Trauerfall
Sebastian von Rotenhan ist tot
Sebastian von Rotenhan, wie man ihn kannte, kantig und streitbar.
Sebastian von Rotenhan, wie man ihn kannte, kantig und streitbar.
Archiv/sh
Eckehard Kiesewetter von Eckehard Kiesewetter Fränkischer Tag
Rentweinsdorf – Der Politiker scheute keinen Konflikt – erst recht nicht mit seiner Partei, der CSU. Ermershausen verdankt ihm die Selbstständigkeit.

Sein Austritt aus der CSU im Jahr 2009 war der letzte Paukenschlag einer Politikerkarriere, die es in sich hatte. Seither war es ruhig geworden um den Rentweinsdorfer Adeligen Sebastian von Rotenhan, der es in den Jahren 1998 bis 2008 bis zum Landtagsabgeordneten für den Stimmkreis Haßberge Rhön-Grabfeld geschafft hatte. Am Mittwochvormittag, kurz vor seinem 73. Geburtstag ist der streitbare Baron gestorben.

Viele werden den Spross der Rentweinsdorfer Uradelsfamilie Rotenhan als Politiker mit Ecken und Kanten in Erinnerung behalten, als einen Mann, der auch den Eklat nicht scheute. Der Großwaldbesitzer war aber auch ein bedeutender Verfechter naturgemäßer Waldwirtschaft und ökologischer Jagd sowie Familienvater mit sieben Kindern.

Der junge Betriebswirt saß von 1978 bis 1996 im Marktgemeinderat von Rentweinsdorf. Von 1984 bis 1996 wirkte er für die CSU auch im Kreistag Haßberge, als dessen Mitglied der sich der Sache der „Rebellen“ in Ermershausen annahm.

 

Sein größter Triumph

Gegen staatliche und innerparteiliche Widerstände setzte er mit ihnen die Rücknahme der Eingemeindung nach Maroldsweisach durch. Für die Ermershäuser war er fortan ein Held und erreichte einen beachtlichen Mitgliederzuwachs für „seine“ Partei: Der neu gegründeten CSU Ermershausen traten mehr als 270 Bürger bei – es war der größte Ortsverband im ganzen Landkreis.

Rotenhan, der sich offen mit der Parteispitze im Landkreis befehdete und es obendrein wagte, Attacken gegen den damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß zu fahren, hatte zuvor ein Parteiausschlussverfahren überstanden. Das Bezirksschiedsgericht der CSU beließ es bei einer Rüge wegen unsolidarischen Verhaltens.

Nach dem Erfolg in Ermershausen wendete sich das Blatt, der Freiherr aus Rentweinsdorf wurde als fleißigster Mitglieder-Werber in ganz Unterfranken ausgezeichnet; bei einer Kampfabstimmung in Eltmann machten ihn die CSU-Mitglieder – wiederum gegen den Willen der Parteispitze im Landkreis – zum Direktkandidaten für die Landtagswahl 1998. Er wurde gewählt und gehörte dem Landtag über zwei Perioden an.

Voller Elan gestartet und maßgeblich an der Reform der Bayerischen Staatsforstverwaltung beteiligt, zog sich der Abgeordnete aber zusehends zurück, nachdem ihm als Waldfachmann ein Spitzenposten bei den neu geschaffenen Bayerischen Staatsforsten versagt blieb. Auch sein Bemühen um ein Mandat im Europarat 2004 fand in der CSU keine Unterstützung. Er sitze „im Schmollwinkel“, hieß es fortan über den angeblich „faulsten Abgeordneten“ im Landtag, der weiterhin vor öffentlicher Kritik am Ministerpräsidenten Edmud Stoiber und an der bayerischen Politik nicht zurückschreckte.

Der Rückzug

Mit der CSU verkracht und vom eigenen Kreisverband kritisiert, zog sich Rotenhan 2008 aus dem Landtag und 2009 aus der CSU zurück. Fortan widmete er sich ganz der Forstwirtschaft und zog nach der Jahrtausendwende nach Süd-Brandenburg, wo er große Wälder und ein Herrenhaus verwaltete. Bis zuletzt sah man ihn in seiner unterfränkischen Heimat. Das Gut und das Schloss in Rentweinsdorf ist heute in Besitz seines ältesten Sohnes Maximilian.

Rentweinsdorfs Bürgermeister Steffen Kropp (SPD) ließ die Fahne auf dem Planplatz auf Halbmast hängen. Er würdigt den Verstorbenen als weithin bekannten Politiker aus der Marktgemeinde, von dessen Charakterstärke man lernen könne.

Steffen Vogel (CSU), Rotenhans heutiger Nachfolger als Landtagsabgeordneter, erinnert sich an einen eindrucksvollen Redner, der kein Manuskript benötigte und an die markante Persönlichkeit, die offen aussprach, was sie dachte.  

Die Beisetzung

Sebastian von Rotenhan soll am seinem 73. Geburtstag, 1. November, um 11 Uhr beerdigt werden, wie viele Vorfahren  auf dem Rotenhan’schen Friedhof inmitten des Rentweinsdorfer Friedhofes. 

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: