Kuriosum
Das Zeiler Wasserrad schöpft ins Leere
Das Holz muss entweder komplett trocken bleiben – oder eben nass. Sonst verzieht sich das Schöpfrad mit seinen vier Metern Durchmesser. Ein Grund, warum das Wasserrad in Betrieb bleibt, obwohl der Zeiler Stadtsee momentan abgelassen ist. Zwölf höl...
Das Holz muss entweder komplett trocken bleiben – oder eben nass. Sonst verzieht sich das Schöpfrad mit seinen vier Metern Durchmesser. Ein Grund, warum das Wasserrad in Betrieb bleibt, obwohl der Zeiler Stadtsee momentan abgelassen ist. Zwölf hölzerne Schöpfeimern befördern das Altach-Wasser in den Zulaufkanal zum Stadtsee.
Brigitte Krause
Brigitte Krause von Brigitte Krause Fränkischer Tag
Zeil am Main – Das Zeiler Wasserrad an der Altach ist von dem dicken grünen Algenteppich befreit. Es schaufelt Wasser zum Stadtsee, doch der braucht das nicht. Warum der Zauber?

Es gehört zwar zum Zeiler Stadtbild, doch so eine richtige Herzensbeziehung haben die Zeiler nicht zu dem Wasserrad an der Altach. Schöner als das alte Wehr ist es schon, aber irgendwie gehört es nicht so richtig an den Platz an der Sander Straße. Und dann wird es auch noch von einem Elektromotor angetrieben und nicht alleine vom Wasser selbst! Denn die Wasserschüttung von Litern pro Sekunde, die das Rad bräuchte, um sich auf natürliche Weise zu drehen, gibt die Altach nicht mehr – jedenfalls nicht im Normalzustand.

Ach es ist doch schön

Und trotzdem bleibt man stehen wie viele Stadtbesucher, und studiert müßig, wie die Schöpfkübel ein ums andere Mal ins Wasser eintauchen und ihre jeweils zehn bis 15 Liter Liter eine Etage höher in den Überlauf zum Stadtsee entleeren. Ist schon schön.

Da könnte man schon wieder lästern: Das Wasserrad läuft nicht nur mit Strom, statt solchen zu produzieren, es schöpft auch noch Wasser in einen See, der im Moment trockengelegt ist. Wie das?

Der Zeiler Stadtsee ist leer. Baggerarbeiten haben schon stattgefunden. Erst wurde eine Rinne gebaggert, die helfen soll, dass der See besser austrocknet. Im neuen Jahr geht es weiter.
Der Zeiler Stadtsee ist leer. Baggerarbeiten haben schon stattgefunden. Erst wurde eine Rinne gebaggert, die helfen soll, dass der See besser austrocknet. Im neuen Jahr geht es weiter.
Krause

Ganz einfach, erklärt der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann: Die sensible Holzkonstruktion muss entweder komplett trocken bleiben – das geht nicht – oder eben nass, damit sie sich nicht verzieht. Und so dreht das Wasserrad seine Runden.

Zeit dreht sich schneller als das Wasserrad

Wobei in der jüngsten Kältephase nichts ging. Das ganze Ding festgefroren.

Die Stadt Zeil hat das Wasserrad erst in diesem Jahr herrichten lassen, und zwar in der Werkstatt in Möhrendorf an der Regnitz, aus der es stammt. Nach gut 14 Jahren war es jetzt so marode, dass etliche Teile erneuert werden mussten. Insgesamt eine fünfstellige Angelegenheit.

Im Juli 2007 hatte sich eine Delegation so ein Konstrukt überhaupt das erste Mal angesehen. Ein Schöpfwerk wie in Bad Staffelstein sollte im Zuge der Neugestaltung der Altach das Gesamtwerk krönen. Damals hielt man die Kosten von 30 000 Euro für überschaubar.

In den Kuranlagen von Bad Staffelstein stand das Wasserschöpfrad, das das Bayreuther Architekturbüro für die Zeiler vorgesehen hatte. Wobei man es nicht ganz in Holz ausführen wollte, sondern modernere Materialien verwenden, um das Gewicht zu verringern und damit den Betrieb zu verbilligen.

Längere Lebensdauer?

Längere Lebensdauer und geringere Unterhaltskosten sollte das bringen. Freilich musste jetzt investiert werden, das gute Stück war bis auf wenige Teile marode. Fleißig hatte es den Stadtsee und die Grabengärten mit Wasser versorgt, ganz wie geplant.

Stadtchronist Ludwig Leisentritt hatte übrigens belegt, dass um 1700 gegenüber dem heutigen Bachwehr eine Lohmühle zum Gerben von Tierhäuten errichtet worden war. Die Ratsakten berichten vom Gestank, der Beschwerden auslöste.

Wegen der Feuersgefahr

Besitzer waren die Familien Eisentraut und Messerschmidt. Die hatten 1798 mit viel Holz ein neues Mühlenwörth errichten wollen. Die damals gerade einquartierten napoleonischen Soldaten trugen jedoch das Bauholz weg, um es zu verfeuern. 1844 ist die Lohmühle dann samt Nebengebäude abgebrannt. Ein Wohnhaus war der Nachfolgebau. 1862 ließ die Stadt wegen „Feuersgefahr und der Ökonomie wegen“ ein Stauwehr errichten.

Von der anderen Seite her: So sah früher der Bachrahm einmal aus.
Von der anderen Seite her: So sah früher der Bachrahm einmal aus.
Ludwig Leisentritt

„Zurück zur Natur“

Ziel war es 2007 bei der Altach-Sanierung, dass der Bach streckenweise aus dem betonierten Kanal „zurück zur Natur“ kommt. Die Rechnung damals ging auf. Schöner neuer Lebensraum ist entstanden. Die Betonwände sind durch Sandstein verkleidet, Treppen führen ans Wasser, große Steinblöcke erlauben das Queren. Auch das alte Wehr in der Sander Straße war keine Schönheit.

2007 sah es noch so aus. Ein kleines Wehr staute die Altach auf. Das Wehr wurde abgebaut und dafür das elektrisch betriebene Wasserschöpfrad an der linken Ufermauer aufgebaut.
2007 sah es noch so aus. Ein kleines Wehr staute die Altach auf. Das Wehr wurde abgebaut und dafür das elektrisch betriebene Wasserschöpfrad an der linken Ufermauer aufgebaut.
Bopp

Dessen Staubecken hatte einst den Stadtsee gespeist. Der ist aktuell trocken gelegt und wurde teilweise ausgebaggert. Er soll nicht weiter verschlammen.

2,4 Millionen Euro kostete damals alleine der Abschnitt zwischen der Sahlendersbrücke (Verlängerung der Langen Gasse) bis zum Tennisgelände. Seinerzeit ging es auch um den Schutz vor Hochwasser, vor allem für die Häuser in der Entenweidgasse. Wie der Juni 2021 zeigte, kann Hochwassergefahr nicht nur durch den Bach kommen, sondern eben auch durch starke Regenfälle. Ende 2008 war weiterhin eines der wichtigsten Einzelprojekte fertig, die Sanierung der Altachbrücke (damals noch B26).

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