Gemeindejubiläum
Männer der ersten Stunde feiern ihr Rauhenebrach
Gebietsreform: 50 Jahre Rauhenebrach wurde drei Tage lang gefeiert.
Männer der ersten Stunde: Alois Bäuerlein wurde 1972 in den ersten Gemeinderat Rauhenebrach gewählt und wurde später auch Zweiter Bürgermeister. Wendelin Jooß war einer der ersten beiden Gemeindearbeiter und bis zum Ruhestand „Allzweckwaffe“ bei allen Bauarbeiten.
Foto: Sabine Weinbeer
Rauhenebrach – 50 Jahre Rauhenebrach: Ganz im Süden des Landkreises Haßberge hat man früh erkannt, dass winzige Gemeinden nicht modern verwaltet werden können.

Die gesamte Bevölkerung war drei Tage lang eingeladen, das 50-jährige Bestehen der Gemeinde Rauhenebrach zu feiern: mit Puppenspieler und Zauberer für die Kinder, Kinoabend für die ganze Familie, einer Bürgerversammlung und einem Festabend, zu dem am Mittwoch alle aktuellen und früheren Mandatsträger und Mitarbeiter der südlichsten Landkreisgemeinde eingeladen waren. Landrat Wilhelm Schneider gratulierte bei diesem Anlass zur „Goldenen Hochzeit“.

Zehn ehemals selbstständige Gemeinden schlossen sich zur Gemeinde Rauhenebrach zusammen

Zehn ehemals selbstständige Gemeinden zwischen Geusfeld und Prölsdorf, schlossen sich damals zur Großgemeinde zusammen, die als Namen das Fließgewässer Rauhe Ebrach wählten, die die langgestreckte Gemeinde verbindet. Ganz von vorne begann die Zusammenarbeit dabei nicht, denn schon 1969 sei ein Schulverband gebildet worden, wie Altbürgermeister Oskar Ebert in seinem Rückblick erklärte. Ebert hat 24 Jahre lang und damit fast die halbe „Lebenszeit“ Rauhenebrach als 1. Bürgermeister gestaltet, die ganze Zeit über dabei unterstützt vom mittlerweile verstorbenen Zweiten Bürgermeister Sebastian Finster.

Gebietsreform: 50 Jahre Rauhenebrach wurde drei Tage lang gefeiert.
Landrat Wilhelm Schneider stößt mit Altbürgermeister Oskar Ebert und Bürgermeister Matthias Bäuerlein auf 50 Jahre Gemeinde Rauhenebrach an.
Foto: Sabine Weinbeer

Der erste 1. Bürgermeister Rauhenebrachs war bis 1990 Josef Hirt, als letzter lebender „Mann der ersten Stunde“, sprich des ersten Gemeinderatsgremium konnte Alois Bäuerlein begrüßt werden. Der Vater des heutigen Bürgermeisters Matthias Bäuerlein war auch einige Jahre Zweiter Bürgermeister. „Und so gehörte Kommunalpolitik für uns als Kinder zu den Tischgesprächen“, erinnerte sich Matthias Bäuerlein während seines bebilderten Rückblicks auf die Entwicklung der Gemeinde.

Zehn Gemeinden und 13 Dörfer gehörten ab 1972 zusammen

Diese Entwicklung sei beachtlich und Beweis dafür, dass die Gebietsreform notwendig und segensreich war, so Landrat Wilhelm Schneider. In Rauhenebrach habe man früh erkannt, dass die kleinen früheren Gemeindestrukturen die Anforderungen einer modernen Verwaltung und Infrastruktur nicht hätten erfüllen können. Diese Tradition der Kooperation habe sich auch durch die Gründung der 5-Sterne-Gemeindeallianz fortgesetzt, „1990, also lange bevor die heutigen Allianzen gebildet wurden, war das wegweisend“, und Rauhenebrach sei hier immer ein Motor gewesen.

Schon früh wurden in der Gemeinde Rauhenebrach Dorferneuerungsmaßnahmen angestoßen

Alle 13 Dörfer der Gemeinde hätten von Dorferneuerungsmaßnahmen profitiert, erklärte der Landrat, „und da war der Steigerwald wesentlich schneller als wir in den Haßbergen“, blickte er auf seine eigene Zeit als Bürgermeister von Maroldsweisach zurück.

Dass Rauhenebrach trotz vieler Investitionen, trotz der Herausforderungen als Flächengemeinde, seit vielen Jahren schuldenfrei sei, das sei das Verdienst aller, die in den 50 Jahren Verantwortung trugen, sowohl im Gemeinderat als auch in der Verwaltung, betonte der Landrat.

Wie sparsam in Rauhenebrach gewirtschaftet wurde, das zeigte der Rückblick von Matthias Bäuerlein. So zögerte der Gemeinderat sogar, die ersten Gemeindearbeiter anzustellen, Wendelin Jooß und Georg Gschwender. Sie waren 1973 die ersten und beide blieben der Gemeinde bis zum Ruhestand treu.

Drei Telefone für ein ganzes Rathaus

Ein Blick in die Sitzungsprotokolle zeigte außerdem, dass Bürgermeister Hirt 1972 vorschlug, jedes Amtszimmer mit einem Telefon auszustatten. Als viel zu teuer wurde das zunächst abgelehnt. Ein halbes Jahr später wurden dann drei Telefone für das Rathaus angeschafft.

Diese Sparsamkeit setzte sich auch bei Oskar Ebert fort. Der übergab ein Büro an Matthias Bäuerlein, das er selbst von seinem Vorgänger übernommen hatte, einschließlich eines Schreibtischstuhles, der viel Gleichgewichtssinn forderte.

„Und ich hatte tatsächlich ein schlechtes Gewissen, als ich mir ein neues Büro eingerichtet habe“, gestand Matthias Bäuerlein.

Als eine zentrale Herausforderung, die heute erneut an Brisanz gewonnen habe, bezeichnete Oskar Ebert die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung durch Ringschlüsse und den neuen Brunnen im Weilersbachtal.

Gebietsreform: 50 Jahre Rauhenebrach wurde drei Tage lang gefeiert.
An den drei Festtagen fungierten die Gemeinderatsmitglieder und Verwaltungsangestellten als Servicekräfte im Festzelt. Mit Spaß bei der Arbeit (von links): Kämmerer Burkhard Wengel (natürlich an der Kasse) und als Pizzabäcker die Gemeinderäte Norbert Ebert und Mathias Stahl.
Foto: Sabine Weinbeer

Die drei Festtage kamen bei der Bevölkerung gut an. Bürgermeister Matthias Bäuerlein dankte allen, die mit nur zwei Monaten Vorlauf das Programm organisiert hatten. Mit einheitlichen Gemeinde-T-Shirts ausgestattet, sorgten Gemeinderats- und Verwaltungsmitglieder außerdem an allen Tagen für das leibliche Wohl der Gäste – natürlich mit Rauhenebracher Produkten von Metzger, Bäcker und Brauer.

Auch der Landkreis Haßberge hat vor kurzem sein 50-jähriges Bestehen gefeiert:

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