“ werde. Das Krankenhaus Ebern sei künftig keine Klinik mehr, sondern nur noch eine bessere Arztpraxis, meinte er. Landrat Wilhelm Schneider erwiderte, dass man mit dem Bedarf gehen und einigermaßen wirtschaftlich bleiben müsse.

Ralf Kestel warf ein, dass sich der Landkreis Bamberg die Kliniken in Burgebrach und Scheßlitz weiterhin leistet. Schneider sagte, er habe Verantwortung für die eigenen Kliniken im Kreis und nur das Bürgerwohl im Auge. 50 Betten blieben weiterhin in der Inneren Abteilung erhalten.