Heißes Hobby
Hier wird Holzkohle noch selbst gemacht
Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
Der Meiler wird am Docht entzündet.
Foto: Christian Licha
Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
Wenn der Meiler abgetragen ist, wird die Holzkohle zwei Tage zum Trocknen ausgebreitet. Klaus Baumann (links) und sein Schwager Wolfgang Schmitt (rechts) müssen dabei auch einzelnen Glutnester ablöschen.
Foto: Christian Licha
F-Signet von Christian Licha Fränkischer Tag
Koppenwind – Vorsorgen für den Winter: Kann man sich Kohle selbst herstellen? Klaus Baumann kann die Frage beantworten, denn er weiß, wie das geht.

Alle drei Jahre bietet sich am Rande des kleinen Steigerwalddorfes Koppenwind ein ganz besonderes Schauspiel. Hier wird dann nach alter Art hochwertige Holzkohle hergestellt und zwar ganz traditionell mit einem Kohlenmeiler.

Klaus Baumann stammt aus einer Köhler-Familie. „Mir hat es mein Vater Hans-Peter beigebracht, der das Handwerk wiederum von seinem Vater erlernte“, sagt der 50-Jährige. Auch die nächste Generation scheint gesichert zu sein, denn Baumanns 29-jähriger Sohn Benedikt hilft fleißig mit.

Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
Romantischer Sonnenaufgang hinter dem Kohlenmeiler
Foto: Christian Licha

Drei Tage Arbeit liegen hinter Klaus Baumann und seiner 15-köpfigen Helferschar, die ausschließlich aus Verwandten und deren Angehörigen besteht. 14 Ster bestes Buchenholz in ein Meter langen Scheiten wurden in mehreren Schichten fein säuberlich aufgeschichtet, damit ein annähernd halbkugelförmiger Haufen entsteht.

Ein Ster entspricht einem Würfel von einem Meter Seitenlänge, also einem Kubikmeter. Das Ganze steht auf der sogenannten Kohlplatte, einer Fläche, die mit Feldsteinen vor vielen Jahren dauerhaft befestigt wurde.

Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
Wenn der Meiler fertig aufgebaut ist, wird er mit Sandboden abgedichtet.
Foto: Christian Licha

In der Mitte des Holz-Haufens ist der Docht, den Klaus Baumann so beschreibt: „Drei Fichtenstangen stehen im Dreieck zueinander und werden mit Reisig eingebunden.“ Als Trennschicht wird Moos verwendet, das außen an den Buchenholzscheiten angebracht wird.

Zum Schluss wird der Kohlenmeiler mit sandigem Boden bedeckt. „Das sieht dann fast wie ein überdimensionierter Maulwurfshügel aus“, sagt Klaus Baumann augenzwinkernd.

600 bis 700 Grad heiß wird es im Inneren des Meilers

Nach der schweißtreibenden Vorarbeit wird es noch heißer. Wie bei einer Kerze wird der Meiler ganz oben am Docht entzündet. Das Loch, in dem der Docht steht, wird mit Moos und Boden abgedichtet und mit einem Blechdeckel luftdicht verschlossen.

Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
Zur Regulierung der Verkohlung werden Zugluftlöcher gestochen.
Foto: Christian Licha

Anhand von Metallspitzen, die Klaus Baumann eigens für die Köhlerei anfertigen ließ, werden einzelne Zuglöcher eingestochen, mit denen das Feuer im Meiler reguliert werden kann. „600 bis 700 Grad heiß wird es im Inneren des Meilers“, weiß der Köhler aus Leidenschaft, der auch am Rauch erkennt, wie sich das Feuer entwickelt.

Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
Die fleißige Helfertruppe im Jahr 2022. Nur mit Hilfe seiner Verwandtschaft kann Klaus Baumann seine Hobby-Köhlerei stemmen.
Foto: Christian Licha

Die Farbe des Rauches zeigt, ob zu viel oder zu wenig Luftzufuhr herrscht und wie weit die Verkohlung vollendet ist. Ist der Rauch weiß und dicht, ist das Holz noch nicht verkohlt, ist er hell, fast durchsichtig und langsam bläulich, ist das Holz verkohlt.

