Dokumentation
Wichtiger Erinnerungs- und besonderer Lernort
Die Gäste bei der Eröffnung des Lernortes Synagoge Gleusdorf; vorne in der Mitte des Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster.
Die Gäste bei der Eröffnung des Lernortes Synagoge Gleusdorf; vorne in der Mitte des Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster.
Foto: Helmut Will
Gleusdorf – Die ehemalige Synagoge in Gleusdorf wurde als Informationszentrum zur jüdischen Geschichte und Kultur in Franken eröffnet.

„Ein großer Tag für Gleusdorf“, so der Gleusdorfer Ortssprecher Norbert Lohneiß, der sich wie viele andere Bürger erfreut zeigte, dass die Synagoge in der kleinen Ortschaft im Itzgrund am Sonntag offiziell eröffnet wurde. Die Synagoge wird zu einem Lernort. Erstmals hatte sich der Gemeinderat Untermerzbach im Dezember 2015 mit dem Thema Synagoge Gleusdorf beschäftigt. Jetzt findet man in der Synagoge viele Spuren dörflich-fränkischer jüdischer Kultur.

Zur Eröffnungsveranstaltung kamen Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung. Die beiden Ehrengäste trugen sich in das Goldene Buch der Gemeinde Untermerzbach ein. Personen, denen für ihr Engagement für das Projekt besonders gedankt wurde, waren Edgar Maier, ehemaliger Geschäftsleiter der Gemeinde Untermerzbach, Architektin Renate Schubart-Eisenhardt, Ortssprecher Norbert Lohneiß und Hansfried Nickel, ein Kenner des Judentums.

„Über 100 Jahre stand die Synagoge in Gleusdorf, eine der kleinsten Synagogen unserer Region und vielleicht in Bayern, als ehemalige Glaubensstätte leer“, sagte Bürgermeister Helmut Dietz. Sie war 857 erbaut und 1910 nach Auflösung der jüdischen Gemeinde an den Maurermeister Heinrich Dietz aus Memmelsdorf verkauft worden. „Glücklicherweise kam es nicht zum Abbruch. Mein Urgroßvater hat das Gebäude zurückverkauft“, sagte der Bürgermeister.

2014 wurde die Synagoge nach einer Bewertung durch den ehemaligen Kreisheimatpfleger Günter Lipp und die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Haßberge aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt. 2015 übernahm die Gemeinde Untermerzbach das Projekt „Lernort“. Nach langen Überlegungen kam man damals zum Schluss, dass sich der Lernort mit der Summe von 430 000 Euro realisieren lässt.

Laut Dietz ist noch nicht alles abgerechnet, aber man werde wohl bei einer Summe von 595 000 Euro ankommen. Für die Gemeinde verbleiben nach seinen Angaben Eigenmittel in Höhe von 247 000 Euro. Laut Dietz „ein geringer finanzieller Aufwand für die Wertschöpfung in unserer Gemeinde“.

Landrat Wilhelm Schneider betonte, dass das Informationszentrum Synagoge Gleusdorf ein wichtiger Erinnerungsort und ein besonderer Lernort sei. Das Projekt bringe Zielgruppen zusammen und sei eine große Bereicherung für den gesamten Landkreis.

Hansfried Nickel blickte auf die jüdische Geschichte im fränkischen Raum. Er lobte die Kunsthistorikerin Adelheid Waschka, die mit den Gleusdorfern viele Fakten zusammengetragen habe.

Josef Schuster sagte, dass das fränkische Judentum am Ort der Synagoge aufleben werde. Juden seien unzweifelhaft im ländlichen fränkischen Leben integriert gewesen. Er brachte sein Bedauern über den teilweise vorhandenen Judenhass zum Ausdruck. „Aber heute haben wir hier ein freudiges Ereignis zu feiern“, so der Vorsitzende des Zentralrats der Juden. Er sprach seine Anerkennung der Gemeinde Untermerzbach für ihre Bemühungen zum Ausdruck, dieses Projekt zu verwirklichen.

Ludwig Spaenle brachte seinen Unmut über den Antisemitismus zum Ausdruck. Er sagte mit Blick auf Gleusdorf: „Hier wurde ein reiches Erbe geschaffen und es besteht die Gelegenheit, dem Judenhass zu begegnen. Gleusdorf ist eine kleine Ortschaft, aber es wurde Großes geschaffen.“

Vom Landesamt für Denkmalpflege sprachen Christian Schmidt und Hans Christof Haas. Sie wiesen darauf hin, dass in der Synagoge Spuren der Nutzung vorhanden seien. Viele Spuren wurden belassen und sollen die Besucher wie Losten durch die Geschichte des fränkischen Judentums führen.

Musikalisch wurde die Feierstunde von Peter Rosenberg, Konzertmeister und Violinist, mitgestaltet. Er ist von einigen Auftritten in der nahen Synagoge Memmelsdorf bekannt.

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