Kirche
Pfarrerin ist entpflichtet, aber nicht entlassen
Pfarrerin Melanie von Truchseß wurde am Sonntag entpflichtet.
Pfarrerin Melanie von Truchseß wurde am Sonntag entpflichtet.
Martin Schweiger
F-Signet von Martin Schweiger Fränkischer Tag
Wetzhausen – Die Belastung wurde zu groß: Pfarrerin Melanie von Truchseß reduziert ihre Arbeitszeit um drei Viertel. Dazu fand in Wetzhausen ein spezieller Gottesdienst statt.

Die Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Friesenhausen-Wetzhausen-Altenmünster, Melanie von Truchseß, tritt aus familiären Gründen kürzer. Ihre Vollzeitstelle reduziert sich um 75 Prozent auf 25 Prozent ab dem kommenden Jahr. Am Sonntag wurde die mehrfache Mutter in der Kirche in Wetzhausen in einem Festgottesdienst entpflichtet.

Die Pfarrerin ist in ihrer Mehrfachrolle überlastet

„Ich werde entpflichtet, aber nicht entweiht oder entlassen“, betonte sie in ihrer Predigt und widersprach damit Gerüchten. „Ich bin zu gerne eure Pfarrerin, aber ich bin auch Mutter“, nannte sie den Hauptgrund für ihren dreijährigen Erziehungsurlaub. Sie sei in ihrer Mehrfachrolle überlastet gewesen. Der Schlaf habe gelitten. Der Tag sei aus dem Takt gekommen.

„Großzügige, gelassene Freude ist unsere Berufung auch in schweren Zeiten“, ermutigte die Pfarrerin ihre Gemeinde – und vielleicht auch ein wenig sich selbst.

Dekanin Anne Salzbrenner (rechts) entpflichtete am Sonntag Melanie von Truchseß.
Dekanin Anne Salzbrenner (rechts) entpflichtete am Sonntag Melanie von Truchseß.
Martin Schweiger

Dekanin Anne Salzbrenner aus Rügheim sagte, dass 25 Prozent noch zwölf Wochenarbeitsstunden für die Pfarrerin bedeuteten. Die Pfarrer Maximilian Kessler (Pfarramt Oberlauringen) und Sieghard Sapper (Pfarramt Lendershausen) vertreten Melanie von Truchseß. Einen Stillstand werde es in der Gemeinde nicht geben, versprach die Dekanin. Sie überreichte von Truchseß eine Kerze aus Bienenwachs. „So emsig und fleißig wie eine Biene bist du auch – aber es gehören auch Ruhephasen dazu“, sagte Salzbrenner.

Aidhausens Bürgermeister Dieter Möhring rief die Gemeindemitglieder dazu auf, sich einzubringen und sagte, er überreiche 100 Prozent seines Geschenkes und „nicht nur 25 Prozent“.

Die beiden Pfarrer (von links) Maximilian Kessler (Pfarramt Oberlauringen) und Gerd Sapper (Pfarramt Lendershausen) springen ein. Rechts: Dekanin Anne Salzbrenner.
Die beiden Pfarrer (von links) Maximilian Kessler (Pfarramt Oberlauringen) und Gerd Sapper (Pfarramt Lendershausen) springen ein. Rechts: Dekanin Anne Salzbrenner.
Martin Schweiger

Jaroslaw Woch, katholischer Pfarrer von Aidhausen, lernte von Truchseß vor sechs Jahren kennen. Sie sei oft so eingespannt gewesen, dass ihr Mann Ferdinand für die Familie kochen musste.

Gerhard Koch, Vorstand der Kirchengemeinde, würdigte die Pfarrerin als eine Dienerin, die „Menschen inspiriert und an Gott gebunden“ habe.

Auch bei den Kirchenrenovierungen in Aidhausen und Nassach hat sich von Truchseß eingebracht

Auch bei den Kirchenrenovierungen in Aidhausen und Nassach habe sie sich stark eingebracht. Als Dank überreichte ihr Koch einen Gutschein für einen Aufenthalt auf dem Schwanberg bei Kitzingen.

Im Gottesdienst wirkten auch Bezirkskantor Matthias Göttemann mit Chor der Kantorei sowie der Posaunenchor Friesenhausen mit.

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