Kalkulation
Großer Unterschied bei den Abwassergebühren
Die Gemeinde entsorgt ihre Abwässer in unterschiedliche Kläranlagen und das führt auch zu unterschiedlichen Abwassergebühren. Hier ein Blick auf die alte Kläranlage in Appendorf, die nun durch einen Neubau ersetzt werden soll mit dem Anschluss der Orte im Lautergrund.
Die Gemeinde entsorgt ihre Abwässer in unterschiedliche Kläranlagen und das führt auch zu unterschiedlichen Abwassergebühren. Hier ein Blick auf die alte Kläranlage in Appendorf, die nun durch einen Neubau ersetzt werden soll mit dem Anschluss der Orte im Lautergrund.
Foto: Günther Geiling
Breitbrunn – Die Lußberger zahlen viel mehr. Was sich der Gemeinderat von Breitbrunn einfallen lässt, um die Bürger nicht allzu ungerecht zu behandeln.

Am 1. Januar 2022 beginnt in der Gemeinde Breitbrunn ein neuer vierjähriger Kalkulationszeitraum für die Abwassergebühren. Die Gemeinde ist geteilt bei der Entwässerung. Die Ortsteile im Lautergrund nutzen die Kläranlage Appendorf in Oberfranken und die Ortsteilen Breitbrunn, Hermannsberg und Edelbrunn sind an die Verbandskläranlage in Eltmann-Ebelsbach angeschlossen. Für beide Einrichtungen wurde eine Gebührenkalkulation erstellt, die sehr unterschiedlich ausfiel und nun über den Gemeindehaushalt teilweise subventioniert wird.

Bei einer Rückschau auf den vorhergehenden Kalkulationszeitraum stellte sich heraus, dass es im Bemessungszeitraum von 2018 bis 2021 bei beiden Einrichtungen eine Kostenunterdeckung gegeben hatte und zwar bei der Spange Breitbrunn mit 6844,82 Euro und bei der Lautergrundspange mit 32974,82 Euro. Bürgermeisterin Ruth Frank sagte für den Bereich Lautergrund, die Gebühren für die Kläranlage in Appendorf hätten sich in diesem Zeitraum zwischen 19000 und 35000 Euro bewegt. „Dieser Kostensprung ist der Hauptgrund für die hohen Gebühren“, stellte sie fest. Diese Unterdeckungen flössen in den Kalkulationszeitraum von 2022 bis 2025 ein.

Die neuen Gebühren für den Bereich Breitbrunn

Die Gesamtkosten der Abwasserbeseitigung Breitbrunn mit Hermannsberg, Edelbrunn, Paßmühle und Finkenmühle wurden nun mit jährlich 42695 Euro ermittelt, was bei einer jährlichen Einleitungsmenge von 27694 Kubikmetern (cbm) den neuen Gebührensatz von 1,54 Euro/cbm ausmache, eine Erhöhung um 0,61 Euro/cbm oder 65 Prozent.

Und das wären die Gebühren für den Bereich Lußberg

Für den Bereich Lußberg mit Kottendorf, Hasenmühle und Förstersgrund werden durchschnittliche Gesamtkosten von jährlich 34711 Euro angesetzt, was bei einer jährlichen Einleitungsmenge in Höhe von 9517 Kubikmetern den neuen Gebührensatz von 3,65 Euro/cbm ergibt, also eine Erhöhung um 1,45 Euro/cbm. „Der Anteil des Kostendefizits beträgt hier schon 0,87 Euro. Die neuen Gebühren sind eine ganz deutliche Steigerung und ein Riesensprung“, zeigte sich die Bürgermeisterin zufrieden.

Will der Gemeinderat bewusst in Kauf nehmen, dass die Kosten nicht gedeckt werden?

Sie verwies auf die vom Büro Dr. Schulte/Röder getroffene Feststellung: „Sollte die zur Kostendeckung erforderliche Anhebung des Benutzungsgebührensatzes unterbleiben, so läge eine bewusst in Kauf genommene Unterdeckung oder Kostendeckung aus politischen Gründen vor. Entstehende Fehlbeträge müssten dann ebenfalls nachträglich ausgegliedert werden.“

Frank Fella: Der Unterschied ist einfach zu groß

Frank Fella stellte fest, dass die Schere zwischen Breitbrunn und Lußberg einfach zu hoch sei und schlug deswegen einen „politischen Preis“ vor. Georg Kundmüller gab zu bedenken, dass die Breitbrunner Bürger für Bau und die Sanierung bei der Verbandskläranlage in Eltmann entsprechende Beiträge und auch Verbesserungsbeiträge geleistet hätten und das bei der Beurteilung einbezogen werden müsste. Auch er wäre für einen politischen Preis von drei Euro/cbm, aber keinesfalls für eine Gleichstellung, für die man vieles noch beleuchten müsste.

Bürgermeisterin Ruth Frank stellte Überlegungen an, ob man nicht gleich die Satzung ändern und einen gleichen Preis für die ganze Gemeinde diskutieren sollte, schränkte jedoch ein: „Das ist aber eine größere Auseinandersetzung. Es würde auch vor dem Bau der Kläranlage in Appendorf keinen Sinn machen. Darüber könnten wir nach vier Jahren diskutieren.“ So sprach auch sie sich für den „politischen Preis“ von 3 Euro/cbm aus, was bedeuten würde, dass man 7994 Euro in Kauf nehmen und aus dem Haushalt finanzieren müsse.

„Die ganze Gemeinde subventioniert dann den Abwasserpreis des Lautergrundes. Findet dieser politische Preis Anklang?“, fragte Cynthia Derra.

Bei Derras Gegenstimme beschloss der Gemeinderat, die Abwassergebühr von 0,93 Euro auf 1,54 Euro im Bereich der Ortsteile von Breitbrunn und von 2,20 Euro/cbm auf drei Euro/cbm im Bereich des Lautergrundes zu erhöhen. Die neue Gebührensatzung tritt zum 1. Januar 2022 in Kraft.