Baustellen
Schluss mit dem Verkehrsfluss
Bis Dienstag regelten Ampeln den Verkehr, jetzt bleibt er komplett ausgesperrt.
Bis Dienstag regelten Ampeln den Verkehr, jetzt bleibt er komplett ausgesperrt.
Foto: Eckehard Kiesewetter
LKR Haßberge – Ab diesem Mittwoch geht nichts mehr an der Ortsdurchfahrt Hofstetten. Der Endspurt der Bauarbeiten zwingt Tausenden weite Umwege auf.

Nichts geht mehr. Das gilt ab Mittwoch, 1. Dezember, für zehn Tage auf der Verbindungsstraße (Staatsstraße 2279) zwischen den beiden größten Orten im Landkreis Haßberge, Haßfurt und Ebern, im Bereich der Ortsdurchfahrt Hofstetten. Ebenfalls bis 10. Dezember unpassierbar bleibt die Staatsstraße 2276 zwischen Haßfurt und Knetzgau. Hintergrund für die Vollsperrung sind in beiden Fällen Asphaltierungsarbeiten.

Wichtige Verbindung

Solche Baustellen sichern Verbindungen, für eine gewisse Zeit behindern sie aber auch und gehen mit Belästigungen einher. Und in manchen Fällen müssen diese Anbindungen auch für kurze Zeit gekappt werden. Im Falle Hofstettens betrifft es die Staatsstraße, die vor 50 Jahren bei der Gebietsreform den Brückenschlag zwischen der Bis-dato-Kreisstadt Ebern (Landkreis Ebern) und der Nach-wie-vor-Kreisstadt Haßfurt sicherte.

Obwohl Hauptverbindung zwischen dem Maintal und dem nordöstlichen Landkreis, ist die Strecke laut aktuellster Statistik (Stand 09/2017) mit 2130 Kraftfahrzeugen (94 mal Schwerverkehr) pro Tag relativ wenig befahren. „Die Belastung in der Ortsdurchfahrt Hofstetten“, sagt Manfred Rott, Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt Schweinfurt, „liegt unter den Durchschnittswerten“.

Anderswo läuft mehr

Im gesamten Amtsbereich seiner Behörde werden die Staatsstraßen im Schnitt täglich von 2628 Fahrzeugen genutzt, im Landkreis Haßberge sind es durchschnittlich 2239. Zum Vergleich: Die Strecke Haßfurt-Knetzgau liegt stark über diesen Werten. Diese passieren binnen 24 Stunden 6953 Fahrzeuge, darunter 279 Schwertransporte.

Die Bauarbeiten in Hofstetten an Straße, Kanal und Abwassernetz laufen seit Anfang Oktober, wobei sich Verkehrsteilnehmer auf minutenlange Wartezeiten an der Baustellenampel einstellen mussten.

Jetzt wird die Ortsdurchfahrt für zehn Tage komplett gesperrt, weil der Einbau der Asphaltschichten ansteht. Zehn Tage für eine gerade mal 700 Meter lange Strecke? „Das ist ja nicht nur einfach die eine Schicht“, sagt Ingo Petz, Polier des Bautrupps der Firma Strabag, „da hängt mehr dran. Erst wird gefräst, dann kommt ein Flies rein, Kleber drauf, dann die Bindeschicht und zuletzt die Deckschicht – Flüsterasphalt“.

Bei winterlichen Temperaturen wie zurzeit sei es angenehmer, als den heißen Asphalt bei brütender Sommerhitze aufzubringen. „Wir sind eisenbereift“ sagen die Männer und grinsen. Zudem mache der Asphalt, der 250 Grad heiß aus Haßfurt angeliefert wird, richtig schön warm.

Umleitung über Köslau und Dörflis

Der Durchgangsverkehr muss sich jetzt bis zum Ende der zweiten Dezemberwoche auf eine längere Umleitung einstellen: von Haßfurt kommend über Kottenbrunn nach Dörflis, weiter nach Köslau und Bühl zurück auf die Staatsstraße. Die Route ist ausgeschildert. Zum Teil sind die Ortsdurchfahrten in diesem Bereich eng, weshalb Halteverbote und Ampeln aufgestellt werden. Autofahrer sollten sich für die Strecke vorsichtshalber ein Viertelstündchen mehr einplanen, zumal Wildwechsel und der Wintereinbruch diesen Bereich heikel machen. „Da gibt’s Berge und viele Kurven, da passt der Schnee jetzt gar nicht ins Konzept,“ sagt ein betroffener Pendler.

