Energiewende
Nicht nur Solarmodule: Rauhenebrach will mehr
Photovoltaik auf dem Dach, Holzheizung im Keller, diese Kombination ist in Rauhenebrach weit verbreitet, wie auch im sanierten Rathaus. Geht noch mehr für die Energiewende?
Photovoltaik auf dem Dach, Holzheizung im Keller, diese Kombination ist in Rauhenebrach weit verbreitet, wie auch im sanierten Rathaus. Geht noch mehr für die Energiewende?
Foto: Sabine Weinbeer
Rauhenebrach – Rauhenebrach prüft, wie mittels Bürger-Beteiligungsprojekten weitere Beiträge zur Energiewende geleistet werden können.

Zur Teilnahme an der Energiewende musste GUT-Geschäftsführer Marco Siller die Gemeinderatsmitglieder in Rauhenebrach nicht erst überreden; doch dazu, was in Rauhenebrach möglich wäre, möchten Bürgermeister Matthias Bäuerlein und sein Gremium in den nächsten Monaten noch intensiv diskutieren. Siller zeigte am Dienstag in der Gemeinderatssitzung auf, welchen Energiemix der Landkreis Haßberge aufstellen müsste, um nicht nur den benötigten Strom, sondern auch die Wärme aus eigenen Quellen zu produzieren.

Dabei müsse es das oberste Ziel sein, dass die Kommunen das Heft des Handelns in der Hand behalten, damit zum einen ein Wildwuchs verhindert wird und zum anderen die Wertschöpfung vor Ort erfolgt. Das sieht auch der Gemeinderat Rauhenebrach so, deshalb soll Marco Siller möglichst bald einen Energienutzungsplan vorlegen. Dieser soll aufzeigen, wo in Rauhenebrach beispielsweise Freiflächen-Photovoltaik oder auch Windkraft möglich wäre.

Freiflächen-Photovoltaik gibt es in Rauhenebrach noch nicht, doch auf den Dächern sind die Hauseigentümer in der Flächengemeinde sehr gut dabei. Viele landwirtschaftliche Gebäude kommen da auch auf allerhand Leistung.

Bei der Sanierung des Rathauses war es selbstverständlich, auf dem Dach Strom zu erzeugen und im Keller Pellets anstelle von Erdöl zu verfeuern.

Auch das Schulgebäude wird seit Jahren mit einer Hackschnitzelheizung auf Temperatur gebracht. Holz ist in Rauhenebrach traditionell ein weit verbreiteter Brennstoff. In Falsbrunn steht außerdem eine Biogasanlage, betrieben vom Zweiten Bürgermeister Alfred Bauer.

Biogasanlagen und Blockheizkraftwerke seien in der Energiewende sehr wichtig, betonte Marco Siller, denn sie stabilisierten das Netz, während Sonnen- und Windkraft sich zwar gut ergänzten, aber schwankend erzeugt würden. Deshalb müsse man sich auch um die Speicherung kümmern – ob dezentral in Batteriespeichern oder auch durch die Erzeugung von Wasserstoff, was in Haßfurt ja schon umgesetzt werde. Diese Technik könnten jedoch einzelne Kommunen nicht schultern, hier sei der Zusammenschluss gefordert, den die Bürgermeister des Kreises im Oktober besiegelt haben.

Die Gemeinderatsmitglieder hörten aufmerksam zu und erfuhren, was es schon gibt und was man noch wünschenswert wäre.

So brauche man etwa drei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen für Freiflächen-Photovoltaik und etwa 20 Windräder im gesamten Landkreis, sagte Siller.

„Alleine auf Dächer zu setzen, wird nicht zum Ziel führen“, sagte Siller auf Nachfrage, weil die Herstellungskosten bei größeren Anlagen geringer seien. Zudem führe die Neufassung des EEG-Gesetzes dazu, dass Privatdächer eher nur noch für den Eigenverbrauch ausgelegt würden, statt die ganzen Dachflächen auszunutzen.

Wie sieht es mit Windkraft aus?

Im Gemeinderat wollte man wissen, ob Windkraft in Rauhenebrach denn überhaupt möglich und wirtschaftlich sinnvoll wäre. Siller sagte ein klares Ja. Da Überlegungen von Oberaurach und Rauhenebrach, gemeinsam an einem Standort zwischen den beiden Gemeinden Windräder zu errichten, vor Jahren nicht weiterverfolgt worden seien, gebe es hier jedoch keine Vorbehaltsflächen. Deshalb würde ein Planungs- und Genehmigungsverfahren hier etwa zehn Jahre benötigen. Im Landkreis gebe es drei solcher Vorbehaltsflächen, nur zwei davon seien jedoch geeignet.

Der Gemeinderat Rauhenebrach war sich nach ausführlicher Behandlung einig, dass man die Möglichkeiten intensiv prüfen wolle. Grundlage dabei sei, die Bürger mitzunehmen und ihnen auch Investitionen zu ermöglichen. Auf keinen Fall will Rauhenebrach externe Investoren, die auch noch unnötigen Druck auf die Pachtpreise ausüben. Dass die Energiewende nicht unsichtbar bleiben könne, ist den Mitgliedern des Gremiums klar, doch gerade wenn es um Windkraft geht, plädiere man eher für konzentrierte Anlagen als über die Landschaft verstreute Windräder.