Umdenken nötig
"Elterntaxis" werden zur Plage
Alles richtig gemacht, dafür gibt’s einen grünen Smiley. Dieses Quartett läuft jeden Tag zur Schule. Die Grundschüler strahlten über das Lob von Dominique Heim und Matthias Krapf.
Alles richtig gemacht, dafür gibt’s einen grünen Smiley. Dieses Quartett läuft jeden Tag zur Schule. Die Grundschüler strahlten über das Lob von Dominique Heim und Matthias Krapf.
Foto: Christian Licha
LKR Haßberge – So genannte „Elterntaxis“ verursachen an den Schulen im Landkreis Stress und Gefahren in den Schulalltag. In Trossenfurt gab’s jetzt rote Karten.

Dass der Opa jetzt die rote Karte einkassiert, kommentiert der Enkel trocken: „Ich habe es meinem Opa gesagt, dass ich eigentlich lieber in die Schule laufen will.“ Der Opa ist vor dem Schulhaus der Polizei in die Hände gefahren. Die rote Karte ist zum Glück nur symbolisch. Und die Polizisten sind zwar echt, aber letztlich unterwegs in ihrer Funktion als Verkehrserzieher.

Unterm Strich war der Pimpf doch stolz auf den Opa, denn der war einsichtig: „Eigentlich habt Ihr Recht, zumal es gar nicht so weit von uns zu Hause in die Schule ist.“ Meinte der Senior und versprach, sein Tun zu überdenken.

Eltern rangieren und nerven alle anderen

Viele Eltern merkten an diesem Morgen selber, welche Gefahren entstehen, wenn Eltern und Verwandte Kids einzeln zur Schule fahren. Dann nämlich entsteht dort Enge und Ärger. Die Kinder taten sich an dem Tag wesentlich leichter, „einfach mal durch den Holzreifen zu steigen“. Bernd Bullnheimer vom Verein „Wir gestalten Heimat“ schwang seinen Holzreifen und mahnte damit zum Umdenken.

Mal ’was anders machen, Verhalten ändern! Kinder steigen leicht durch den Holzreif.
Mal ’was anders machen, Verhalten ändern! Kinder steigen leicht durch den Holzreif.
Foto: Christian Licha

Gerade die Erwachsenen sehen die alternativen Möglichkeiten gar nicht mehr und packen die Kinder ins Auto, statt ihnen eigenständige Mobilität zu geben. Die Kinder haben in den seltensten Fällen weite Schulwege. Vielmehr bewegt die Eltern oft übertriebene Fürsorge. Gegen das Mehr und Mehr von „Elterntaxis“ arbeiten gegenwärtig die Verkehrserzieher Dominique Heim und Matthias Krapf von der Polizeiinspektion Haßfurt mit Polizeihauptkommissar Stefan Scherrer an.

Stefan Scherrer (rechts) und Bernd Bullnheimer (links) sprachen Eltern an.
Stefan Scherrer (rechts) und Bernd Bullnheimer (links) sprachen Eltern an.
Foto: Christian Licha

Dazu stehen sie eben schon auch mal früh um 7.30 Uhr vor dem Schulhaus in Trossenfurt. „Manchmal gibt es aus beruflichen oder anderen Gründen keinen anderen Weg, als das Kind mit dem Auto zur Schule zu fahren“, sagt Heim. „Das sollte die Ausnahme bleiben“, mahnt Matthias Krapf.

Die wichtigsten Gründe, das „Elterntaxi“ stehen zu lassen

Gefahren Durch den Elternverkehr entstehen gefährliche Situationen direkt vor der Schule. Wer es nicht lassen kann, der sollte wenigstens sein Kind bereits eine Straßenkreuzung zuvor aus dem Auto lassen. Angehörige in Autos behindern nämlich Schulbusse, sie verursachen gefährliche Fahr- und Wendemanöver, sie fahren zu schnell oder halten gar in zweiter Reihe oder im Halteverbot. Alles Stressmomente, die keiner braucht.

Laufen Stefan Scherrer, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizei in Haßfurt, hob hervor, wie gut der Fußwege zur Schule für die Kinder ist. Buben und Mädchen, die täglich Laufen, erleben ihre Eigenständigkeit positiv. Die frische Luft bringt ihnen eine höhere Konzentrationsfähigkeit im Unterricht, ihre körperliche Fitness ist besser und, wenn sie mit Gleichaltrigen unterwegs sind, stärkt jeder Tag auch ihr Sozialverhalten. Hervorzuheben ist laut Scherrer auch, dass Kinder dadurch in die Lage versetzt werden, frühzeitiger ein Bewusstsein für Gefahrensituationen im Straßenverkehr zu entwickeln.

Klimaschutz Und noch ein Aspekt. „Unsere Umwelt ist dankbar für jeden Kilometer Autofahrt, der eingespart werden kann“, sagte Petra Sommer, die stellvertretende Leiterin des Umweltbildungszentrums Oberschleichach (Ubiz), die ebenfalls Gespräch mit den Eltern suchte. Es reicht nicht aus, zu wählen oder zu demonstrieren, man muss auch handeln.

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