Erziehung
Was ein Förderzentrum heute leistet
Domkapitular Clemens Bieber, Provinzialvikar Christian Vahlhaus und Bischof Dr. Franz Jung (von links) testen eine elektronische Tafel in der Dominikus-Savio-Schule.
Domkapitular Clemens Bieber, Provinzialvikar Christian Vahlhaus und Bischof Dr. Franz Jung (von links) testen eine elektronische Tafel in der Dominikus-Savio-Schule.
Foto: Martin Schweiger
Pfaffendorf – Kirchliche Würdenträger in Pfaffendorf: Bischof, Domkapitular und Provinzialvikar schauten sich in der Dominikus-Savio-Schule um.

Als „Bubenresidenz“ wurde die Jugendhilfeeinrichtung der Don-Bosco-Salesianer noch in den 1970er Jahren von der einheimischen Bevölkerung betitelt. Doch mittlerweile ist die im Jahr 1954 gegründete Einrichtung freilich viel mehr als das. 11,25 Millionen Euro flossen in die Sanierung der Dominikus-Savio-Schule, einen Teilbereich der Einrichtung. Im Oktober dieses Jahres wurde die moderne Förderschule nach über drei Jahren Bauzeit wiedereröffnet. Grund genug für Bischof Franz Jung, Domkapitular Clemens Bieber und den Provinzialvikar der Salesianer Don Bosco Christian Vahlhaus der Einrichtung am Mittwoch einen Besuch abzustatten.

Gesamtleiter Marcel Pelikan referiert gestenreich. Provinzialvikar Christian Vahlhaus und Bischof Franz Jung (von links) hören aufmerksam zu.
Gesamtleiter Marcel Pelikan referiert gestenreich. Provinzialvikar Christian Vahlhaus und Bischof Franz Jung (von links) hören aufmerksam zu.
Foto: Martin Schweiger

Gesamtleiter Marcel Pelikan informierte, dass derzeit 33 Kinder an der Schule unterrichtet werden. An zwei Standorten in Pfaffendorf und Ebern werden Kinder vom Vorschulalter bis zur neunten Jahrgangsstufe unterrichtet. In Pfaffendorf werden Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis neun unterrichtet. Pro Schuljahr besuchen rund 70 bis 80 Kinder und Jugendliche die Schule. Inzwischen würden auch Kinder ab dem dritten Lebensjahr auf die Schule vorbereitet.

Kleinere Klassen

Der Lehrplan unterscheide sich nicht von dem der normalen Mittelschule. Allerdings würden die Schülerinnen und Schüler in kleineren Klassen bis zu 13 Kindern unterrichtet. Der Spielplatz auf dem Schulgelände sei frei zugänglich. Bisher habe es keine Zwischenfälle zwischen Heimkindern und Kindern aus dem Ort gegeben, sagte Pelikan.

Früher seien Kinder mit einem Intelligenzquotienten von unter 80 durch das Schulamt automatisch in die Förderschule geschickt worden. Dies habe sich geändert. Heute hätten die Eltern die freie Wahl, welche Schule ihr Kind besuchen soll. In der Förderschule Pfaffendorf könne der qualifizierende Mittelschulabschluss erworben werden. Schülerinnen und Schüler würden in ihren individuellen Fähigkeiten gefördert, „damit das Leben gelingt“ – Leitsatz der Lehre Don Boscos. 45 Heimplätze bietet die Einrichtung für Buben im Alter von sechs bis 17 Jahren. Viele Kinder stammten aus Problemfamilien, in denen die Eltern intellektuell überfordert seien oder wenig Interesse an der Kindererziehung hätten. Die Lehrkräfte würden durch die Regierung von Unterfranken zugewiesen. Teilweise seien auch Gymnasiallehrerinnen und -lehrer darunter, die eine Umschulung zum Förderlehrer mitgemacht hätten. Im „Back-to-school“-Projekt würden Schulverweigerer unterrichtet – und dies zum Teil sehr erfolgreich, sagte Pelikan.

Der Back-to-school-Bereich wurde künstlerisch gestaltet.
Der Back-to-school-Bereich wurde künstlerisch gestaltet.
Foto: Martin Schweiger

Das bevorstehende Weihnachtsfest würden einige Heimkinder nicht bei ihren Familien feiern. Vier von ihnen blieben in Pfaffendorf und würden betreut. Im vergangenen Jahr seien es jedoch noch viel mehr gewesen, sagte Pelikan.

Die Heimkinder würden zur Selbstständigkeit erzogen und müssten beispielsweise ihre Wäsche selbst waschen. Sie seien in vielen Dingen fitter als Kinder, die bei ihren Eltern aufwachsen.

Die Lücke, die vor einigen Jahren entstanden ist, weil Ordensbrüder das Schloss Pfaffendorf verlassen haben, schließt seit kurzem der Erzieher und Pastoralbeauftragte David Schweiger – zumindest teilweise. Er hält Andachten und ist auch seelsorgerisch tätig.

Nach einem Rundgang und einem Mittagessen endete der Besuch des Bischofs und seiner Begleiter.