Gericht
„Habe die Leitplanke nur geküsst“
Haßfurt – Strafmilderung bei einem Geständnis – das ignorierte der Angeklagte bewusst.

Selten hat ein Angeklagter am Amtsgericht die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen trotz aller Beweise so abgestritten, wie es ein 27-jähriger Arbeiter aus dem Maintal am Mittwoch tat.

Der Vorsitzende Richter Christoph Gillot hatte dem Angeklagten mehrmals ein strafmilderndes Geständnis nahegelegt, das dem jedoch nicht über die Lippen kam. 14 Anklagepunkte legte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zur Last – von Tankkartenbetrug, Diebstahl und Urkundenfälschung bis hin zu Beamtenbeleidigung und Unfallflucht. Das Schöffengericht verurteilte den sechsfach vorbelasteten Angeklagten zu einer eineinhalbjährigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Zusätzlich muss er eine Geldstrafe in Höhe von 2250 Euro zahlen. Knapp 1400 Euro soll er sich durch Tankkartenbetrug erschlichen haben. Dabei hatte er bei der Antragstellung nicht existierende Bankverbindungen angegeben, sodass die Tankrechnungen nicht abgebucht werden konnten. Diesen Betrug räumte er zumindest teilweise ein.

Den Diebstahl von zwei Fahrzeuganhängern im Wert von 1450 Euro, die auf seinem Grundstück geparkt waren, stritt er indessen ab, obwohl die Polizei die Anhänger anhand der Fahrgestellnummern eindeutig anderen Besitzern zuordnen konnte. Die Beamten fanden außerdem mehrere gestohlene Autokennzeichen auf dem Grundstück des Angeklagten.

Leitplanke „geküsst“

Eine Unfallflucht auf der Maintalautobahn bei Knetzgau redete der Angeklagte klein. Er habe lediglich die Leitplanke „geküsst“, gab er zu Protokoll, während der Vorsitzende ihn darauf hinwies, dass nach dem Unfall Teile der Karosserie noch an der Leitplanke klebten und ein Schaden von 1200 Euro entstand.

Den Vorwurf, vier Polizeibeamte nach der Durchsuchung seiner Wohnung als „Hurensöhne“ und „Arschlöcher“ betitelt zu haben, wies er ebenso von sich, wie die Drohung, einen der Beamten beim nächsten Mal in den Kopf zu schießen. Auch den letzten Anklagepunkt leugnete der Angeklagte trotz erdrückender Beweise: im Februar dieses Jahres soll er einen Geldbeutel mit 120 Euro Bargeld gestohlen haben und anschließend mit darin befindlichen Bankkarten fast 1000 Euro an zwei Bankautomaten abgehoben haben. Dabei wurden er und seine Frau von Videokameras gefilmt. Allerdings trugen beide Corona-Schutzmasken, sodass das Betrügerpaar nicht eindeutig identifiziert werden konnte.

Beim dritten Versuch in Bamberg blieb die Bankkarte im Automaten stecken, weil sie als gestohlen gemeldet worden war. Mehrfach wollte der Angeklagte seinem Zwillingsbruder die Schuld in die Schuhe geben, obwohl es den gar nicht gibt, sagte eine Polizeibeamtin im Zeugenstand. Für den sechsfach vorbestraften Angeklagten stand viel auf dem Spiel. Das Amtsgericht in Obernburg verurteilte ihn in diesem Jahr wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. Diese droht nun widerrufen zu werden. Den Knast kennt er bereits von innen, weil er Geldstrafen absaß, die er nicht bezahlen konnte.