Lokalhistorie
Etwas Gutes für Gleusdorf
Hansfried Nickel beschäftigt sich schon seit 30 Jahren mit der jüdischen Geschichte und informierte auch die Kreisräte.
Hansfried Nickel beschäftigt sich schon seit 30 Jahren mit der jüdischen Geschichte und informierte auch die Kreisräte.
Foto: Günther Geiling
LKR Haßberge – Die geschichtsträchtige Synagoge wird ein Zentrum für alle – mit Lesungen und kleinen Veranstaltungen.

Gleusdorf hat eine Synagoge, die noch gut erhalten ist und in der jetzt Heimatgeschichte und die Geschichte der Juden zusammengepackt wurden. „Damit hat die Synagoge ein Alleinstellungsmerkmal“, betonte Hansfried Nickel vor den Mitgliedern des Ausschusses für Kultur, Tourismus, Sport und regionale Entwicklung in Gleusdorf, wo kürzlich das neue Zentrum eröffnet worden war.

2015 kauft die Gemeinde die Synagoge

Landrat Wilhelm Schneider bedankte sich bei Hansfried Nickel, der sich seit 30 Jahren für die Synagoge in Memmelsdorf und Gleusdorf engagiere. „Ohne Nickel würde dieses Projekt nicht so dastehen.“

Bürgermeister Helmut Dietz sagte, die jüdische Gemeinde sei 1909 aufgelöst worden. Das Objekt habe man erstmals 2014 in Augenschein genommen. Dann habe man eine Bewertung zur Bestandssicherung durchgeführt, aber der Vorbesitzer habe das erst nicht zugelassen. 2015 habe die Gemeinde die Synagoge kaufen können und der Grundgedanke sei es von Anfang gewesen, die Synagoge zu erhalten und auch einer Nutzung zuzuführen, damit sie nicht verfalle.

Außenansicht der ehemaligen Synagoge (links) und das Informationszentrum für Orts- und jüdische Geschichte (rechts).
Außenansicht der ehemaligen Synagoge (links) und das Informationszentrum für Orts- und jüdische Geschichte (rechts).
Foto: Günther Geiling

Hinter dem Konzept stehe die Geschichte der christlichen und jüdischen Gemeinde, die einst miteinander lebten. Das Projekt sei auf 595 000 Euro gekommen, für das 348 000 Euro an Fördermitteln flossen und die Gemeinde 247 000 an Eigenmitteln beisteuerte. „Aber für Gleusdorf wurde etwas Gutes geschaffen und wir haben in ein Kulturgut und Denkmal investiert, vorbildhaft in einer Zeit des Antisemitismus, aber auch zur Steigerung des Tourismus.“

Die Nutzung steht im Vordergrund

Hansfried Nickel erinnerte daran, dass Gleusdorf seit dem 11. Jahrhundert zu Kloster Banz gehörte. In der neueren Zeit waren die Juden hier sehr arm und lebten vom kleinen Handel. „Die Synagoge soll auch heute genutzt werden und zwar für die Heimatgeschichte, kleine Lesungen oder Veranstaltungen, die thematisch für das Gebäude und die Gemeinde passen.“

In Zusammenhang mit der Geschichte von jüdischen Einwohnern übernimmt der Landkreis auch eine Sammlung, die Cordula Kappner dem Landkreis hinterlassen hat. Ziel des Vorhabens ist es, sie in Kleinsteinach aufzubewahren und der Öffentlichkeit in gebotenem Umfang zugänglich zu machen.

Ein Euro: Kreistag kauft Altes Schloss von Gereuth

Der Kreistag Hassberge hat vor kurzem entschieden, das Alte Schloss von Gereuth für die symbolische Summe von einem Euro zu erwerben. Damit soll der Verfall des Denkmals verhindert werden, weil nur ein geeigneter Eigentümer an die Fördertöpfe kommt. Die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Tourismus, Sport und regionale Entwicklung konnten sich bei ihrer Tour durch den nördlichen Landkreis vor Ort ein Bild davon machen, dass diese Bestandssicherung dringend geboten ist.

