Sternenkinder
Licht im finsteren Tal der Trauer
Die Frauen und Männer der Arbeitsgruppe „Sternenkinder“ zusammen mi Pfarrerin Sarah Schimmel und Diakon Joachim Stapf (von rechts): Sie stehen vereint um den Altar mit den leuchtenden Kerzen für die verstorbenen Kinder.
Die Frauen und Männer der Arbeitsgruppe „Sternenkinder“ zusammen mi Pfarrerin Sarah Schimmel und Diakon Joachim Stapf (von rechts): Sie stehen vereint um den Altar mit den leuchtenden Kerzen für die verstorbenen Kinder.
Foto: Günther Geiling
Limbach – In der Limbacher Dorfkirche fand eine Gedenkfeier für Eltern statt, die ein Kind verloren haben.

Am Sonntag wurde das weltweite Kerzenleuchten gefeiert. Das „Worldwide Candle Lighting“ gilt als Gedenktag für verstorbene Kinder. Das Kerzenlicht soll dafür stehen, dass die verstorbenen Kinder das Leben erhellt haben und sie nicht vergessen sind.

Aus diesem Anlass fand erstmals im Landkreis Haßberge eine Gedenkfeier für Sternenkinder und verwaiste Eltern in der Dorfkirche von Limbach statt. Dazu hatten die Malteser im Landkreis Haßberge eingeladen. Die 50 Besucher erlebten eine eindrucksvolle Feier. Die Malteser kümmern sich auch um die Hospizarbeit im Kreis Haßberge.

„Zerbrochene Herzen“

„Gott ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind“, erklärte Diakon Joachim Stapf vor Eltern, Großeltern und Geschwisterkindern, die schweren Herzens hierher gekommen seien. „Sie suchen nach Trost und Halt in der Trauer um ihr Kind, ihr Enkelkind, um Bruder und Schwester. Sie wagen es, ihre Trauer und Verzweiflung sichtbar zu zeigen und mit anderen auszuhalten“, sagte Stapf.

Pfarrerin Sarah Schimmel fand es gut, dass die Trauernden gekommen sind, um sich an Gott zu wenden. „Vielleicht fühlen Sie sich von ihm enttäuscht, ahnen aber, dass Gott Ihren Schmerz kennt, weil auch sein eigener Sohn starb, weil er bis in Ihr Herz sieht, tiefer als es Menschen können.“

Der Glaube als Stütze

Gott könne die Trauer zwar nicht einfach wegnehmen, aber doch verändern. „Sein Sohn selbst ist gestorben. Gott hat ihn auferweckt, und seither erscheint der Tod in einem anderen Licht“. Dies bringe man in der brennenden Osterkerze zum Ausdruck. Sie sei das Zeichen für den auferstandenen Christus, der in der Mitte der Menschen sei, sagte sie.

Um diese Osterkerze legten Teilnehmer des Gottesdienstes die Lichtstrahlen und nannten die Namen der Kinder, deren sie in dieser Feier gedachten. Es waren immerhin über 20 Töchter oder Söhne. Dabei hörten sie den Text „Recht auf Trauer“, in dem zum Ausdruck kam: „Dieses Recht der Trauer kann Ihnen niemand nehmen, kein Mensch und keine Macht der Welt.“

Lesen Sie auch:

Jeder Mensch trauert anders, aber die unterschiedlichen Phasen und Gefühle, die die Betroffenen durchleben, suchen nach Ausdrucksformen. Mitglieder einer Arbeitsgruppe hatten sich hierzu Stationen ausgedacht, von denen man sich ansprechen lassen konnte. Die erste Station trug den Namen „Klagemauer – Briefe an Gott“ und Pfarrerin Sarah Schimmel führte hin mit den Worten: „Wir Menschen brauchen einen Ort, an dem wir uns aussprechen können, an dem wir das loswerden können, was uns innerlich bewegt und belastet. Für Juden ist dieser Ort die Klagemauer in Jerusalem.“

Die Klagemauer von Limbach

Auch in Limbach war so eine Klagemauer errichtet. Betroffene konnten Zettel in die symbolische Mauer stecken – so wie es die Juden an der Klagemauer in Jerusalem tun. An der zweiten Station war es möglich, einen Brief an das verstorbene Kind zu schreiben.

„Vielleicht hätten Sie Ihrem Kind gerne noch etwas gesagt, aber der Tod hat es Ihnen verwehrt. Hier besteht die Möglichkeit, einen Brief zu schreiben und darin all das auszudrücken, was Sie ihm gerne selbst gesagt hätten. Im Anschluss an den Gottesdienst können Sie diese Briefe vor der Kirche verbrennen und so Ihre Worte Gottes heilendem Wirken anvertrauen“, hieß es dazu.

„Belastendes Abwaschen“ nannte sich die dritte Station, denn nach dem Tod eines Kindes sucht man häufig nach der Ursache und der Schuld – oft bei sich selbst. Gott will aber die Lasten nehmen.

Schließlich konnten die Teilnehmer bei der vierten den Segen oder eventuell eine Salbung erfahren, „denn wer Leid erfährt, spürt oft wenig von Gottes Segen und sehnt sich zugleich nach einem Zeichen seiner Nähe“, sagte die Pfarrerin weiter.

Ein Recht auf Leben und Trauer

Während des Ganges durch die Stationen ertönte Instrumentalmusik. Für die Kinder wurden wieder Kerzen vor dem Altar und um die Osterkerze aufgestellt, und man hörte den Text „Recht auf Leben“. Pfarrerin Sarah Schimmel erklärte: „Egal wie tragisch oder gewöhnlich der Tod Ihres Kindes war, Sie haben ein Recht auf Leben und dürfen lachen, wenn Ihnen danach ist. Sie haben Recht auf Leben und dieses Recht kann Ihnen niemand absprechen.“

Lesen Sie hier:

In weiteren Worten wurde deutlich, dass der Tod von Kindern die Hinterbliebenen in tiefe Trauer stürzt, Lebenskraft und Lebensfreude nimmt, ja sogar den Lebenssinn rauben kann. Deswegen baten die Teilnehmer in Fürbitten wieder um Lebensmut und Begleitung durch das finstere Tal der Trauer, um Aufrichtung und den weiteren Weg in ein erfülltes Leben.

Dazu wurden Texte vorgetragen mit dem Segenswort: „Trost Gottes sei in dir wie ein Licht, besonders an Tagen, an denen es nicht hell in dir werden will. Der Trost Gottes trage dich, wenn du glauben kannst oder nicht.“

Ein lebenslanger Prozess

Die Teilnehmer waren beeindruckt von der Feier an diesem Nachmittag unter Gleichgesinnten und Betroffenen. Sie nutzten die Begegnung zum persönlichen Gespräch.

Die Malteser boten dazu ihre Hilfe und Unterstützung an, denn Trauer sei kein Zustand des Augenblicks, sondern ein lebenslanger Prozess.