Kirche
Das Hochfest auf der Höhe bei Schönbach
Seit 20 Jahren lassen katholische Christen am Feiertag Mariä Himmelfahrt in Schönbach den alten Brauch der Würzweihe aufleben
Pfarrer Otmar Pottler und Diakon Joachim Stapf (rechts) beim Einzug mit ihren Würzbüscheln zur Bergmesse.
Foto: Günther Geiling
Schönbach – Seit 20 Jahren lassen katholische Christen am Feiertag Mariä Himmelfahrt in Schönbach den alten Brauch der Würzweihe aufleben. Heuer gab es aber Probleme.

Der „Heiligländer-Blick“ vom 362 Meter hohen Hünenhügel bei Schönbach ist sicherlich einer der schönsten Ausblicke in die Haßberge und zieht immer wieder Wanderer und Naturliebhaber an. Jährlich an Mariä Himmelfahrt wird er aber seit 20 Jahren Ziel für viele Besucher, weil hier die Bergmesse mit der Weihe der Würzbüschel stattfindet und man das Hochfest Mariä Himmelfahrt in einer ganz besonderen Weise feiert. So war es auch an diesem 15. August und 250 bis 300 Besucher waren der Einladung des OGV Schönbach gefolgt.

Seit 20 Jahren lassen katholische Christen am Feiertag Mariä Himmelfahrt in Schönbach den alten Brauch der Würzweihe aufleben
Rund 250 Gäste hatten sich auf dem Hünenhügel am Festtag Maria Himmelfahrt eingefunden; im Vordergrund die Blaskapelle „Harmonie“ aus Ebelsbach.
Foto: Günther Geiling

Für den Obst- und Gartenbauverein Schönbach fielen gleich zwei Jubiläen zusammen. Einmal kann der Verein in diesem Jahr auf sein 90-jähriges Bestehen zurückblicken und seit 20 Jahren lässt man hier den alten Brauch der „Würzweihe“ aufleben. Dazu begrüßte die Vorsitzende des OGV, Ingrid Markert, auch den früheren Pfarrer Otmar Pottler mit den Worten: „Er hat den Vorschlag eingebracht, auf diesem herrlichen Fleckchen Erde in Gottes freier Natur diese Würzweihe abzuhalten und seither ist es immer an Mariä Himmelfahrt geschehen. Diese Idee ist heute ein fester Bestandteil in unserem Jahresprogramm, danke für den guten Einfall.“

Dem einfallsreichen Pfarrer Pottler wird jedes Jahr auf besondere Weise gedankt

Die Schönbacher haben dies nicht vergessen und einer dieser Kräuterbüschel wird alljährlich Pfarrer Pottler in seinem Pfarrhaus und seiner Wohnung zugestellt, auch als er nicht mehr Pfarrer von Ebelsbach/Schönbach, sondern auch Wallfahrtspfarrer von Limbach war.

Seit 20 Jahren lassen katholische Christen am Feiertag Mariä Himmelfahrt in Schönbach den alten Brauch der Würzweihe aufleben
Die Jugendlichen von Schönbach gestalteten die Feier mit ihren Texten.
Foto: Günther Geiling

Vorsitzende Ingrid Markert erinnerte daran, dass an diesem Platz auf dem Hünenhügel ein stattlicher Birnbaum als Naturdenkmal gestanden habe, der Sturm Wibke 1990 habe ihn 1990 entwurzelt. Dafür habe man im Zuge der Flurbereinigung vier Bäume als Ersatz gepflanzt sowie eine Sitzgruppe aufgestellt, während Gärtnermeister Fritz Scholl den Wegweiser „Heiligländerblick“ gestiftet habe. 2007 habe man dann zum 75. Vereinsjubiläum die Statue „Mutter Natur“ feierlich eingeweiht, die von Bildhauer Michael Scholl geschaffen worden sei.

