Schülerunion
18-Jährige wird stellvertretende Bundesvorsitzende
Selina Schorr aus dem Zeiler Stadtteil Krum  ist jetzt stellvertretende Bundesvorsitzende der Schülerunion.
Selina Schorr aus dem Zeiler Stadtteil Krum ist jetzt stellvertretende Bundesvorsitzende der Schülerunion.
Foto: Günther Geiling
Krum – Selina Schorr aus Krum wurde zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Schülerunion berufen.

Die Schülerunion (SU) ist die größte politische Schülerorganisation in Deutschland und bezeichnet sich als „Sprachrohr für Schüler und Auszubildende“. Auch im Landkreis Haßberge gibt es seit einiger Zeit diese Vereinigung, deren erste Kreisvorsitzende bis vor kurzem Selina Schorr aus Krum war. Aktiv ist sie weiterhin im Landesverband Bayern und auf der Bundestagung wurde sie jetzt zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. Unser Portal sprach mit ihr über diesen Aufstieg.

Die 18-Jährige hat ihr Abitur am Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt abgelegt und bewährte sich dort schon als Schülersprecherin. Sie hat nun das Studium für Jura an der Universität Bayreuth aufgenommen und will vielleicht einmal Anwältin werden. Im politischen Raum ist sie neben der Schülerunion auch in der Jungen Union, der Frauenunion sowie im RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten) tätig, so dass für Hobbys nur noch wenig Zeit bleibt. Die freie Zeit genießt sie in einem Auswahlchor des Fränkischen Sängerbundes, beim Lesen oder mit ihren Freunden.

Laut Online-Lexikon Wikipedia ist die SU eine unabhängige CDU- und CSU-nahe Schülerorganisation in Deutschland. Sie agiert als bundesweite politisch christdemokratische Interessenvertretung der Schüler. 1972 gegründet, um dem Links-Ruck unter Schülern und Lehrern entgegenzutreten, versteht sie sich heute als Dienstleister für Schüler und insbesondere Schülervertretungen. Die Schülerunion Deutschlands hat bundesweit nach eigenen Angaben mehrere Tausend Mitglieder.

Es ist nicht alltäglich, dass sich ein junges Mädchen so für politische Dinge interessiert, noch dazu in diesem Alter. Wie und wann bist du zur Schülerunion gekommen?

Selina Schorr: Mit 14 Jahren habe ich gedacht, warum nicht politisch engagieren, obwohl in meiner Familie niemand politisch tätig war? So bin ich in die Junge Union eingetreten und ich war auch gleich begeistert bei einem Gespräch mit einem Weißwurstfrühstück, wo die meisten schon älter als ich waren. Vor zweieinhalb Jahren wurde dann erstmals eine Schülerunion im Landkreis gegründet und dabei war ich inmitten Jüngerer und Gleichaltriger, was mir mehr zusagte. Wir wollten den Schülern die Politik näherbringen, zumal das Interesse bei der jungen Generation oft nicht so vorhanden ist und sie auch weniger auf Parteien zugehen. Deswegen wollten wir Schülern und Jugendlichen eine Stimme geben.

Wie hast du das mit deinen 16 Jahren geschafft, einer solchen Organisation Leben einzuhauchen und Impulse zu geben?

Nach meiner Wahl zur SU-Kreisvorsitzenden mussten wir sehr viel Aufbauarbeit leisten, Mitglieder werben und schauen, wie es in einem Verband läuft. Niemand von uns war über 18 Jahre und fast alles war für uns neu. Wir haben das aber geschafft und unsere Mitgliederzahl bald auf 25 verdoppelt. Dabei haben wir auch Debatten mit den Vorsitzenden anderer Jugendorganisationen und zu ihren Programmen geführt sowie auch schulische Probleme diskutiert.

Wie kommt man als Krümlerin oder Haßberglerin dann so schnell zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Schülerunion?

Die Arbeit in der Schülerunion und als Kreisvorsitzende im Landesverband bereitete mir viel Spaß, weil wir in den Aufgabenstellungen sehr frei sind. Bayern steht auf der Bundesebene immer ein Stellvertreterposten zu und da hat man mich gefragt, ob ich mir das nicht vorstellen könnte. Nach einer Woche Bedenkzeit habe ich zugesagt. Die Bundestagung fand nun am 10. April online statt, wozu ein Studio in Frankfurt eingerichtet war und der Bundesvorsitzende die Veranstaltung moderierte. Auf diese Weise wurde ich dann zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt, die Online-Abstimmung wurde dann durch Briefwahl bestätigt.

