Besonderes Hobby
30 Jahre Ebern im eigenen Arbeitszimmer
Günter Lipp stöbert in seinem Archiv. Wo bei anderen Schränke oder Wohnwände stehen, haben die Lipps meterweise Aktenordner angesammelt.
Günter Lipp stöbert in seinem Archiv. Wo bei anderen Schränke oder Wohnwände stehen, haben die Lipps meterweise Aktenordner angesammelt.
Foto: Helmut Will
Frickendorf – Günter Lipp sammelt und forscht seit Jahrzehnten. Sein Privatarchiv umfasst knapp 300 Ordner. Findet seine enorme Sammlung bald Platz im Stadtarchiv?

Günter Lipp, Kreisheimatpfleger von 1991 bis 2020, hat von seinem Arbeitszimmer in Frickendorf aus einen weiten Blick über das Baunachtal in Richtung Ebern. Erstaunlich groß ist auch die Fläche, die sein umfangreiches privates Archiv umfasst, welches in mehreren Zimmern seines Hauses in Frickendorf untergebracht ist.

„Hobbys haben viele. „Meines ist das Sammeln und Aufschreiben von Dingen von früher und heute. Das ergab in vielen Jahren ein umfangreiches Heimatarchiv“, sagt der pensionierte „Schulmeister“, der 30 Jahre seines Berufslebens als Seminarrektor Junglehrer ausgebildet hat.

Er lehnt sich in seinem Sessel zurück und sagt: „Wissen sie, ich habe Interesse an der Geschichte, besonders auch an ganz gewöhnlichen, alltäglichen Dingen, die sonst niemand aufschreibt oder fotografiert.“

Korbweise Unterlagen zur Auswertung

Günter Lipp wertet auch nach Ende seiner Tätigkeit als Kreisheimatpfleger für den Raum Ebern täglich die Süddeutsche Zeitung und die örtlichen Tageszeitungen nach interessanten Dingen aus. „Das sind Meldungen über unsere Orte, politische Ereignisse, über eine besondere Glocke, über eine uralte Japanerin, über Ausgrabungen und Sprachwendungen und vieles andere mehr“, erläutert er.

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Dazu kommen interessante Aufsätze aus zahlreichen Zeitschriften. Diese Hefte komplett aufzuheben, lohne sich nicht. In seiner Sammlung sind auch Flurpläne, Fotos, Interviews, Gutachten oder besondere Erlebnisse zu finden – lauter Kleinigkeiten, die aber die Zeit charakterisieren.

Der 80-Jährige hat schon korbweise Unterlagen von heimatforschenden Kollegen zur Auswertung erhalten. So vom ehemaligen Hauptlehrer Willy Bergmann, dem ehemaligen Seminarleiter Fritz Klemm und Rektor Hans Sperber oder vom ehemaligen Stadtrat Herbert Föhlisch. „Ihre Unterlagen habe ich Blatt für Blatt ins eigene Archiv eingeordnet.“

Um die 300 Ordnern angesammelt

Er hält es für wichtig, alles sofort in Ordnern unterzubringen, denn: „Dem PC misstraue ich auf lange Sicht, Papier hält länger. Deshalb ist auch mein Kopierer immer stark beschäftigt.“ Was kommt da zusammen? „Insgesamt haben sich im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte bestimmt um die 300 Ordner in den Räumen unseres Hauses angesammelt“, sagt Lipp.

Um auf den ersten Blick zu erkennen wo er suchen muss, bedarf es eines besonderen Sinn für Ordnung. Lipp hat seine Ordner in fünf Hauptgebiete farblich unterteilt und zwar für Orte, Sachthemen, Wappen, Burgen und Denkmale.

Ansprechpartner für Heimatinteressierte 

Günter Lipp hat als Kreisheimatpfleger von 1991 bis 2020 den östlichen Teil des Landkreises Haßberge betreut, der den Bereich von Allertshausen bis Wüstenwelsberg, von der Stadt Ebern über Orte wie Pfarrweisach, Breitbrunn oder auch zu Weilern wie Hebendorf umfasst.