Eine Erleichterung

Die Fahrbahn-Sanierung kostet laut Manfred Rott etwa 585 000 Euro. Weil es sich um eine Staatsstraße handelt, übernimmt der Freistaat die Kosten. Die Stadt Königsberg hat den Angaben zufolge 30 000 Euro für Kanal- Wasser – und Bauarbeiten an den Gehwegen aufzuwenden.

Die Bürger im Dorf freuen sich, wenn der Verkehr in Zukunft nicht mehr über einen Flickenteppich rumpelt sondern auf leisem Asphalt. Und sie sind froh, wenn sie’s hinter sich haben. „Wir haben ja lange genug warten müssen, bis es losgegangen ist“, sagt Albert Brückner, einer der Anrainer. Er lobt die Bauarbeiter, die stets darauf geachtet hätten, dass die Zugänge zu den Anwesen gewährleistet blieben. Der Bautrupp seinerseits betont, wie verständnisvoll die Anwohner reagiert hätten. Das sei nicht überall so.

Sammelplatz für Abfalltonnen

In Hofstetten gibt es nur die eine Straße. Deshalb wird die Abfallentsorgung zum Sonderfall. Für die Leerung der Mülltonnen wird eine Ausweichsammelstelle an einer Einfahrt unweit des östlichen Ortsrands angeboten, für ein paar Meter die der Platz außerorts liegt, werden Baken aufgestellt, „als Quasi-Gehweg außerorts“, sagt Bauamtsmann Manfred Rott. Für manche Bewohner bedeutet dies, dass sie mit ihren Tonnen Hunderte von Metern bergauf quer durchs Dorf rollen müssen, um die Gefäße am Abstellplatz zu deponieren.

„Kein Problem“, sagt Markus Geuß, der Ortsvertreter im Königsberger Stadtrat. Es geht ja nur um drei Leerungen und Bioabfall hat im Ort eh kaum jemand. Die Leute haben ja alle Komposthaufen.“ Ein Problem sei allenfalls die schwere blaue Tonne, denn die wolle vor der Papier- und Kartonflut zu Weihnachten natürlich jeder geleert haben. Doch im Ort habe fast jeder einen Hänger oder andere Transportmittel, erklärt Geuß, „und wenn man sich gegenseitig hilft, ist das leicht zu schaffen“.

Bis Weihnachten, stellt das Bauamt in Aussicht, sollen Restarbeiten an der Straße, etwa die Markierungen, erledigt werden – zumindest sofern es die Witterung zulässt. Und letzte Arbeiten an den Gehwegen sind für das Frühjahr vorgesehen.

Noch zehn Tage geduld

Fast 7000 Verkehrsteilnehmer sind täglich betroffen und müssen demzufolge im Moment Umwege in Kauf nehmen. Wegen Arbeiten im Einmündungsbereich der St 2275 (Wonfurt) bis zum Ortseingang von Knetzgau gibt es zurzeit auch auf der Strecke zwischen Haßfurt und Knetzgau kein Durchkommen.

Dort dauert die Vollsperrung für die Asphaltierungsarbeiten bereits seit Mitte November an und soll noch bis Ende nächster Woche gelten. Verkehrsteilnehmer benötigen also noch zehn tage Geduld. Sie werden großräumig umgeleitet. Die offizielle Ausweichroute für beide Richtungen auf dem sogenannten „Autobahn-Zubringer“ (St 2427) über den Main und weiter zur ehemaligen B26 (St 2447) nach Haßfurt ist entsprechend beschildert.

Viele Ortskundige wählen eine andere Strecke. Wer von Knetzgau aus in die Haßfurter Innenstadt möchte, kann auch die - allerdings nicht von der Behörde ausgewiesene - Route über Hainert und Wonfurt nutzen. Diese Strecke kann nur von Autos oder Zweirädern befahren werden, nicht jedoch von Schwerlastverkehr.

Wegen der Sperrung mussten beispielsweise auch die Bushaltestellen am Schützenhaus und am Turngarten in Knetzgau verlagert werden. Während der Sanierungsphase kann nur die Haltestelle an der Dreiberg-Schule in der Hainerter Straße genutzt werden.

Die Bauarbeiten in diesem Bereich kosten den Freistaat laut staatlichem Bauamt rund 700 000 Euro.

.