Erfahrung fürs Leben
"Zu ruhig ist auch nichts" - Bufdis trotzen Corona
In einer besonderen Zeit absolvierten Hannah Baunacher (rechts) und Jana Schmelzer ihren Bundesfreiwilligendienst im Mehrgenerationenhaus in Haßfurt. Doch sie füllten diese Zeit mit viel Kreativität.
In einer besonderen Zeit absolvierten Hannah Baunacher (rechts) und Jana Schmelzer ihren Bundesfreiwilligendienst im Mehrgenerationenhaus in Haßfurt. Doch sie füllten diese Zeit mit viel Kreativität.
Foto: Sabine Weinbeer
Haßfurt – Hannah Baunacher und Jana Schmelzer waren Bufdis im Haßfurter Mehrgenerationenhaus. Wegen Corona lief alles anders und wurde dadurch unvergesslich.

Ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) ist immer ein Abenteuer für junge Menschen, doch in Zeiten von Corona machten Hannah Baunacher und Jana Schmelzer ganz eigene Erfahrungen.

Sie haben diese Zeit mit viel Kreativität auch selbst gestaltet. Als „die besten Bufdis aller Zeiten“ bezeichnet Gudrun Greger, die Leiterin des Mehrgenerationenhauses (MGH) in Haßfurt, die beiden jungen Frauen. „Wir hatten seit der Gründung ganz tolle junge Menschen, aber die beiden hatten ganz besondere Rahmenbedingungen“, ergänzt sie.

Bufdis im Corona-Jahr: eine Herausforderung

Seit Gründung waren am MGH jedes Jahr zunächst ein Zivildienstleistender, dann drei junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr und inzwischen acht Bufdis aktiv. Im Mehrgenerationenhaus bedeutet das ein breit gefächertes Spektrum an Aufgaben und unzählige Begegnungen mit Menschen.

Lesen Sie auch:

Das erlebte auch Hannah Baunacher noch zu Beginn ihres Jahres im Herbst 2019. Doch dann kam im Frühjahr 2020 Corona und das Mehrgenerationenhaus war erst einmal ganz geschlossen.

Das Team jedoch arbeitete direkt daran, wie man den Kontakt zu den vielen Menschen halten kann, die üblicherweise die Angebote des MGH annehmen und mitgestalten. Schnell wurden digitale Angebote gestrickt, „aber wir haben auch über hundert persönliche Karten geschrieben an die vielen Ehrenamtlichen, die sich hier engagieren“, erinnert sich Hannah Baunacher.

Sie blieb nach ihrem Jahr im Freiwilligendienst im MGH, zunächst als Verwaltungskraft; im Herbst beginnt sie ein Duales Studium in Sozialer Arbeit. Seit Herbst 2020 gehört Jana Schmelzer zum Team und ihre Bufdi-Zeit war ausschließlich begleitet von Corona und den damit verbundenen Auflagen.

Das Mehrgenerationenhaus auf Social Media

Wie kamen sie zum MGH? Beide waren von den Vorbereitungen auf das Abitur so eingebunden, dass sie anschließend nicht direkt wussten, welchen Weg sie in Sachen Berufswahl einschlagen wollen.

„Ein bisschen Pause, aber auch etwas zurückgeben an die Gesellschaft“, das war Hannah Baunachers Motivation für den Bundesfreiwilligendienst und Jana Schmelzer nickt dazu.

Eine so vielfältige Stelle wie im Mehrgenerationenhaus bekommen zu haben, macht sie beide glücklich, denn „hier gehört man zum Team, hat feste Aufgaben und auch schnell Verantwortung“, beschreibt Jana Schmelzer das vertrauensvolle Miteinander im Haus.

Lesen Sie auch:

Gerade die beiden jungen Frauen trugen wesentlich dazu bei, dass das MGH in den Sozialen Medien stark vertreten ist und dass der Kontakt mit den Besuchern des Hauses keineswegs abgebrochen ist.

Das zeigten auch der Zuspruch beim kürzlich angebotenen Nachbarschaftsfest und die vielen Anfragen, wann es denn wieder losgeht mit dem Baby- und Kleinkindtreff oder der Rentenschmiede und dem wöchentlichen Frühstücksangebot.

Kleinkindtreff und Seniorenangebote fielen Corona zum Opfer

Ganz zu war das MGH aber auch während des zurückliegenden Lockdowns nicht. Es gab Angebote. Sobald möglich wurde auch der Kleinkindtreff wieder in eng beschränktem Umfang angeboten.

Die Seniorenangebote allerdings waren erst einmal eingestellt, weil man die Risikopersonen nicht unnötig in Versuchung führen wollte – auch wenn man im MGH weiß, wie manche von ihnen unter der Einsamkeit leiden.

Jetzt „stehen wir in den Startlöchern“, für den 21. Juni ist der Neustart im Mehrgenerationenhaus geplant und dann hofft auch Jana Schmelzer noch auf ein bisschen „Normalbetrieb“ mit richtig Leben im Haus.

Lesen Sie auch:

hr ging es wie vielen: Die verordnete Ruhe war anfangs gar nicht so schlecht – Stichwort Entschleunigung. „Aber zu ruhig ist auch nichts“, sagt sie.

Für sie waren bisher alle Bufdi-Begleitkurse digital, „aber trotzdem haben es die Organisatoren geschafft, dass wir guten Kontakt mit den anderen hatten und sich so etwas wie ein Gemeinschaftsgefühl einstellen konnte“, freut sie sich.

Denn bei diesen Treffen ist auch der Austausch wichtig mit Freiwilligen beispielsweise in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, bei Vereinen oder kommunalen Einrichtungen.

Werbevideo landet auf Platz 2

Bufdi auch in besonderer Zeit, das hat den beiden so gut gefallen, dass sie ein „Werbevideo“ gedreht haben und die Kreativität des Haßfurter Mehrgenerationenhauses in dieser Zeit wurde mit dem zweiten Platz beim Bayerischen Bürgerpreis ausgezeichnet. Viel fürs Leben hätten sie gelernt, resümieren beide.

Jana Schmelzer hat ihre Schüchternheit ein Stück weit abgelegt, Hannah Baunacher ihren Berufswunsch gefunden, und der Kreis der ehemaligen Bufdis, die immer noch mit dem MGH in Kontakt stehen, wird wohl weiter wachsen.

Das Video ist auf der Homepage des MGH zu sehen: www.mehrgenerationenhaus-hassfurt.de („wir suchen einen neuen Bufdi“).

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: