Umwelt
Wie Ebern seinen Klärschlamm entsorgt
Fabian Nüßlein, Mitarbeiter in der Kläranlage Ebern, vor der mobilen Klärschlammentsorgungsanlage, die von einer Fremdfirma betrieben wird. In dem roten Container wird der Klärschlamm gepresst, das Wasser zurück in die Kläranlage geführt und der g...
Fabian Nüßlein, Mitarbeiter in der Kläranlage Ebern, vor der mobilen Klärschlammentsorgungsanlage, die von einer Fremdfirma betrieben wird. In dem roten Container wird der Klärschlamm gepresst, das Wasser zurück in die Kläranlage geführt und der gepresste Schlamm über das Förderband auf den Transport-Lkw geladen.
Foto: Helmut Will
F-Signet von Helmut Will Fränkischer Tag
Ebern – Der Stadtrat Ebern hat eine Entscheidung getroffen, was mit dem Klärschlamm passieren soll. Zwei Varianten bergen Chancen und Risiken.

Die Klärschlammentsorgung beschäftigt die Stadt Ebern schon seit 2019. Den Landkreis Haßberge auch, der zwischenzeitlich einen Zweckverband zur Realisierung eines Klärschlammentsorgungs- und Verwertungskonzepts gegründet hat. In der Folge wurden in Ebern über die Jahre 2020 bis 2022 weitere Überlegungen angestellt, ob man dem Zweckverband beitreten solle oder doch nicht.

In der Kläranlage Ebern fallen im Jahr 6200 Kubikmeter Nassschlamm an. Das ergibt bei 25 Prozent Trockensubstanz 760 Tonnen Klärschlamm, die entsorgt werden müssen. Die Tendenz geht eher zu mehr, bis zu 800 Tonnen entwässerter Schlamm könnten pro Jahr anfallen.

Mehrere Entsorgungsfirmen waren in den vergangenen zwei Jahren im Gespräch

Für Ebern solle eine kostengünstige Lösung gefunden werden. Das sei das Ziel, sagten Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) und Martin Lang, Leiter der VG-Bauverwaltung/Bautechnik, in der Sitzung des Stadtrates am Mittwoch in der Frauengrundhalle in Ebern. Sie blickten zurück: So sei im Juni 2020 beschlossen worden, dem Zweckverband Klärschlammtrocknung des Landkreises Haßberge mit der Firma „Südwasser“ beizutreten. Auch die Gemeinden Rentweinsdorf und Pfarrweisach hätten das beschlossen.

Dann aber sei die Firma „Südwasser“ ausgestiegen, die Firma HSG Bad Windsheim über ihren Dienstleister Drynamic eingestiegen. Dadurch hätten sich neue Preise und Konditionen für die Entsorgung ergeben. Sie erinnerten daran, dass sich der Stadtrat im Juni 2022 dazu entschlossen habe, sich dem Landkreis Haßberge und der Firma HSG Bad Windsheim anzuschließen. Auch Rentweinsdorf und Pfarrweisach seien hier wieder dabei gewesen.

Die Firma ÖKT würde den Klärschlamm wesentlich günstiger entsorgen als die Firma HSG

Dann kam die Firma Ökologische Klärschlammtrocknung Offenhausen GmbH (ÖKT) von Andreas Ertel ins Spiel. Im August 2022 informierte Hennemann den Stadtrat, dass die Firma ÖKT die Entsorgung wesentlich günstiger als die Firma des Zweckverbandes (ZV) Haßberge anbiete, was im Oktober 2022 in einer Sitzung des Hauptausschusses zum Umschwenken führte. Aufgrund dieser Veränderungen zwischen dem Juni 2020 und dem Juni 2022 wollte Ebern dem ZV Haßberge nicht mehr beitreten.

Stadt Ebern hat sich Angebote für Klärschlammentsorgung geben lassen

Wie Hennemann und Lang weiter darlegten, lägen zwei Angebote vor. So von der Firma Drynamic aus Tegernsee mit der Summe von 139,47 Euro pro Tonne Klärschlamm, was sich für die Stadt Ebern bei 760 Tonnen auf jährliche Bruttokosten von 106.000 Euro summieren würde. Beim Angebot der Firma Ertel aus Offenhausen beträgt das Angebot pro Tonne Klärschlamm 107,10 Euro, was bei 760 Tonnen jährliche Kosten von 81.000 Euro verursachen würde. Laut Lang wird dieses Jahr mit 190,70 Euro pro Tonne entwässertem Schlamm, also mit circa 145.000 Euro brutto, kalkuliert.

Die Entwässerung des Klärschlammes muss in beiden Fällen durch die Stadt selbst organisiert werden. Derzeit erfolgt die Schlammentsorgung der Stadt Ebern noch durch eine mobile Anlage. Im Jahr 2023 sei der Bau einer stationären Schlammentwässerung auf der Kläranlage geplant. Das trage zur Einsparung von Stromkosten und Verbesserung des Anlagenbetriebes bei, sagte Lang. Für 2023 seien wieder Angebote eingeholt worden. Bis zum 8. November sollten sie eingegangen sein. Die Vergabe der Schlammentsorgung solle dann in der Sitzung des Stadtrates am 24. November beschlossen werden.

„Klärschlamm entwickelt sich zu einem gefragten Energieträger“

Der Stadtrat hatte also aus zwei Optionen auszuwählen: Beitritt zum Zweckverband Klärschlammtrocknung oder eigenständige Entsorgung über die Firma Ertel mit einer Laufzeit bis zum 31. Dezember 2031. „Beide Optionen haben Chancen und Risiken“, sagte Lang. „Es ist viel Bewegung im Markt, Klärschlamm entwickelt sich zu einem gefragten Energieträger.“

Wortmeldungen aus dem Gremium gab es zu diesem Thema vom Zweiten und vom Dritten Bürgermeister, Harald Pascher (FDP) und Thomas Limpert (FWE), dvon en Stadträten Dieter Gerstenkorn, Isabell Zimmer (CSU) und Klaus Schineller (Grüne). Die einen meinten, man solle doch lieber beim Zweckverband Klärschlammtrocknung bleiben, die anderen äußerten Zweifel an er kreisweiten Lösung. Schließlich wurde mit 11:4 Stimmen der Beschluss gefasst, dass die Beschlüsse zum Beitritt des Zweckverbandes Klärschlammtrocknung Haßberge aufgehoben werden, die Vergabe der mobilen Klärschlammtrocknung und Klärschlammentsorgung in der Sitzung des Stadtrates Ebern am 24. November erfolgt und die Verwaltung beauftragt wird, mit der Firma Ökologische Klärschlammtrocknung Offenhausen GmbH von Andreas Ertel in Verhandlungen über einen Vertrag zur Klärschlammentsorgung zu treten.

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