Bildung
„Nun hat die Gemeinde ein Schulhäuslein“
Seit 1992 trägt  eine Straße im Pfarrort Jesserndorf den Namen Pfarrer-Korb-Straße zum Gedenken an den verdienstvollen und rührigen Priester. Ein erklärender Hinweis unter dem Namensschild würde noch verständlicher an seinen Einsatz für Pfarrdorf ...
Seit 1992 trägt eine Straße im Pfarrort Jesserndorf den Namen Pfarrer-Korb-Straße zum Gedenken an den verdienstvollen und rührigen Priester. Ein erklärender Hinweis unter dem Namensschild würde noch verständlicher an seinen Einsatz für Pfarrdorf und Filialgemeinden erinnern.
Foto: Albin Schorn
Um das Jahr 1920 grüßt  die Dorfmitte von Hofstetten : hinter dem Dorfweiher mit der damals noch kleineren St. Annakirche (rechts), dem Schulhaus mit Schulgarten (Mitte) und der Hauptstraße mit einigen Bürgerhäusern. Die Kirche wurde 1924 auf die ...
Um das Jahr 1920 grüßt die Dorfmitte von Hofstetten : hinter dem Dorfweiher mit der damals noch kleineren St. Annakirche (rechts), dem Schulhaus mit Schulgarten (Mitte) und der Hauptstraße mit einigen Bürgerhäusern. Die Kirche wurde 1924 auf die heutige Größe erweitert.
Foto: Repro Albin Schorn
F-Signet von Albin Schorn Fränkischer Tag
Jesserndorf – Vor 250 Jahren brachte ein aufgeklärter Geistlicher Schulbildung zur ländlichen Bevölkerung in Bramberg, Hofstetten und Jesserndorf

Der heutige Königsberger Gemeindeteil Hofstetten erhielt vor rund 250 Jahren ein eigenes Schulhaus. Zu verdanken hat er es dem Pfarrer Franz Wilhelm Korb, der von 1775 bis 1789 in Jesserndorf wirkte und auch Kindern in Bramberg und Jesserndorf zu geregelter Schulbildung verhalf.

„Hofstetten ist ganz katholisch – hat eine geringe Kapell durch Guttäter erbauet. Ihre Kinder aber gingen ehedessen nach Jesserndorf, auch nach Köslau, um lesen und schreiben zu lernen. Nun hat die Gemeinde ein Schulhäuslein erbauet, wozu ich den Platz, wo die Linde gestanden, zum Garten vor den Schulmeister angebauet, Bäume gesetzt, Zaun gemacht“, so Korb in seiner Pfarrbeschreibung zur Filiale Hofstetten.

Mit vielem Betteln

Korb schildert auch, wie er sich finanziell einsetzte, um einen Kaplan dorthin zu bewegen und wie er sich bei der Schulkommission einsetzen musste, um „durch langes und vieles Betteln endlich zur Erhaltung eines Schullehrers“ die Bewilligung zu erhalten.“

Die schulischen Verhältnisse in der Nachbargemeinde Bramberg findet der Seelsorger so vor: „In Bramberg war keine Schul. Sondern lehrten die Eremiten zu Vorberg (jetzt Wüstung – wohl unterhalb der Bramburg am heutigen Friedhof gelegen) die Kinder, wenn selbe zuhause waren.

Nachfolgende wo solche Eremiten wegen ihrem schlechten Aussehen weggeschafft, hatte ein damaliger Gänshirt das Lehren übernommen. …Manchmal war ein Bürschlein zum Winterschulmeister aufgestellt, der von Haus zu Haus die Kost hatte, und was die Bramberger ihn sonst mehr zulegten, war sehr wenig.“

Auch hier schaffte es der Pfarrer, mit den Bürgern ein Schulhaus zu errichten und einen „Schullehrer aufzustellen“. Das alte Schulhaus ist heute privat bewohnt (von einem ehemaligen Schulmeister) und auch die Nachfolgeschule hat längst andere Verwendung gefunden.

Abrss unter Lebensgefahr

Im Pfarrdorf Jesserndorf legte der rührige Pfarrer selbst Hand an und konnte auch einen Lehrer einstellen: „Ich riß das alte Hüttlein (die alte Schule) mit Lebensgefahr ein, brachte Zimmerleut und Mauerer bei. Im Sommer erbaute ich diese neue Schul ganz, wie sie stehet. …Der liebe Gott segnete alle meine Unternehmen, dem sei unendlicher Dank gesagt.“

Rückblickend kam Pfarrer Franz Korb bei all seinen Vorhaben und Projekten die Herausgabe der Würzburger Schulordnung in den Jahren 1774/75 zugute. Diese Schulordnung brachte die Einführung der Schulpflicht vom sechsten bis zwölften Lebensjahr, verfügte die Bildung von jeweils zwei Jahrgangsstufen, schrieb für Sommer und Winter eine tägliche Schulzeit von sechs Stunden vor, legte eine genaue Ferienordnung fest, verpflichtete die Gemeinden, kostenlos Lehrmittel bereitzustellen, schrieb den täglichen Gottesdienstbesuch vor sowie auch den Besuch der Sonntagsschule bis zum 14. Lebensjahr.

In den folgenden späteren Reformen bildete sich ein eigenständiger Lehrerstand heraus mit der Gründung eines Lehrerseminars und einer standesgemäße Besoldung der Lehrer.

Straße ehrt den Priester

Pfarrer Korb, geboren 1735 in Bischofsheim in der Rhön, hat durch sein Wirken in der Pfarrei Jesserndorf und deren Filialen Grundlagen gelegt für eine bessere Schulbildung kommender Generationen. Am 9. August 1801 verstarb der Seelsorger in Eltmann, wo er von 1762 bis 1775 als Pfarrer gewirkt hatte. Seit 1992 trägt eine Straße des Pfarrdorfes Jesserndorf den Namen Pfarrer-Korb-Straße zum Gedenken an diesen verdienstvollen und rührigen Priester.

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