Welche neuen Aufgaben kommen nun durch dieses herausgehobene Amt auf dich zu und kannst du uns schon einen kleinen Einblick geben?

Die Arbeit auf der Bundesebene bietet neue Möglichkeiten, um zu agieren und Aufmerksamkeit für Themen zu schaffen. Wir haben dazu ein cooles Team und da wird schon was draus. Eine Woche nach der Wahl haben wir uns schon zu einer Präsenzveranstaltung in Berlin getroffen, um den zukünftigen Geschäftsplan zu erstellen. Dabei werde ich einen Arbeitskreis für Mädchen gründen, weil mir die Gleichberechtigung in der Politik sehr am Herzen liegt. Darin will ich vor allem Seminare für Rhetorik und Digitalisierung organisieren sowie eine Vernetzung schaffen.

Die Schülerunion sieht sich als Sprachrohr für Schüler und Azubis und will sie in politischen Gremien sowie in Schulen und bei Arbeitgebern mit Nachdruck vertreten. Wie muss man sich das vorstellen?

Wir organisieren zum Beispiel am 25. Mai die Schülersprecherkonferenz in Bayern, an welcher die Sprecher aller Schulen bis hin zur Fachoberschule teilnehmen. Früher trafen wir uns dazu in einer dreitägigen Veranstaltung auf Schloss Banz, um uns mit der Bildungs- und Schulpolitik auseinanderzusetzen. Diesmal geht es nur digital. Themen werden sicherlich die Ausrichtung der Schulen auf mehr digitale Kompetenzen, bessere materielle Ausstattung der Schulen, vergleichbare Schulabschlüsse und mehr Mitsprache der Schüler sein.

Werdet ihr als Nachwuchs oder jüngere Generation dabei auch von Politikern angehört und beschäftigen sich auch namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft mit euren Forderungen?

Ja, wir können unsere Beschlüsse sogar einbringen in die CDU/CSU-Bundestagsfraktion, obwohl wir unabhängig sind, wenn auch der CDU/CSU nahe. So haben wir vor kurzem einen Antrag eingebracht, dass die Schulen immer mit der Deutschlandfahne beflaggt sein sollen. Ein weiteres Anliegen ist die Forderung „Meister statt Master“. Wir sind hier der Auffassung, dass ein größerer Fokus auf die Meisterqualifikation gelegt werden sollte statt auf das Studium. Dazu gehört auch eine Erhöhung des Meisterbonus’. Wir sprechen demnächst auch mit dem Präsidenten der IHK München, Dr. Eberhard Sasse, und haben schon Termine mit dem CDU-Bundesvorsitzenden und Kanzlerkandidaten Armin Laschet, der bayerischen Bauministerin Kerstin Schreyer und dem Bundesvorsitzenden der Jungen Union, Tilman Kuban, geplant.

„Wenn Deutschland schon nichts im Boden hat, ist es umso wichtiger, wenn alle etwas in der Birne haben“ ist ein lockerer Ausspruch aus euren Reihen. Was will die SU damit sagen?

Damit möchten wir darauf verweisen, dass Bildung das höchste Gut ist und sie nicht zu kurz kommen darf. Wir haben dazu ein neues Grundsatzprogramm aufgestellt, worin auch die Digitalisierung angesprochen wird, deren Probleme in der Pandemie besonders deutlich hervortraten. Wir haben übrigens schon 2019 Homeoffice gefordert. Die Pandemie hat aber gezeigt, dass Mebis ausgefallen ist und es weitere Probleme gibt – bis heute. Das dürfte eigentlich nicht sein.

Mit welchen Problemen beschäftigt sich die SU derzeit auf Landkreisebene und welche Aktivitäten gibt es dabei?

Wir planen und organisieren derzeit einen Umweltflyer. Damit wollen wir Möglichkeiten aufzeigen, wie man umweltfreundlich leben kann. Außerdem sind wir mit Unterstützung der Jobentdecker und Bürgermeister Thomas Stadelmann aus Zeil bei der Vorbereitung einer Praktikumsbörse.

Das Interview führte unser Mitarbeiter Günther Geiling.

 

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