Übers Dach dringt Wasser ein

Am Schloss Gereuth zeigte Landrat Wilhelm Schneider die Notwendigkeit der Bestandssicherung auf. Man habe hier eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Einmal könne man das Schloss sichern. Das sei zwar vor 25 Jahren schon einmal geschehen, „aber das Dach ist ein Schwachpunkt und das dehnt sich in der Statik auf das ganze Gebäude aus. Wenn wir nichts machen, müssen wir später für die Ersatzsicherung sorgen.“ Die zweite Möglichkeit ist eine Sicherungsmaßnahme, die für die nächsten 20 bis 30 Jahre hält, vielleicht auch mit einer Nutzungsmöglichkeit.

Die Kreisräte vor der Nordfassade des alten Schlosses in Gereuth
Die Kreisräte vor der Nordfassade des alten Schlosses in Gereuth
Foto: Günther Geiling

Die Mitglieder des Ausschusses konnten sich ein Bild vom Zustand des Schlosses machen, das mit 65 Metern Länge und 11,5 Metern Breite ein bedeutender Baukörper mitten in Gereuth ist. Durch das kaputte Dach dringt Wasser ein und man sieht alte Sicherungsmaßnahmen, welche die Außenwände zusammenhalten. Nach einer ersten Kostenschätzung kommt eine solche Bestandssicherung auf rund eine Million Euro.

Tourismus: eine gemeinsame Plattform

Im Pfarrsaal von Pfarrweisach rückte der Tourismus in den Mittelpunkt der Beratungen. Michael Brehm, Leiter der Stabsstelle Regionalförderung, verwies darauf, dass seit dem Jahre 2009 zwischen dem Landkreis und den Gemeinden eine „Arbeitsgemeinschaft Landkreistourismus“ bestehe. Die verantwortlichen Gremien hätten sich aber nun bereiterklärt, die kommunale Einrichtung „Landkreistourismus Hassberge als gemeinsame, verwaltungsinterne Informations- und Arbeitsplattform im Landratsamt Haßfurt einzurichten und zu betreiben“. Um keine Doppelstrukturen zu schaffen und „doppeltes Know-how“ aufzubauen, führe der Landkreis zwar die Geschäfte, übertrage das operative Geschäft aber dem „Haßberge Tourismus e.V.“.

Auf Natur und Kultur ausgerichtet

Susanne Volkheimer, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Haßberge, gab dann einen Bericht von der Arge Landkreistourismus, ausgehend von einem Marketingkonzept, Förderprojekten und der strategischen Ausrichtung auf Natur und Kultur. Dabei stellte sie auch die wirtschaftlichen Effekte durch Übernachtungsgäste für Umsätze in Gastronomie, Einzelhandel und bei Dienstleistern heraus.

An Sonderprojekten nannte sie das „Tourenportal“, das man auf der Internetseite einsehen könne. Der Radtourismus habe extrem zugenommen, und dem dienten auch Nischenprodukte wie neue Radtouren. Aber auch die Freizeitbusse erwähnte sie, die noch unter der Corona-Krise zu leiden hätten. Außerdem gebe es weitere Projekte, bei denen man für Qualität auf hohem Niveau sensibilisiere.

Mehrere Millionen Euro an Förderung

Karin Gadamer verwies auf Leader, ein seit Jahrzehnten bewährtes Förderinstrument, das auch für die neue EU-Förderperiode 2023 bis 2027 geplant sei. Der Landkreis konnte für den Förderzeitraum 2000 bis 2006 für Projekte wie Radwegekonzept, IT-Zentrum an der Berufsschule usw. insgesamt 600 000 Euro an Fördermitteln für sich verbuchen. In der darauffolgenden Periode 2007 bis 2013 wurde eine Fördersumme von etwa 1,7 Millionen Euro (Burgenwinkel, Hexenturm Zeil) und von 2014 bis 2022 für 40 Einzel- und Kooperationsprojekte eine Summe von rund 2,5 Millionen Euro für die Region eingesammelt. Die Investitionssumme für diese Projekte liege bei knapp 4,5 Millionen Euro.

Veronika Jägler und Susanne Volkheimer stellten dann das Kooperationsprojekt „thematische Rad- und E-Radtouren von den Haßbergen bis in den Steigerwald“ vor, das Touren zwischen 20 und 50 Kilometer beinhalten soll.

Schließlich stellte sich als neue Kultur- und Bildungskoordinatorin Katharina Eckstein vor, die Geschichte, Kulturgutsicherung und Europäische Ethnologie studiert hat, nun die Nachfolge von Renate Ortloff antritt und damit auch das Kunststück und den Kunstpreis weiterführen wird.

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