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Das schönste Geschenk: Zeit
F-Signet von Wolfgang Aull Fränkischer Tag
LKR Haßberge – Unbeschwert ist anders. Noch wird an der Gabe für die Liebsten nicht so viel gespart.

Weihnachten ist da. Der Handel wird jetzt schauen, ob sich der Traum von den klingenden Kassen in der Adventszeit erfüllt hat. Doch Preissteigerungen und die Sorge um Energieknappheit haben sicherlich auch manche Bürger vor einem unbeschwerten Einkauf abgehalten. Wie die Menschen im Landkreis Haßberge die Krisenzeit erleben.

Siza Zaby
Siza Zaby
Wolfgang Aull

Siza Zaby, 61, Eltmann

Für die Integrationsbeauftragte im Landratsamt Haßberge ist ihre Arbeit ihr Hobby und Weihnachten ein Höhepunkt des Jahres. Da wird viel ausgegeben, großzügig verschenkt. Die gestiegenen Energiekosten, sagt sie, kann sie noch wegstecken, ihre Lebensweise erlaube es, bei Sonderausgaben wie Weihnachtsgeschenken keinen Rotstift ansetzen zu müssen. Präsente wähle sie mit viel Bedacht aus: Kinder und Enkelkinder erhalten nur Dinge, von denen die Mama und Oma weiß, dass sie sich darüber aufrichtig freuen. Und der Gabentisch umfasst ein fulminantes gemeinsames Weihnachtsessen, selbst hergestellt, nur mit besten Zutaten, gekauft in der Region von Verkäufern ihres Vertrauens. Internetbestellungen sind dabei für Siza Zaby ein Tabu!

Birgit Seufert
Birgit Seufert
Wolfgang Aull

Birgit Seufert, 59, Ebern

Sie sieht keinen direkten Zusammenhang zwischen den Kosten eines Geschenkes und der Freude, die es bereiten kann. „Ich als Kind bekam eine Puppe, ein paar Plätzchen und war damit hoch zufrieden.“ In diesem Sinne erzog sie auch ihre Kinder. Die Tradition setze sich bei den Enkelkindern fort. Ihrem Budget setzt die Kostenentwicklung heftig zu, insbesondere die Rechnung für das Heizöl, meint sie, sei nicht leicht wegzustecken, doch das nehme keinen Einfluss auf die Weihnachtsfeier. Die Wohnung werde wie jedes Jahr über und über dekoriert, jeder Raum wird weihnachtlich geschmückt, das bereite ihr und ihrer Familie schon sehr viel Freude. Und sie backt gemeinsam mit dem Nachwuchs Plätzchen. Hier offenbart sich ihre Überzeugung, die sie als das höchste Gut bezeichnet: „Ich schenke Zeit!“

Petra Stiller
Petra Stiller
Wolfgang Aull

Petra Stiller, 52, wohnt in Hofstetten

Stiller ist stolze Großmutter von vier Enkelkindern, acht, sechs, vier und zwei Jahre alt. Sie spare, sagt sie, wo sie kann, auch bei den Weihnachtsgeschenken. Alles wird teurer, die zu erwartenden Steigerungen bei den Nebenkosten bereiten ihr Sorgen. Man wisse ja noch nicht, was auf einen zukomme. Sie setzt auf Gutscheine: Jedes Enkelkind erhält einen. Und zwar für jeweils einen Ausflug. Der Nachwuchs darf aussuchen, wohin die Reise geht, dann ist sie sich zumindest sicher, dass das Geschenk gut ankommt. Auch, wenn sie ihre eigenen Vorstellungen eines gelungenen Ausflugs zugunsten des Beschenkten hinten an stellt, so freut sie sich doch, wenn ihr Hund dabei sein kann. Wandern macht glücklich und ist nicht teuer.

Rainer Schmitt überlegt sich schon genau, was er schenkt. Eine kräftige Portion Pragmatismus ist dabei im Spiel.
Rainer Schmitt überlegt sich schon genau, was er schenkt. Eine kräftige Portion Pragmatismus ist dabei im Spiel.
Wolfgang Aull

