Infrastruktur
Sand ist finanzstark
Die Korbmachergemeinde Sand hat einen umfangreichen Haushalt für das laufende Jahr verabschiedet.
Die Korbmachergemeinde Sand hat einen umfangreichen Haushalt für das laufende Jahr verabschiedet.
Foto: Christian Licha
Sand am Main – Gelder fließen in die Kanalsanierung und in Anschaffungen für die Feuerwehr. Es ist mit 11,7 Millionen Euro fast eine Rekordetat für die Gemeinde.

Mit einem Gesamtvolumen von über 11,7 Millionen Euro wurde am Dienstag der Haushalt im Gemeinderat Sand verabschiedet. Der Verwaltungshaushalt schlägt mit etwas über sechs Millionen Euro zu Buche, während der Vermögenshaushalt 5,68 Millionen Euro beträgt. Gegenüber dem Rechnungsergebnis des Vorjahres ist das Haushaltsvolumen nach den Ansätzen im Verwaltungshaushalt um 5,31 Prozent gesunken, während es im Vermögenshaushalt um 10,13 Prozent gestiegen ist. Der Gesamthaushalt steigt somit um 1,59 Prozent.

Die wichtigsten Einnahmen im Verwaltungshaushalt sind die Einkommensteuerbeteiligung mit 1,8 Millionen Euro, die Schlüsselzuweisungen mit gut einer Million Euro, die Gewerbesteuer mit 350 000 Euro und die Grundsteuer B mit 250 000 Euro. Größte Ausgaben sind die Kreisumlage mit 1,5 Millionen Euro (um knapp 200 000 Euro mehr als letztes Jahr) und die Personalausgaben mit 1,4 Millionen. Die beiden Positionen bedeuten schon fast 50 Prozent des Etats im Verwaltungshaushalt.

Im Vermögenshaushalt sind die größten Einnahmequellen eine geplante Zuweisung von Zuschüssen für den bereits abgeschlossenen Rathausumbau (200 000 Euro), für die Kinderkrippe St. Nikolaus (200 000 Euro) und die Investitionspauschale mit 126 500 Euro.

Kredit über eine Million Euro

Für mögliche Verkäufe von Bauplätzen wurden 120 000 Euro und für Gewerbegrundstücke 110 000 Euro angesetzt. Der Allgemeinen Rücklage werden 3,3 Millionen Euro entnommen. Vom Verwaltungshaushalt werden 130 000 Euro zugeführt und die geplante Kreditaufnahme beträgt eine Million Euro. Das Investitionsvolumen erreicht 2021 mit 5,1 Millionen Euro fast die Größenordnung des Rekordjahres 2005.

Hervorzuheben ist die Kanalsanierung mit 1,84 Millionen Euro, der Auftrag für den ersten Bauabschnitt ist vergeben. Auch die Investitionen in die Feuerwehrfahrzeuge mit 488 000 Euro machen sich bemerkbar. Weitere größere Positionen sind: Schule 88 000 Euro, Kinderspielplätze 115 000 Euro, „Erweiterung des Kindergarten St. Nikolaus“ 174 000 Euro, Investitionszuschüsse an Sportvereine (45 000 Euro), Anschaffung eines Sanitärcontainers Campingplatz (50 000 Euro), Ablösung Straßenbaulast Kreisel „Knetzgauer Straße“ (50 000 Euro), Straßenbaukosten „Obere Länge“ (155 000 Euro), Parkplatz Turnhalle (55 000 Euro), Regenrückhaltebecken in der Oberen Länge (136 000 Euro), Klärschlammtrocknung in der Gemeinschaftskläranlage Zeil-Sand (93 000 Euro), Erweiterung der Abwasseranlagen Obere Länge (170 000 Euro), Untere Länge (62 000 Euro), Photovoltaik auf gemeindlichen Gebäuden (87 000 Euro),Tiefbaukosten Wasserversorgung Ortsnetz (245 000 Euro), Erweiterung Wasserleitungsnetz Obere Länge (40 000 Euro), Untere Länge (30 000 Euro) sowie der Erwerb von Grundstücken mit insgesamt 500 000 Euro.

Der allgemeinen Rücklage werden rund 480 000 Euro zugeführt. Die Steuerkraft pro Einwohner ist von 749,10 Euro in 2020 auf 755,85 Euro gestiegen. Somit steht die Gemeinde weiterhin auf Platz 10 unter den 26 Städten und Gemeinden im Landkreis. Durch die geplante Kreditaufnahme steigt der Schuldenstand von 900 000 Euro auf 1,8 Millionen Euro am Jahresende. Dadurch steigt der Schuldenstand pro Einwohner von 290 Euro auf 581 Euro – das liegt im Landesdurchschnitt für vergleichbare Gemeinden.

