Beratung
Pandemie als Problembeschleuniger
Vor-Ort-Termine bei der Ehe- und Familienberatung in St. Bruno in Haßfurt sind auch unter Corona-Auflagen gut möglich, allerdings hat das Haus ein Bewegungskonzept aufgestellt. Deshalb holen die beiden Beraterinnen Christiane Wagner-Schmid (links) und Sylvia Amthor ihre Klienten jetzt an der Pforte in der Fuchsengasse ab und begleiten sie zum Beratungsraum.
Vor-Ort-Termine bei der Ehe- und Familienberatung in St. Bruno in Haßfurt sind auch unter Corona-Auflagen gut möglich, allerdings hat das Haus ein Bewegungskonzept aufgestellt. Deshalb holen die beiden Beraterinnen Christiane Wagner-Schmid (links) und Sylvia Amthor ihre Klienten jetzt an der Pforte in der Fuchsengasse ab und begleiten sie zum Beratungsraum.
Foto: Sabine Weinbeer
Haßfurt – Im Lockdown war die Belastung für Familien und Paare hoch. Aber es gibt eine Möglichkeit, da herauszukommen.

In vielen Beziehungen sind seit Beginn der Corona-Pandemie schwelende oder neue Konflikte aufgebrochen. Bei deren Bewältigung kann die Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen der Diözese Würzburg mit ihrer Außenstelle in Haßfurt helfen. Zwar sei der Zulauf in der Corona-Zeit nicht massiv größer gewesen, doch die Beratungsintensität sei deutlich höher, berichtete Diplom-Pädagogin Christiane Wagner-Schmid bei der Jahrespressekonferenz mit Blick auf das Beratungsjahr 2020. Die Beratungssituation selbst sei natürlich unter Corona-Auflagen schwieriger, Gruppenangebote gar nicht möglich gewesen, manche Menschen hätten wohl auch die Kontaktaufnahme gerade in dieser Zeit gescheut. „Sie kommen erst jetzt“, beobachten Wagner-Schmid und ihre Kollegin Sylvia Amthor.

Sie sind aber froh, dass die meiste Zeit über zumindest Eins-zu-eins-Beratungen möglich waren. „Und wir haben auch neue Angebote ausprobiert, die wir auch beibehalten werden. Für Paare mit kleinen Kindern ist es sehr praktisch, am Abend eine Online-Beratung wahrzunehmen, wenn die Kinder im Bett sind“, sagt Christiane Wagner-Schmid. Trotzdem steht für beide Pädagoginnen der direkte Kontakt mit ihren Klienten im Vordergrund.

Die Statistik

223 Klienten (60 Prozent weiblich, 40 Prozent männlich) wandten sich an die Beratungsstelle. Das sind zwar 40 Prozent weniger als in Nicht-Corona-Zeiten, aber die Beratungen sind sehr viel zeitintensiver. 571 Beratungsstunden fanden statt, davon etwa 20 Prozent als Telefon- oder Videoberatung. 70 Prozent der Ratsuchenden sind zwischen 30 und 60 Jahre alt.

Vor allem Paarprobleme hätten in Corona-Zeiten eine neue Dynamik bekommen. Im Lockdown verschärften sich „normale Probleme“, die Frustrationstoleranz sinke, in zwei Fällen habe sie sogar erlebt, dass ein Partner urplötzlich ausgezogen ist, erzählt Sylvia Amthor. Das müsse noch nicht das Ende der Beziehung bedeuten, aber die ungewohnte Nähe, Konfliktpotenzial durch Homeoffice und/oder Homeschooling führe viele Familien an ihre Grenzen.

„Viele Familien gingen mit dem Lockdown erstmal in den Funktionsmodus, versuchten die neue Situation schlichtweg auszuhalten, doch bei vielen ging es irgendwann nicht mehr“, so Christiane Wagner-Schmid. Alleinstehende hingegen seien noch mehr abgekoppelt gewesen. „Dazu kommt, dass bei vielen Familien der Minijob wegbrach, der das geringe Familieneinkommen aufbesserte. Damit verstärkten sich die finanziellen Sorgen“, sagt Wagner-Schmid. Junge Paare, die in dieser Zeit ihr Kind bekamen, fühlten sich ebenfalls alleine gelassen, der Kontakt zu Großeltern eingeschränkt, Treffen mit anderen jungen Eltern nicht erlaubt. Ebenso sei die Trauerbewältigung erschwert gewesen. „Die Pandemie hat für Beziehungsprobleme wie ein Brandbeschleuniger gewirkt“, ist das Fazit der beiden Beraterinnen, die jetzt auf „Licht am Ende des Tunnels“ hoffen.

Bildungsorientierte Paartherapie

Sie setzen bei ihren Hilfestellungen auf die „Bindungsorientierte Paartherapie“, in der am Grundvertrauen, der Bindung der Partner gearbeitet wird. Der offensichtliche Streit fuße meist auf tiefer liegenden Unsicherheiten, deshalb müsse man in der Therapie tiefer gehen und die Grundbindung wieder herstellen. „Wenn das gelingt, funktioniert auch die Beziehung wieder“, ist sich Wagner-Schmid sicher.