Rainer Schmitt, 53, Knetzgau

Geschenkt wird innerhalb der Familie, und sechs kleine Kinder bekommen von ihm Gaben, sagt Schmitt. Nein, Sparen an Weihnachtsgeschenken wegen des Inflationsgeschehens, das kommt für ihn nicht in Betracht. Rainer Schmitt schenkt nicht mehr und nicht weniger als früher. Wichtig ist ihm, sich im Vorfeld zu erkunden, worüber sich die Kleinen tatsächlich freuen. Bei der Auswahl für die Erwachsenen entscheidet sich Schmitt gerne für pragmatische Präsente: So liegen Tankgutscheine unter dem Christbaum, auch Zigaretten, allerdings mit Bedacht ausgesucht, jeder bekommt seine Lieblingsmarke in das Geschenkpapier gewickelt, da passt er auch beim Wein auf. Was er anbietet? Einen tollen Hecht für das Abendmahl. Rainer Schmitt ist nämlich ein professioneller Angler, der Main sein Revier, Hecht und Zander entlockt er zeitgerecht mit Kunstköder und Geschick dem Fluss.

Tim Weingärtner
Tim Weingärtner
Wolfgang Aull

Tim Weingärtner, 25, Untertheres

Weingärtner ist in seinem Wohnort vor allem auch durch den Fußball verwurzelt. Die Familie ist ihm sehr wichtig, erklärt er. Sparen bei den Weihnachtsgeschenken wegen Inflation und Energiekosten? Da schüttelt der Berufssoldat, der in Volkach stationiert ist, den Kopf, kommt überhaupt nicht in Frage. Seitdem er sein eigenes Geld verdiene, meint er, könne er sich beim Verschenken eine gewisse Großzügigkeit leisten. Er schaue nicht auf den Preis, das Geschenk müsse passen. In der Familie ist im Übrigen Wichteln angesagt im Kreis von Vater, Mutter und Bruder. Das sei schon immer so gewesen, und an dieser Tradition werde festgehalten.

Wilhelm Wolpert
Wilhelm Wolpert
Wolfgang Aull

Wilhelm Wolpert 86, Haßfurt

In seinem Büchlein „Heuer schenk mer uns ämal nix!“ hat der Mundartdichter schon viel Amüsantes festgehalten. Wolpert kann auch ernst sein: Er hält sich, auch wegen der aktuellen, aus seiner Sicht herbeigeredeten, Preissteigerungen mit dem Geschenkekauf sehr zurückhaltend; „ja, es ärgert mich, dass manche Leute auf den Zug aufspringen und ihre Produkte ohne Not teurer machen“. An diesem Spiel wolle er nicht teilnehmen. Bei den Enkeln spricht er sich mit den Eltern ab, denn er findet es nicht gut, „wenn die Kinder in den Spielsachen ersaufen“. Geschenke unter Erwachsenen? Ach, sagt Wolpert, ab 50 braucht man nichts mehr! Oder, wenn überhaupt, dann nur Praktisches wie ein guter fränkischer Bocksbeutel oder ein gemeinsamer Ausflug, auch das sei ein wertvolles Geschenk.

Nadja Langguth
Nadja Langguth
Wolfgang Aull

Nadja Langguth, 44, Eschenau

Langguth besorgt die politische Großwetterlage, die Preisentwicklung und die Sorge um die eigene Existenz. Die medizinische Fachangestellte hat das Schenken zurückgefahren, konzentriert es auf die Familie. Ihre Gaben sind ganz praktische: die Eltern bekommen ein Zeitungsabonnement, die Nichten Gutscheine für Tagesausflüge. Mädelsausflüge sind eh zeitgemäßer als das Drehen an der Konsumschraube. Freundin Heike pflichtet dem bei: Der gemeinsamer Tag unter Freundinnen lässt sich nicht mit Gold aufwiegen.

Angelika Nass
Angelika Nass
Wolfgang Aull

Angelika Nass, 55, Prappach, „Ich schaue schon auf das Geld“, sagt Nass, mit Konsequenzen: Früher war der Einkaufswagen bei 100 Euro prall gefüllt, heute reiche es noch für eine Einkaufstasche. Die versteckte Preiserhöhung, weniger Inhalt für gleiches Geld, das ist ein beachtenswertes Ärgernis. Doch die Altenpflegerin sieht hierdurch die Weihnachtsromantik nicht getrübt: „Zeit, Liebe und Geborgenheit“, sagt sie, mache das Weihnachtsfest aus, „das gibt es nicht bei Amazon“. Ihr Höhepunkt: Wenn alle vor dem geschmückten Weihnachtsbaum stehen, Lieder singen und Gedichte vorlesen. Geld ausgeben habe mit Glück nichts zu tun, meint sie, insbesondere wenn man ohnehin schon alles hat. Sie mahnt zu Bescheidenheit „Die Menschen müssen zufrieden sein.“

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