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Das Material zu den Dörfern, die im östlichen Bereich des Landkreises liegen, umfasst zurzeit allein schon 73 Ordner. „Besonders viel Material habe ich über Kraisdorf, wo ich früher Lehrer war und auch über meinen heutigen Wohnort Frickendorf, indem er seit 1980 alle fünf Jahre die Häuser vom gleichen Standort aus fotografiert, um so die Veränderungen zu erkennen.

Auch wenn inzwischen Christiane Tangermann aus Heubach die Aufgabe der Heimatpflegerin übernommen hat und mit liebe und Engagement erfüllt: Oft hört man, dass Lipp der richtige Ansprechpartner sei, wenn jemand etwas über seinen Heimatort erfahren möchte. „Einmal habe ich mich gewundert, dass ein P-Kurs des Gymnasiums über Rentweinsdorf forschte, ohne meine Sammlung zu nutzen.“

Ebern in 62 Ordnern

Um auf Ebern einzugehen: Hierzu hat er allein 62 Ordner. Diese gliedern sich in eine Familiensammlung mit Stammbäumen, Matrikeleinträgen, Sterbezettel und Zeitungsartikel. Das Häuserbuch der Altstadt zeigt das Aussehen und die Geschichte der Gebäude.

Weiter hat Lipp alles über Vereine in Ebern gesammelt, über die Denkmale in der Stadt, die Wirtshäuser früher und heute und auch eine spezielle Sammlung über die Zeit von 1933 bis 1950. „Das alles müsste eigentlich im Stadtarchiv in Ebern gesammelt werden“, sagt Günter Lipp.

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Auch Corona füllt schon zwei Ordner

Immer wieder werde er mit Anfragen zu einzelnen Häusern in Ebern konfrontiert. Antworten zum Krankenhaus, zu Kirchen, Bädern, Künstlern, für Lipp kein Problem. Er weiß, wo alles steht, ein Griff und er kann Auskunft geben.

Alleine 50 Ordner hat er zu Sachgebieten vom Wetter über Esoterik, zu Symbolen, alten Karten und auch besonders zum Thema Namen, Brauchtum, Bauen und Kirchen. „Auch zum Thema Corona haben sich in letzter Zeit bereits zwei Ordner gefüllt“, sagt Lipp.

Zahlreiche Ordner gibt es über die rund 150 Gemeinde- Orts- und Familienwappen, die er selbst entworfen hat. Hierzu erreichen ihn mitunter nach Jahren noch Anfragen. 38 Ordner umfasst das Material zu den Burgen und Schlössern in der Region mit Informationen der zugehörigen Adelsfamilien und Unterlagen für Führungen.

Die vielen Kleindenkmale im östlichen Landkreis füllen weitere fünf Ordner in seiner Sammlung. „Jeder Bildstock, jedes Holzkreuz und jeder Kreuzstein ist hier mit seiner Geschichte erfasst“, erzählt Günter Lipp.

Die größte Sammlung privater Heimatliteratur

Er ist der Meinung, dass sein Archiv wohl die größte Sammlung privater Heimatliteratur umfasst. Es gebe kaum eine Ortschronik, die Lipp nicht in seinem Bestand hat, darunter auch Originalausgaben wie den „Lehnes“ oder die Rotenhan-Chronik.

Ferner hat er Festzeitschriften und Jahresausgaben gesammelt, die Vereine zu ihren Jubiläen herausgebracht haben. Auch er selbst hat inzwischen mehr als 600 Artikel zur Heimatgeschichte verfasst.

Das Haus von Günter und Beate Lipp enthält viele Schätze, die einen geeigneten Raum für später suchen. Wäre das Stadtarchiv von Ebern der richtige Platz?

Günter Lipp nickt und sagt: „Ja, warum nicht. Ich denke solche speziellen und aktuellen Unterlagen wie ich sie in vielen Jahren gesammelt und archiviert habe, fehlen dort bisher. Und später werden sie zu Schätzen!“