Die Schönbacher OGV-Mitglieder haben trotz der Trockenheit Kräuter gesammelt

„In diesem Jahr ist es nach so langer Trockenheit nicht leicht gewesen, geeignete Kräuter zu finden. Aber unsere Frauen vom OGV ließen nicht locker, suchten alle möglichen Stellen nach Kräutern ab, und so konnten wir wiederum eine sehenswerte Pyramide präsentieren“, bemerkte Ingrid Markert mit sichtlichem Stolz und verwies darauf, dass man an anderen Orten die Kräuterweihe sogar abgesagt habe.

Seit 20 Jahren lassen katholische Christen am Feiertag Mariä Himmelfahrt in Schönbach den alten Brauch der Würzweihe aufleben
Die „Würzbüschel“ fanden nach dem Gottesdienst reißenden Absatz.
Foto: Günther Geiling

In seiner Festpredigt stellte Diakon Joachim Stapf den Feiertag als ein markantes Zeichen mit Blumen und Kräutersträußen heraus, „die wir heute mit in die Kirche gebracht haben, damit sie hier gesegnet werden und wir diesen Segen fast greifbar mit nach Hause nehmen. Jede Blume ist ein Sinnbild für alles, was schön, unverfälscht und unverdorben ist. Jede Blume ist aber auch ein Appell an uns, dass wir zurückkehren zu der ursprünglichen Schönheit und Unverdorbenheit. Dann dürfen auch wir in der Schöpfung Spitze sein, der Mensch, die Krone der Schöpfung.“

Diakon Stapf: Kräuter sind die Apotheke Gottes

Diakon Stapf ging auch auf die Kräuter ein, die eingebunden in einen Strauß als Zeichen für die Heilung gelten. „Man kehrt heute mehr und mehr zurück zur Natur und ihren urtümlichen Kräften. Homöopathische Mittel sind beliebt und gefragt und man spricht auch von der Apotheke Gottes, wenn man in den Kräutergarten geht.“

Seit 20 Jahren lassen katholische Christen am Feiertag Mariä Himmelfahrt in Schönbach den alten Brauch der Würzweihe aufleben
Am Rande der Veranstaltung sammelten Kindern in ihren schmucken Kostümen weitere Blumen und Kräuter.
Foto: Günther Geiling

Es gehe um die Heilung von allen möglichen Krankheiten des Leibes und hinter der Heilung in den gesegneten Kräutern suche man auch das Heil für die Seele, Geist und Gemüt. Maria sei zu einer Blüte der Menschheit geworden und sie sei der Anfang aller menschlichen Blüten im ewigen Gottesgarten, deren Aufnahme in den Himmel man mit diesem besonderen Tag begehe.

Seit 20 Jahren lassen katholische Christen am Feiertag Mariä Himmelfahrt in Schönbach den alten Brauch der Würzweihe aufleben
Schön gestaltet die Pyramide mit den Kräuterbüscheln mit der Nachbildung der Ortskapelle.
Foto: Günther Geiling

Neben dem Altar war die „Kräuterpyramide“ mit rund 300 Würzbüscheln aufgebaut. Der Altar war mit Sträußen geschmückt, die von den Frauen des Obst- und Gartenbauvereins Schönbach gebunden worden waren. In den Fürbitten kam man auch auf die Bedeutung von Kräutern wie Johanniskraut, Wermut, Pfefferminze, Schafgarbe, Kamille zu sprechen. Die herrlichen Würzbüschel fanden dann sehr schnell gegen eine Spende Abnehmer und werden nun zu Hause an einer sichtbaren Stelle präsentiert.

Gestärkt an Leib und Seele den Heimweg angetreten

Die Blaskapelle „Harmonie“ aus Ebelsbach umrahmte auch schon zum 20. Mal diese besondere Feier auf dem „Hünenhügel“, von dem man den herrlichen Blick rundum in die Landschaft genießen konnte. Der OGV Schönbach bewirtete zudem seine vielen Gäste, die dann gestärkt an Leib und Seele ihren Heimweg antreten konnten.

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