Wanderung
Das sitzt: Am Ohr geht’s rund um den Flurstein
F-Signet von Gerold Snater Fränkischer Tag
Königsberg in Bayern – Die Feldgeschworenen luden die Bevölkerung zum Umgang ein. Den gab es seit 20 Jahren nicht. Die Teilnehmer bewältigten 24 Kilometer.

Zwei Jahrzehnte ist der letzte große Flurumgang im Stadtgebiet in Königsberg her. Jetzt wurde der Traditionsgang wieder neu aufgelegt und fand großes Interesse. Unter Führung der Feldgeschworenen und Märker marschierten die anfangs 100 Teilnehmer die ganze Flurgrenze der Kernstadt zu den Nachbargemeinden ab, sie überprüften den Sitz der Grenzsteine und erfuhren dabei viel Wissenswertes über ihre Heimat. Rund 24 Kilometer ist diese Strecke lang, und sie wird an einem Tag absolviert.

Bürgermeister Claus Bittenbrünn konnte früh am Morgen nahezu 100 Teilnehmer am Flurumgang in Königsberg begrüßen.
Bürgermeister Claus Bittenbrünn konnte früh am Morgen nahezu 100 Teilnehmer am Flurumgang in Königsberg begrüßen.
Foto: Gerold Snater

Erstmals im Jahr 1607 protokolliert

Den ersten protokollarisch verbürgten Umgang in Königsberg gab es 1607. In früheren Jahrhunderten wiederholten sie sich alle sieben Jahre. Später wurden die Zeitabstände unregelmäßig. Von 1872 bis 1962 fanden sie alle 30 Jahre statt, dann im 20-jährigen Turnus. Immer schon fanden die Flurumgänge hohes Interesse.

Die Märker und Feldgeschworenen der Stadt Königsberg und die Bediensteten, die den Zug anführten. Vorne in der Mitte Feldgeschworenenobmann Klaus Sinner. Dritter von rechts: Gerhard Hartmann Leiter des Vermessungsamtes Schweinfurt.
Die Märker und Feldgeschworenen der Stadt Königsberg und die Bediensteten, die den Zug anführten. Vorne in der Mitte Feldgeschworenenobmann Klaus Sinner. Dritter von rechts: Gerhard Hartmann Leiter des Vermessungsamtes Schweinfurt.
Foto: Gerold Snater

Diesmal bremste das Wetter die gute Tat aus: War es am Morgen beim Start noch trocken, so begleitete den restlichen Tag über strömender Regen die Teilnehmer. Bürgermeister Claus Bittenbrünn konnte früh auf dem Marktplatz nahezu 100 Teilnehmer aller Altersstufen, darunter auch Gerhard Hartmann, den Leiter des Vermessungsamtes Schweinfurt und natürlich die Märker und Feldgeschworenen begrüßen. Schön war auch, dass der Posaunenchor Königsberg unter der Leitung von Wolfgang Fischer beim Start und am ersten Grenzstein für die musikalische Umrahmung sorgte.

Alle hinter der roten Fahne her

Ein langer Zug, angeführt von den Märkern, machte sich auf den Weg rund um Königsberg. Vor der roten Fahne durfte niemand laufen.
Ein langer Zug, angeführt von den Märkern, machte sich auf den Weg rund um Königsberg. Vor der roten Fahne durfte niemand laufen.
Foto: Gerold Snater

Angeführt von den Feldgeschworenen und einem städtischen Bediensteten mit einer roten Fahne, vor der keiner laufen durfte, ging es – gut abgesichert von der Freiwilligen Feuerehr Königsberg – den Altershäuser Berg hinauf zum ersten Grenzstein, dem eigentlichen Ausgangspunkt des Flurumgangs. Dort warteten schon die Märker aus Altershausen und es gab ein Gläschen Wein.

Wer kennt die Bedeutung der Buchstaben?

Feldgeschworenenobmann Klaus Sinner erläuterte die sonderbare Inschrift auf dem Grenzstein, die nur aus Buchstaben besteht. Die Teilnehmer erfuhren, dass die Buchstabenfolge H-F-D-K-A-W-S-U-D-F-G-Z-L-H nichts anderes bedeutet als: „Hier Fangen Die Königsberger An, Wenn Sie Um Die Flur Gehen, Zur Linken Hand“. Gerhard Hartmann, Leiter des Vermessungsamtes Schweinfurt, erläuterte kurz den Sinn und den Nutzen der Vermessungen.

Bürgermeister Bittenbrünn „stauchte“ Maximilian Sinner am ersten Grenzstein an der Köhlerwiese.
Bürgermeister Bittenbrünn „stauchte“ Maximilian Sinner am ersten Grenzstein an der Köhlerwiese.
Foto: Gerold Snater

So sieht es die Tradition vor

Beim Flurumgang wird an sechs Steinen traditionell seit eh und je ein junger Grenzsteinbesetzer gestaucht“. Dabei wird der Bub oder das Mädchen dreimal hoch gehoben und wieder mehr oder weniger sanft auf den Stein abgelassen. Anschließend werden die „Besetzer“ noch dreimal am Ohr um den Stein geführt. Verbunden ist die Zeremonie unter anderem mit der Aufforderung des „Stauchers“ sich die Lage des Grenzsteins einzuprägen und die Heimat nicht zu vergessen. Alles begleitet mit dem traditionellen Sinnspruch.

Namen im Stadtarchiv

Auf einem Stein „gestaucht“ zu werden ist für den Besetzer ein Ereignis. Nicht nur, weil der „Gestauchte“ vom „Staucher“ ein „Schmerzensgeld“ erhält, sondern auch, weil die Besetzer in das Archiv der Stadt Königsberg eingehen.

Bürgermeister Bittenbrünn „stauchte“ Maximilian Sinner am ersten Grenzstein an der Köhlerwiese.
Bürgermeister Bittenbrünn „stauchte“ Maximilian Sinner am ersten Grenzstein an der Köhlerwiese.
Foto: Gerold Snater

Auf dem ersten Stein hatte Maximilian Sinner Platz genommen. Stolz ließ er sich von Bürgermeister Claus Bittenbrünn „stauchen“. Dieser Vorgang wiederholte sich auf dem Gang rund um Königsberg bei den fünf weiteren bedeutenden Grenzsteinen. So wurde am Stein an der Staatswaldgrenze Enno Schmidt vom Obmann der Feldgeschworenen Klaus Sinner „gestaucht“, am „Dornbusch“ Kilian Kettler von Pfarrer Peter Hohlweg, am „Wachtle“, der Grenze zur Hellinger Flur, Felia Austel von Stadtrat Ralf Schlinke, am Stein zur Prappacher Flur Gustav Merz von Zweitem Bürgermeister Alexander Krauser und beim letzten Stein am „Löhlein“ an der Grenze zu Altershausen Lian Neu von Stadtrat Peter Schüler.

Begrüßt wurden auch immer die Feldgeschworenen und Verantwortlichen der an diesen Steinen angrenzenden Fluren. Unterwegs gab es bei den Anglern am alten Schwimmbad zwischen dem dritten Stein am Dornbusch und dem vierten Stein am „Wachtle“ eine Mittagspause.

Wegen des Regens fand die Mittagspause bei den Anglern am alten Schwimmbad statt. Mit einem warmen Mittagessen und Kaffee und Kuchen konnten sich die Wanderer etwas aufwärmen bevor es weiter ging.
Wegen des Regens fand die Mittagspause bei den Anglern am alten Schwimmbad statt. Mit einem warmen Mittagessen und Kaffee und Kuchen konnten sich die Wanderer etwas aufwärmen bevor es weiter ging.
Foto: Gerold Snater

Schon vier Mal dabei

Bürgermeister Claus Bittenbrünn nutzte sie, um Teilnehmer zu ehren, die bei mehreren Flurumgängen dabei waren. Helga Göggel, Henry Austel, Ingeborg Schmidt, Iris Holzberg, Gunther Sinner, Klaus Zitzmann und Ernst Zieg nahmen seit 1962 zum vierten Mal teil.

Bürgermeister Claus Bittenbrünn (rechts) mit fünf der sieben Teilnehmer, die zum  vierten Mal am Flurumgang in Königsberg teilnahmen. Von links: Iris Holzberg, Ingeborg Schmidt, Helga Göggel, Henry Austel und Gunther Sinner.
Bürgermeister Claus Bittenbrünn (rechts) mit fünf der sieben Teilnehmer, die zum vierten Mal am Flurumgang in Königsberg teilnahmen. Von links: Iris Holzberg, Ingeborg Schmidt, Helga Göggel, Henry Austel und Gunther Sinner.
Foto: Gerold Snater

Weit über 20 Wanderer umrundeten die Königsberger Flur an diesem Tag zum dritten Mal. Ihre Namen wurden von der Stadt festgehalten. Am späten Nachmittag kamen alle Teilnehmer, meist durchnässt, aber wohlbehalten wieder am Marktplatz an, wo sie sich noch einmal stärken konnten.

Lesen Sie auch

Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: