Meinungsforschung
Ergebnisse „in Echtzeit“ durch infratest dimap
Jakob Röder (links) war als Korrespondent für infratest dimap vor dem Wahllokal in der Grundschule Nassachtal. Hier konnten die Wähler genauso anonym wie bei der eigentlichen Wahl dazu beitragen, möglichst genaue Ergebnisse für die Hochrechnungen in der ARD zu erzielen.
Jakob Röder (links) war als Korrespondent für infratest dimap vor dem Wahllokal in der Grundschule Nassachtal. Hier konnten die Wähler genauso anonym wie bei der eigentlichen Wahl dazu beitragen, möglichst genaue Ergebnisse für die Hochrechnungen in der ARD zu erzielen.
Foto: Christian Licha
Haßfurt – Damit mit der Schließung der Wahllokale Hochrechnungen über den Bildschirm flimmern können, waren die Meinungsforscher auch in Haßfurt vor Ort.

So spannend wie in diesem Jahr war wohl eine Bundestagswahl schon lange nicht mehr. Damit pünktlich mit der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen über den Bildschirm flimmern können, sind bundesweit Wahlkorrespondenten im Auftrag von Meinungsforschungsinstituten unterwegs. Dieses Mal hatten auch einige Haßfurter Wähler dazu beigetragen, ein möglichst genaues Bild des tatsächlichen Ergebnisses schon in der Hochrechnung abzuzeichnen. Außerdem hat das Landesamt für Statistik ein weiteres Haßfurter Wahllokal auserwählt, um mit dessen Angaben die Wahlentscheidungen einzelner Altersklassen in einer Statistik darzustellen.

Vor dem Wahllokal in der Grundschule Nassachtal hatte mit infratest dimap ein großer Anbieter von Wahl- und Politikforschung in Deutschland einen Stand aufgebaut, dessen Umfrageergebnis der ARD zur Verfügung gestellt werden. Die Auswahl der Wahlbezirke basiert auf einem komplexen Verfahren, dessen Ziel es ist, sowohl das alte als auch das aktuelle Wahlergebnis exakt widerzuspiegeln.

Jakob Röder aus Haßfurt war hier der Korrespondent, der die Wählerinnen und Wähler nach Verlassen des Wahlraumes ansprach und sie bat, einen kurzen Fragebogen auszufüllen. Natürlich auf rein freiwilliger Basis und auch das Wahlgeheimnis blieb gewahrt, konnten doch die Befragten einige Schritte entfernt bei ihrer Partei die Kreuze machen. Außerdem wurde nach Alter, Geschlecht und dem wahlentscheidenden Thema gefragt, ehe der Fragebogen in einer Urne abgegeben wurde.

„Mehrmals an diesem Wahlsonntag werden telefonisch die Ergebnisse der Befragung der Datenzentrale gemeldet", sagte Jakob Röder. Auf der Basis dieser Befragungen entsteht die Prognose für das bundesweite Ergebnis, die um 18 Uhr auf der ARD präsentiert wird. Darüber hinaus sind die Daten der Wahltagsbefragung Basis für eine Reihe weiterer Analysen des Wahlergebnisses, wie zum Beispiel Wahlverhalten in Altersgruppen. Außerdem war der Student dafür zuständig, nach Schließung des Wahllokals das vorläufig amtliche Wahlergebnis zu melden, das vom Wahlvorstand in der Grundschule Nassachtal gezählt und bekannt gegeben wurde. Dieses floss dann ebenfalls in die Hochrechnungen der ARD mit ein.

Damit aber noch nicht genug. Auch das Wahllokal in der Kinderkrippe im Osterfeld war für die Statistiker interessant. „Wir wurden vom Landesamt für Statistik ausgewählt im Rahmen der Stichprobenerhebung bei der Erstellung einer repräsentative Wahlstatistik mitzuwirken", erklärte Wahlvorsteher Ilker Martin Özalp, der mit sieben Wahlhelfern für den reibungslosen Ablauf der Wahl sorgte. Zur Gewinnung der Daten werden die Wählerverzeichnisse und die abgegebenen amtlichen Stimmzettel ausgewertet.

Damit sind die Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik genauer als zum Beispiel die Wählernachbefragungen der Wahlforschungsinstitute. Die Wahlbeteiligung wird durch Auszählung der Wählerverzeichnisse ermittelt. Hierzu wird festgestellt, wie viele Wahlberechtigte es im Wahlbezirk gab und wie viele von ihnen sich an der Wahl persönlich beteiligt haben oder einen Wahlscheinvermerk hatten. Je Geschlecht bestehen zehn Geburtsjahresgruppen, so dass die Anonymität eines jeden Einzelnen gewahrt bleibt.

Die Untersuchung der Stimmabgabe erfolgt mittels der amtlichen Stimmzettel, die im oberen Bereich zusätzlich mit einem Unterscheidungsaufdruck nach Geschlecht und Geburtsjahresgruppe versehen sind. So können Daten über die Stimmabgabe der einzelnen Bevölkerungsgruppen ermittelt werden. Zur Vereinfachung wird hierbei neben der Angabe des Geschlechts und der Geburtsjahresgruppe ein Großbuchstabe verwendet, der auf den Stimmzetteln aufgedruckt ist. Zum Beispiel steht der Buchstabe „D" für männlich, divers oder ohne Angabe im Geburtenregister der Jahrgänge 1962 bis 1976. „Wir müssen penibel genau darauf achten, dass der richtige Stimmzettel mit der passenden Kennzeichnung für den jeweiligen Wähler ausgegeben wird", sagte Ubaldo Loiero, der als Schriftführer die Verantwortung dafür trug.

Mit der Statistikerstellung an sich haben die Wahlhelfer nichts mehr zu tun. Das erledigen dann die Statistischen Landesämter. Die aus den Ländern gewonnenen Daten werden vom Statistischen Bundesamt hochgerechnet und als Bundes- und Länderergebnisse voraussichtlich im Dezember 2021 veröffentlicht. Die rechtlichen Grundlagen für die repräsentative Wahlstatistik sind im Wahlstatistikgesetz geregelt. Dieses ist im Internetangebot des Bundeswahlleiters im Internet unter www.bundeswahlleiter.de abrufbar.