KOMMENTAR
Ein auslaufendes Modell
Redakteur Eckehard Kiesewetter über den Eberner Stadtpfarrer Pater Rudolf Theiler.
Redakteur Eckehard Kiesewetter über den Eberner Stadtpfarrer Pater Rudolf Theiler.
Foto: Fränkischer Tag
Eckehard Kiesewetter von Eckehard Kiesewetter Fränkischer Tag
Ebern – Beliebter Geistlicher leistete innovative Gemeindearbeit. Doch was will die Kirche?

Menschlich muss die Entlassung Rudolf Theilers berühren. Klar, und unbestritten geben die Oberen im Bistumshaus in Würzburg in diesem Fall nicht gerade ein Glanzvorstellung ab.

Man muss aber auch anerkennen, dass Theiler die 70 überschritten hat, dass er gesundheitlich angeschlagen ist und sich das Ende seiner Amtszeit in Ebern ohnehin angebahnt hätte.

Immer an vorderster Front

Mit ihm wird die katholische Gemeinde einen beliebten Geistlichen verlieren. Einen, der sich selbst während der Pandemie nicht gedrückt hat, sondern innovativ Gemeindearbeit per Videoübertragungen betrieben hat. Sie verliert einen hochtalentierten Prediger und einen Ortspfarrer, mit dem man sich auch am Stammtisch zusammensetzen kann.

Vom alten Schlag

Aber mal ehrlich: Der Karmelit ist eben auch ein Pfarrer vom alten Schlag. Mitunter polternd, unnachgiebig und stur seinem Kirchturm, respektive den drei Kirchtürmen in der Pfarreiengemeinschaft verbunden.

Die neue „Pastoral der Zukunft“, mit der die krisengeschüttelte Kirche das Gemeindeleben und die Seelsorge für die Zukunft sichern will, geht er nur murrend mit.

So entledigt sich das Bistum eines Priesters, der nicht mehr so recht ins System passt. Sie nimmt in Kauf, dass der Streit um Theilers Ruhestandsversetzung negative Schlagzeilen erzeugt. Einer ohnehin irritierten Glaubensgemeinschaft und dem Ruf der Kirche können derartige Debatten nicht grade zuträglich seien.

Dabei sieht die Kirche ihr Heil gerade darin, Gemeinschaft neu zu definieren; sie will Strukturen schaffen, die weit mehr als bisher auf das Miteinander der Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen und eine breit gefächerte Aufgabenverteilung in den Gemeinden setzen.

Die Amtszentrierung auf die Autorität, den Pfarrer vor Ort, soll im Zuge dieses Reformprozesses weichen, hin zu einer Kirche, die Verantwortung neu verteilt und demokratische Beziehungen entwickelt. In neuen pastoralen Räumen soll sich Gemeinde als Team erfahren.

Auf diesem Weg hat es die Kirche schwer, nicht zuletzt wegen interner Zerwürfnisse, wie hier zelebriert. 

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