Eine Aufgabe für ein Jahrzehnt

Die Hauptaufgabe in diesem Jahrzehnt wird die Sanierung der Wasser- und Abwasserversorgung sein. Dafür werden mindestens zehn Millionen Euro aufgewendet werden müssen, erklärte Bürgermeister Bernhard Ruß. Die Kostenentwicklung im Baugewerbe ist derzeit schwer abzuschätzen. Ein Teil der Kosten wird über Ergänzungsbeiträge finanziert werden müssen. Eine große Aufgabe ist die Beschaffung von Bauland. Eigentümer verkaufen aktuell Grundstücke nur zu hohen Preisen. Die Gemeinde will andere Anreize stärken, etwa alternative Nutzungskonzepte, bei denen das Grundstück im Eigentum verbleibt. Letztlich aber kann die Gemeinde nicht viel ausrichten.

Bei der Kinderbetreuung sind laut Ruß aufgrund einiger geburtenstarker Jahrgänge und der gestiegenen Nachfrage nach Kindergartenkrippenplätzen die Raumkapazitäten erschöpft, so dass gebaut werden muss. Für eine Kindergartengruppe im Kindergarten St. Nikolaus läuft im August 2023 die Sondergenehmigung aus. Bis dahin könnte am Kindergarten St. Martin eine weitere Gruppe angebaut werden. Der Kindergarten wurde bei seiner Errichtung 1996 dreigruppig geplant, aber nur zweigruppig ausgeführt.

Zum Ausbau der Breitbandversorgung in Sand stellte Enrico Meierhof aus Bad Staffelstein im Gemeinderat die Ergebnisse der Markterkundung vor. Demnach sind 230 Gebäude grundsätzlich förderfähig. Dabei winken mit zwei Förderprogrammen von Bund und Land 90 Prozent Zuschuss (wobei die förderfähige Summe eines Hausanschlusses auf 6000 Euro gedeckelt ist).

Besonders ein Gebiet westlich der Steigerwaldstraße könne als Erstes in Angriff genommen werden. Einig werden muss sich der Gemeinderat, welches Modell er für den Breitbandausbau wählt. Möglich ist, dass die Gemeinde Eigentümerin der verlegten Kabel wird und Pachteinnahmen durch den Provider erzielt.

Zum Thema Innen- und Außenentwicklung hat Bürgermeister Ruß die Grundlagen erläutert. Demnach ist Sand in der Planungsregion Main-Rhön zwar kein zentraler Ort, aber in Sachen Infrastruktur sehr gut aufgestellt. Bis auf eine Pflegeeinrichtung mangele es in Sand an nichts. Um das weitere Vorgehen abzustimmen, wird sich die Gemeinde Sand eines Fachmannes bedienen, der ausführlich weitere Schritte erläutern kann.

Mit 9:3 Stimmen hat der Gemeinderat die Anschaffung von Raumluftfiltergeräten für sieben Räume der Grundschule beschlossen. Wie Ruß vortrug, seien diese Geräte technisch fortschrittlich und kosten etwa 3000 bis 4000 Euro pro Stück. Die staatliche Förderung liegt bei 50 Prozent, wobei der Förderhöchstbedarf je Raum bei 1750 Euro liegt. Die Gemeinde beteiligt sich an einer gemeinsamen Ausschreibung des Landkreises, der damit alle heimischen Kommunen versorgen will. Nach den Planungen werden die Geräte noch heuer ausgeliefert.

Der Gemeinderat behandelte dann einen Antrag der Jungen Union Sand. Julian Müller erläuterte, dass WLAN-Hotspots an öffentlichen Plätzen im Dorf entstehen. Müller sagte, dass der Kirchplatz und der Campingplatz bei der mobilen Interneterschließung wichtig seien, um Sand für Touristen attraktiv zu halten. Im Bereich des Kioskes am Campingplatz gibt es zwar WLAN, aber noch nicht im Bereich der Stellplätze. Im Einvernehmen mit Julian Müller verständigte sich der Gemeinderat darauf, den WLAN-Ausbau der Schule abzuwarten, um Synergieeffekte für den Kirchplatz nutzen zu können.