Acht Tage dauert das Kohleherstellen

Der Meiler verkohlt von oben nach unten. In dessen Verlauf sackt er langsam ein. „Nach drei Tagen ist das Gröbste überstanden“, sagt der Fachmann, der sich für die etwa acht Tage andauernde Aktion extra Urlaub genommen hat.

Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
Nachdem der Docht eingebaut wurde (oben Mitte), werden die Holzscheite ringsum geschlichtet. 14 Ster Buchenholz wurden dieses Jahr dazu verwendet. Der rote Kreis markiert das Ausmaß des fertigen Kohlenmeilers.
Foto: Christian Licha

Denn Tag und Nacht muss der Köhler beziehungsweise die Rauchentwicklung überwacht werden. Starker Regen macht dem Kohlenmeiler nichts aus, aber bei trockener Hitze gibt es Probleme mit der Luftzufuhr. „20 Grad und eine feuchte Luft sind ideal für die Köhlerei", sagt Baumann. Diese Witterung gab es in jüngster Vergangenheit aber nicht.

Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
Tag und Nacht muss der Meiler ständig überwacht werden. Der Rauch sagt dem Hobby-Köhler Klaus Baumann und seinen Helfern, wie weit die Verkohlung fortgeschritten ist und ob die Luftzuführung reguliert werden muss.
Foto: Christian Licha

Dann heißt es wieder anpacken für alle 15 Männer und Frauen. Wenn die Verkohlung beendet ist, ist der Meiler auf die Hälfte seines ursprünglichen Volumens zusammengeschrumpft. Die Abdeckung wird geöffnet und dann wird die Kohle mit einem Rechen und mit Schaufeln ausgezogen und zum Abkühlen ausgebreitet. Zwei Tage muss die Kohle trocknen. Bei idealen Verhältnissen ergeben ein Ster Rohholz rund 100 Kilo Holzkohle.

Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
Bei der Eröffnung der Zisterzienser-Radrunden im Mai diesen Jahres hatte die Familie Baumann einen Schau-Meiler aufgebaut, dessen Querschnitt-Ansicht in das Innere blicken ließ.
Foto: Christian Licha

Die Familie Baumann will damit kein Geschäft machen, sondern teilt das „schwarze Gold“ unter den Helfern auf. „Die Qualität unserer Holzkohle ist überhaupt nicht mit Kohle aus dem Baumarkt zu vergleichen“, sagt Klaus Baumann und hält ein Stück des verkohlten Holzes in der Hand und erklärt:

Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
Richtig große Brocken und wenig Feinanteil, das sind die Merkmale der selbst hergestellten, sehr hochwertigen Buchen-Holzkohle.
Foto: Christian Licha

„Wenn sie bläulich schimmert, dann ist das die beste Qualität, die man sich vorstellen kann.“ Kein Wunder, denn im Gegensatz zur Fabrikherstellung verwenden die Baumanns nur reines Buchenholz, das dann im Ergebnis viel größere Kohlebrocken und weniger Feinanteil hat als im Handel gekaufte Ware.

Klaus Baumann schürt in Koppenwind den Kohlenmeiler an
„Wenn sie bläulich schimmert, dann ist das die beste Qualität, die man sich vorstellen kann“, sagt Klaus Baumann über seine selbst hergestellte Holzkohle.
Foto: Christian Licha

Bis 1987 wurde in Koppenwind gewerblich Holzkohle hergestellt, erinnert sich Klaus Baumann. Ganz früher wurden die Köhler „Schwarze Männer“ genannt, weil sie im dunklen Steigerwald lebten und durch die Arbeit ständig voller Ruß und Kohlenstaub waren. Mehr als 1000 Jahre war Koppenwind eine Hochburg der Köhlerei.

Die berühmte Glashütte von Balthasar Neumann in Fabrikschleichach hätte es ohne die Köhler wohl nicht gegeben

24 Kohlplatten sind nachgewiesen. Baumann vermutet sogar, dass es die berühmte Glashütte von Balthasar Neumann in Fabrikschleichach ohne die Köhler wohl nicht gegeben hätte. Die Glasproduktion war nämlich damals auf den hochwertigen Brennstoff angewiesen.

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