Behördenvorgabe
Wie soll der Rettungsbalkon aussehen?
Am Giebel dieses im Rohbau befindlichen Wohn- und Geschäftshauses in Eltmann soll laut Brandschutzkonzept ein Rettungsbalkon entstehen, der im Stadtrat am Mittwochabend zu einer längeren Diskussion führte.
Am Giebel dieses im Rohbau befindlichen Wohn- und Geschäftshauses in Eltmann soll laut Brandschutzkonzept ein Rettungsbalkon entstehen, der im Stadtrat am Mittwochabend zu einer längeren Diskussion führte.
Foto: Sabine Weinbeer
Eltmann – Der Eltmanner Stadtrat diskutierte über eine behördliche Vorgabe, die Erstaunen auslöste und Fragen aufwarf.

Das Bemühen um eine belebte Innenstadt hat viele Facetten. Das zeigte einmal mehr die Sitzung des Stadtrates Eltmann am Mittwochabend. Es ging um einen Rettungsbalkon, der drei Anwohnerstellplätze in der Altstadt kosten könnte, obwohl er sich im Dachgeschoss befindet.

In der Kleinhenzstraße ersteht derzeit ein Neubau, der wie das Vorgänger-Gebäude im Erdgeschoss gastronomisch genutzt werden soll, das Ober- und das Dachgeschoss sollen Wohnzwecken dienen. Für dieses Gebäude musste der Bauherr ein Brandschutzkonzept erarbeiten, das mehrfach in Absprache mit dem Landratsamt nachgebessert werden musste. Das Ergebnis eines umfangreichen Schriftverkehrs war nun ein Tekturantrag vor Fertigstellung des Dachgeschosses.

Am Giebel der Ostfassade soll nun ein Rettungsbalkon entstehen, der im ursprünglichen Bauantrag nicht vorgesehen war. Dieser Balkon entspricht mit der geringen Tiefe von 60 Zentimetern zwar der Gestaltungssatzung der Stadt, nicht aber mit der Breite von drei Metern. Darüber jedoch hätten Verwaltung wie Stadtrat hinweggesehen, schließlich ist die Notwendigkeit eines guten Brandschutzes gerade in der eng bebauten Altstadt in der Bewertung dieses Antrags unumstritten.

Was zu einer längeren Diskussion führte, war die Vorgabe, dass unter dem Balkon eine zwei Meter tiefe und drei Meter lange „Leiteraufstellfläche“ dauerhaft frei gehalten werden müsste. Deshalb stellte der Bauherr gleichzeitig den Antrag, diese Fläche langfristig zu pachten. Das würde damit drei Anwohner-Parkplätze kosten, die in der Altstadt ohnehin Mangelware sind.

Wo denn diese sieben Meter lange Leiter im Notfall herkommen soll und wie die dann auf dieser direkt unter dem Balkon liegenden Fläche platziert wird, hinterfragte Dritter Bürgermeister Peter Klein die Sinnhaftigkeit vor allem der Lage dieser Fläche. Eine Leiter stelle die Feuerwehr auf, ergänzte Zweiter Bürgermeister Hans-Georg Häfner, allerdings stelle sie das Leiterfahrzeug natürlich nicht genau unter den Balkon. Er selbst besitzt ein erst vor wenigen Jahren errichtetes Wohngebäude gleich gegenüber, ebenfalls mit Brandschutzkonzept, und er stellte die Frage, warum nicht auch bei dem Neubau wie bei ihm selbst sogenannte „französische Balkone“ (bodentiefe Fenster mit Geländer davor) als Rettungswege ausreichen. Damit würde sich die Problematik des herausragenden Balkons gar nicht stellen.

Diese Alternative soll das Bauamt der Stadt zunächst mit dem Bauherrn und vor allem dem Landratsamt klären, bevor über einen Pachtvertrag oder den Verkauf der „Leiteraufstellfläche“ entschieden wird.

Nicht grundsätzlich entgegenstellen wollte sich der Stadtrat der Voranfrage eines Unternehmens, im Industriegebiet Eltmann eine 30 Meter hohe Windkraftanlage zu errichten, auch wenn die Höhe die Festlegungen im Bebauungsplan überschreitet. Der Stadtrat reichte die Voranfrage zunächst an die Fachbehörden weiter, die die Zulässigkeit in anderen Punkten als der reinen Höhe prüft.